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Dear Nobody

von Marlene Stube

 

Es ist schon eine schwierige Aufgabe Schüler zum Besuch einer Autorenlesung zu bewegen. Noch schwerer wird es, wenn die Lesung am Samstagmorgen stattfindet. Doch alles ist anders, wenn Berlie Doherty liest.

Die bekannte englische Schriftstellerin las am vergangenen Samstag in der Aula des Geschwi- ster-Scholl-Gymnasiums in Lüdenscheid. Etwa 150 Lehrer und vor allem Schüler waren dazu aus dem gesamten Märkischen Kreis angereist. 

Im Mittelpunkt der Lesung stand der 1991 veröffentlichte Jugendroman "Dear Nobody". Das Buch erzählt die Geschichte der Teenager Chris und Helen. Beide stehen vor dem Beginn ihrer Studienzeit, als Helen ungewollt schwanger wird. Der Roman ist aus der Sicht des Jungen ge- schrieben. Die Gefühle des Mädchens kommen aber immer wieder in Briefen zum Ausdruck, die sie an ihr ungeborenes Baby ("Nobody") schreibt.

Antje Malycha, Direktorin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, zeigte sich sichtlich erfreut über die Gelegenheit, die berühmte Autorin in Lüdenscheid begrüßen zu dürfen. Anschließend eröff- nete Hans-Dieter Hase, Dezernent für das Fach Englisch an Gymnasien, gleichzeitig mit der Le- sung das Jahr der Sprachen 2001, das offiziell am 11. Januar des kommenden Jahres beginnt. 

Berlie Doherty begann ganz fernab der Literatur mit ihren bisherigen Reiseerlebnissen in Deutschland. Die Tournee der Autorin ist vom Ernst Klett Verlag initiiert worden, der "Dear No- body" als Schullektüre herausgibt. 

Den interessierten Zuhörern erzählte Berlie Doherty anschließend von dem Beginn ihrer Autoren- laufbahn. Von den Gute-Nacht-Geschichten ihres Vaters wurde die Autorin schon früh zum Schreiben angeregt. Ihre Geschichten und Gedichte veröffentlichte sie auf der Kinderseite der Lokalzeitung. Als sie mit 14 Jahren zu alt dafür geworden war, beendete sie erst einmal ihre Au- torenlaufbahn. Mehr als 20 Jahre später begann sie aufs Neue zu schreiben. Ihr erstes Buch wurde 1982 veröffentlicht. Seitdem hat Berlie Doherty 35 Bücher geschrieben, deren Bandbreite vom Bilderbuch bis zum Erwachsenenroman reicht. Außerdem schreibt sie Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke. 

Die Autorin begeisterte das Publikum mit ihrer natürlichen offenen Art. Anstatt hinter einem Le- sepult zu sitzen, erzählte sie im Stehen von ihrem Leben als Schriftstellerin. Wenn Berlie Doher- ty dann "Dear Nobody" zur Hand nahm, um einige Absätze vorzulesen, zog sie die Anwesenden ganz auf ihre Seite. Gefühlvoll brachte sie die turbulenten Emotionen der beiden Hauptfiguren zum Ausdruck. Die Zuhörer merkten deutlich, wie stark sich die Autorin in ihre Romanfiguren hi- neinversetzt. 

Nach der Pause, in der der Klett-Verlag die Besucher mit Snacks und Getränken bewirtete, stand Berlie Doherty den Besuchern Rede und Antwort. Anschließend zogen Anja Kobus, Schul- beraterin im Klett Verlag, und Berlie Doherty die Gewinner einer Tombola, bei der es neben "Dear Nobody" unter anderem auch Buchpakete zu gewinnen gab.

Abschließend signierte die Autorin die Bücher ihre begeisterten Leser. Als Schüler und Lehrer nach zwei Stunden die Aula verließen, tat es wohl niemandem leid, dass er für Berlie Doherty an einem Samstag "früh" aufgestanden war.