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München 2000 - Der Physik LK macht die bayrische Metropole unsicher

von Jan Henning Klapper

 

Montag, 21. August 2000. Über 100 Schüler tummeln sich vor dem Geschwister-Scholl-Gymnasium, aber sie kommen beim Schellen nicht hinein. Was ist los?  

Fünf der sechs LK`s der Staberger Gymnasien haben sich dafür entschieden zusammen auf Kursfahrt nach München zu gehen.  Einer dieser Kurse ist der Physik LK von Herrn Langkitsch.

Die beiden Busse begeben sich kurz nach acht Uhr auf die lange Reise in die Stadt des Biers, Fußballs und Fernsehens, ...und der Wissenschaft und Kunst. Die Primärziele des Physikkurses waren eine Stadttour, ein Besuch im Deutschen Museum und ein Besuch in der KZ Gedenkstätte Dachau.

Am frühen Abend kamen die angehenden Abiturienten vor dem Hotel „Haus International“ an, welches gleich spontan auf „Gefängnis“ getauft wurde. Das „Haus International“ ist ein großes Jugendhotel, in dem sich Jugendliche aller Nationalitäten treffen, um von dort aus die Stadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen.

Nach dem Abendessen machten sich alle in kleinen Gruppen auf, um die ersten Eindrücke der bayrischen Wirtschafts- und Kulturmetropole zu erlangen. Für sieben  Schülern der großen Gruppe war es gleich das erste die City unsicher zu machen. Nach einen kurzen Bummel ließ man sich nach einem ersten Disput  mit dem Kellner im Hofbräuhaus nieder. 30 Minuten später kam auch schon die erste Maß (bzw. Spezi).

Eine urige Musikantentruppe  spielte Stimmungshit wie „In München steht ein Hofbräuhaus oanz, zwoa, gsuffa..“ und brachte die riesige überfüllte „Schwemme“ zum Kochen. Die 2. Maß und eine Bekanntschaft mit mehreren Amerikanern, welche mit einem Briten kurz vor einer Schlägerei standen, brachte dann den „Rausschmiss“ für die Lüdenscheider.

Am Dienstag stand dann die Stadtführung auf dem Programm. Unsere Stadtführerin, ein Ur- münchnerin, brachte uns die kulturellen Highlights der Stadt, wie die Frauenkirche (ihre Türme sind das Wahrzeichen Münchens schlechthin), die Residenz, welche der Sitz der Wittelsbacher bis 1918 war, und die Staatsoper, ein bedeutendes klassizistisches Opernhaus von monumen- taler Wirkung und glanzvoller Innengestaltung, näher.

Besonders den Fußballfans legte sie das neue Rathaus nahe,  denn dort feierten die Münchener Bayern ihre zahlreichen Titel. Es ist ein effektvoller neugotischer Monumentalbau als Manifesta- tion des neuen Bürgerstolzes um die Jahrhundertwende. Sehenswert und weltberühmt ist das Glockenspiel im Turmerker um Punkt elf Uhr. Am Abend wurden einige von uns zu „TV Stars“. Wir begaben uns nach Unterföhring, genauer in SZM Studios von PRO7 um einer Talk-Show bei- zuwohnen, welche natürlich nur als abschreckendes Beispiel dienen sollte. Eigentlich wollte wir zu Nicole, aber die Show „Arabella“ schien dann doch attraktiver. Tja, war sie aber nicht!

Als wir dann nun in der ersten Reihe saßen, bekamen wir mitgeteilt, das es sich nur um eine „Best of“ Sendung handelte. Es waren noch andere Schulklassen im Studio, über 20 Personen verließen dann aber nach heftigen Diskussionen mir Arabella selbst und dem tollen Aufheizer Achmett das Studio. Auch einer aus unserer Gruppe verließ das Studio, denn Arabella meinte: „Ja wenn dich das hier ankotzt, dann geh doch raus!“ Und das tat er dann auch. Die Sendung war langweilig und dröge, aber wenigstens können wir fragen: “Komm` wir jetzt im Fernsehn?“

Am Mittwoch war das Highlight für uns „Physiker“. Ein ganztägiger Besuch im Deutschen Muse- um.

