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Es sind Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen

Erfahrungsbericht über neun Monate Leben und Arbeiten in Guatemala

von Katrin van Loo

„Jeder Anfang hat auch ein Ende“. Dieses schmerzhafte Ende einer schönen Schulzeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden musste ich am 21. Juni 2006 am eigenen Leibe spüren. Und es kam ein neuer Anfang: in Guatemala- einem kleinen Entwicklungsland in Mittelamerika, wo der Glaube an Gott und die Hoffnung auf ein besseres Leben noch groß geschrieben werden.

Ich war zunächst mit einer Gruppe von 11 Lüdenscheider Jugendlichen unterwegs, die für 4 Wochen nach Guatemala gereist sind, um etwas über Land, Leute und die Kultur zu lernen. Doch auf dem Hinflug ging so einiges schief, was nicht hätte schief gehen müssen: Flug verpasst in New York, kurze Nacht im Hotel in Huston und Weiterreise ohne Gruppenleiter nach Guatemala, wo wir dann jedoch mit offenen Armen und Blümchen freudig von Mitarbeitern und Stipendiaten des Projektes „Ijat’z“ (auf der Maya Sprache Quiché= Samenkorn) in Empfang genommen wurden. Die 4 Wochen mit der Gruppe waren ein toller Einstieg, gingen jedoch viel zu schnell vorbei: Sprachschule, Familienaufenthalt, Herumreisen und Leute kennen lernen. Ein weiterer Abschied, ein erneuter Anfang, als die Gruppe Mitte Juli abreiste.

So langsam verstand ich, was es heißt, auf sich allein gestellt zu sein. Nach weiteren zwei Wochen Sprachschule bin ich mit meinen noch eher spärlichen Spanischkenntnissen nach Chicamán gefahren, wo jetzt die nächsten sieben Monate mein Zuhause sein sollten. Chicamán ist ein kleines Bergdorf im „departamento“ Quiché, welches vom Bürgerkrieg in den 80er Jahren besonders betroffen war und wo auch jetzt noch Hunger, Armut und fehlende bzw. mangelnde Schulbildung vorherrschen. Ich habe mit Ordensschwestern zusammen gewohnt und gearbeitet und mein Arbeitsfeld war sehr vielseitig: Familien besuchen, Unterrichten, englische Medizin übersetzen, mit dem Pfarrer in die „aldeas“ (=kleine Dörfchen) fahren, kochen, eine Jugendgruppe aufbauen und betreuen, englisch unterrichten, ...

 

Doch am meisten Spass gemacht hat mir die Arbeit mit den Kindern: Vater unser, Ave Maria, 10 Gebote, was feiern wir Weihnachten und Ostern?, … damit konnte man die Kinder begeistern. Wöchentliche Besuche in den Dörfern ließen zum Teil bis zu 68 Kinder in der viel zu kleinen Dorfkirche zusammenkommen. Doch auch Fußball, Plumpssack, Zeitungsschlagen oder Bilder malen lehnten die Kinder nicht ab und motivierte sie am nächsten Tag wiederzukommen.

Was mich an den Leuten am meisten fasziniert? Ihr Glaube an Gott und das Vertrauen in ihn und in die Kirche. Auch wenn sie zum Teil in miserablen Bedingungen leben (Plumpsklo, Lehmhütte mit Lehmboden, kein Strom und kein fließendes Wasser) finden sie immer einen Grund um Gott zu danken. Und auch die Hoffnung haben die Leute noch nicht verloren, aber Hut ab: es fehlt an Geld um Essen zu kaufen, so werden Mais und Bohnen für den eigenen Bedarf angebaut und ein paar Hühner dienen auch zur Versorgung der Großfamilie, die mit teilweise etwa 12 Kindern rechnen muss. Auch Arzt- und Krankenhausbesuche sind selten. Das liegt nicht an der guten Gesundheit der Guatemalteken, sondern am fehlenden Geld.

Ich habe viel gelernt in Guatemala: und nicht nur Fußballspielen und kochen, sondern die Großzügigkeit, Herzlichkeit, Wärme, Offenheit und die Ruhe der einfachen Familien. Man braucht nicht viel Geld, um das Leben zu genießen. „Es sind Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“