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Sponsorenlauf gegen rechte Gewalt

... um eines Tages dort, wo es Not tut, für das eigene Leben und das der Mitmenschen einstehen zu können

 

Rechtsextreme Anschläge und Gewalttaten gegen unschuldige Opfer und jüdische Einrichtungen reißen nicht ab. Ein tiefergehendes Verständnis fremder kultureller Orientierungen scheint man- chen Menschen nicht möglich zu sein. Statt dessen greifen sie zur Gewalt und begehen ab- scheuliche Taten gegen Menschen, die ihnen fremd sind.

Auf der einen Seite Globalisierung und kulturelle Kompetenz,  auf der anderen Seite Barbarei und dumpfes nationales Grölen - wie soll das zueinander passen?

Als Schule, die sich 1959 bewusst den Namen "Geschwister Scholl " gegeben hat, haben wir die besondere Verpflichtung, das Erbe von Hans und Sophie Scholl tagtäglich lebendig zu halten. Die Geschwister wurden 1943 hingerichtet wurden, weil sie sich mit radikalem Engagement ge- gen die nationalsozialistische Gewalt eingesetzt haben.  

Der damalige Stadtdirektor Dr. Brinkmann sagte 1959 zur Begründung der Namensnennung: "... Die Geschwister Scholl entschieden sich für den Kampf und schufen so mit an der neuen Grund- lage für unsere geistige und kulturelle Existenz. Diesen Boden weiter zu pflegen und zu hüten, das soll die Aufgabe der neuen Schule sein, um eines Tages dort, wo es Not tut, für das eigene Leben und das der Mitmenschen einstehen zu können."

Neben Projekten, Theateraufführungen, Unterrichtsinhalten, Besuchen von Konzentrationsla- gern, Aktivitäten zur Gewaltprävention und vielem mehr haben wir am 28. September 2000 erstmalig einen Sponsorenlauf gegen rechte Gewalt veranstaltet. 

Die Initiative zu diesem Lauf kam von der Fachgruppe Sport und Elternvertretern als Ersatz für die diesjährigen Bundesjugendspiele. Die Schülerinnen und Schüler mussten sich im Vorfeld Sponsoren und Laufpaten suchen, die ihnen ein "Kilometergeld" zahlten, das der "Opferperspek- tive e.V." zu Gute kommt, die in den neuen Bundesländern gezielt Opfer rechtsextremer Gewalt unterstützt. Hierfür waren zahlreiche Gespräche nötig, die die Schülerinnen und Schülern mit den verschiedensten Familienmitgliedern, Nachbarn, Geschäftleuten, Sportbetreuern, Musik- schullehrern, Politikern und vielen mehr führten. In all diesen Gesprächen ging es immer um eins: warum sie gegen rechte Gewalt sind. 

Gelaufen wurde ab 9.00 Uhr klassenweise rund um das Nattenberg-Stadion. Am Nachmittag war neben der Oberstufe auch die Öffentlichkeit eingeladen, mitzulaufen. Dies wurde allerdings nur bis ca. 16.30 Uhr wahrgenommen, denn ab diesem Zeitpunkt peitschten wahre Regenstürme auf die Laufstrecke und bereiteten der Veranstaltung ein Ende.

Obwohl der Lauf kurzfristig angesetzt und die Vorbereitungszeit knapp war, kamen weit über 40.000,-DM zusammen. Einige Klassen wollten gar kein Laufende finden. "Kilometer um Kilometer liefen und schwitzten sie, und trotz des Wetters hatten sie offensichtlich Spaß dabei." (Lüden- scheider Nachrichten v. 29.09.2000)

Getränke Linnepe  und die AOK hatten Zelte aufgebaut und stifteten umsonst Getränke, vom Jugendherbergswerk gab es Duschgels, Chips und andere Fittmacher und selbst Formel 1-Welt- meister Michael Schumacher sponserte eine ganze Klasse. Die war bei so viel Motivation natür- lich der Klassen-Spitzenreiter und erlief allein 240 Kilometer.

Insgesamt, da waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig, war es eine gelungene Veranstaltung, die sicherlich nicht die letzte ihrer Art gewesen sein wird.