Mit ca. 55000 qm ist das Deutsche Museum das größte naturwissenschaftliche Museum der Welt. Mit seinen rund 1,5 Millionen Besuchern pro Jahr ist es darüber hinaus das beliebteste Museum Deutschlands. Neben dem ersten Automobil und dem Foucaultschen Pendel wird dem Besucher die Welt der Naturwissenschaften und Technik, vom Bergbau bis zur Kernphysik auf anschauliche Weise nahegebracht. Hier war Arbeit angesagt, nicht nur staunen und betrach- ten. Es mussten Berichte über beliebige Stationen angefertigt werden, welche alle zusammen gefasst werden und als „kleine Erinnerung“ an den Besuch für dieses einmalige Museum dienen sollen.

Der Abend war für die Fußballfanatiker ein besonderer. Die Münchener Löwen spielten um die Teilnahme an der Champions-League gegen Leeds United. So konnten die zehn Kicker das Olympiazentrum erkunden und das phantastische Olympiastadion. Vor ausverkauftem Haus und grandioser Kulisse begannen die Löwen nach dem Anpfiff sofort ihre Talfahrt und verloren letztendlich verdient mit 0:2.

Der Donnerstag war dann für uns eine Konfrontation mit unserer deutschen Vergangenheit. Wir besuchten die auf dem ehemaligen Gelände des Konzentrationslagers Dachau errichtete Gedenkstätte.

Am 21.3.1933 gab Himmler die Errichtung des Konzentrationslagers in Dachau in Auftrag, das erste in Deutschland. Der erste Kommandant, Theodor Eicke, entwickelte ein Organisations- schema, das später für alle Lager Gültigkeit hatte. Dachau machte er zur Mörderschule für die Angehörigen der SS.
Ende April 1945 begann die SS die mehr als 100 Außenlager und Außenkommandos zu evakuie- ren, am 29. April 1945 wurde das Lager von Einheiten der US-Armee befreit.

Es war tief erschütternd, das alles zu betrachten. Den Bunker, ein Gefängnis oder besser Kerker für KZ Häftlinge, die sich etwas zu Schulden haben kommen lassen, wobei der Zugriff völlig will- kürlich und unberechenbar war.

Unser Begleiter an diesem Tag war ein junger Mann der 13. Klasse aus Dachau. Für alle von uns war es beeindruckend, wie er in seinen jungen Jahren schon dieses Wissen angehäuft hatte und es auch noch in der richtigen Atmosphäre uns näher brachte.

Am Ende der ca. zwei  Stunden dauernden, ständig eindrucksvollen Führung, verließ jeder für sich nachdenklich  und wortkarg das Gelände.

Es war unser letzter Tag, diesen nutzen wir dann etwas später noch um im Englischen Garten etwas spazieren zu gehen und einen der einmaligen Münchner Biergärten zu besuchen. Am Chinesischen Turm z.B. oder am Seehaus ließen sich dann vereinzelte Gruppen nieder um die eine oder andere Maß zu zelebrieren.

Nach  der „Henkersmahlzeit“ im „Gefängnis“ begnadigten uns die Lehrer und gaben uns „Frei- gang“ bis sage und schreibe 230 Uhr. Dies wurde natürlich genutzt, aber nicht ausgenutzt. Ei- nige begaben sich in den Kunstpark Ost um noch einmal so richtig ab zu tanzen , aber der Großteil der riesigen Lüdenscheider Gruppe zog gemeinsam zum Hirschgarten, denn da war die Maß besonders günstig, nämlich 9 Mark und 30 Pfennig.

Hier wurde dann bis zur Sperrstunde des Biergartens ausgiebig gefeiert und Bekanntschaften mit Münchnern gemacht.

Leider ging diese wunderbare Kursfahrt viel zu schnell zu Ende. Es war ein echtes Erlebnis, München war einfach genial! Kaiserwetter, einmalige Sehenswürdigkeiten, viel Spaß, gutes Bier und eine ganz andere Mentalität der Menschen entführten uns alle eine kurze Zeit aus dem Schulalltag, welcher doch ach so schnell  wieder in unser Leben eingetreten ist.

Jeder wäre bestimmt gern länger in München geblieben.

Aber wir haben nun mal einen Auftrag zu erfüllen, und der heißt ABITUR!