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Skifahrt 2002 der Klassen 10 nach Uderns, Zillertal, Österreich

von Dennis Rhiel

 

Von sanften Nieselregen begleitet luden wir unsere Koffer in den Reisebus der Firma Kattwinkel. Es war gegen 21.30 Uhr und die Sonne war schon hinter dem Horizont verschwunden, als auch die letzen von uns von ihren Eltern Abschied nahmen, die besten Glückwünsche für die eine Woche ihrer Abwesenheit eingesammelt hatten und in den Bus gestiegen waren. Langsam setz- te sich das rollende Ungetüm in Bewegung und beförderte 70 Schüler und Lehrkräfte in die wohl schönste Woche des neu angebrochenen Halbjahres.

Die Busfahrt erwies sich als relativ reibungslos. Abgesehen von ein paar Blasenproblemen und akutem Schlafmangel sind letzten Endes doch alle ans Ziel, nach Uderns, gekommen. Nach der Einfahrt ins Zillertal machte sich zuerst tiefes Entsetzen breit: „ Kein Schnee. Gibt’s das?“ Die Wiesen waren grün und die Bäume reckten ihre unbefleckten Äste in die Höhe. Nur vereinzelt waren letzte Spuren Streusalz gequälten Schnees auf den Straßen zu sehen. Paul Scheermann, technischer Leiter und geistiger Vater der Freizeit, riss die letzen Schlafenden, welche sich noch keine Gedanken über das Ausbleiben des Schnees gemacht hatten, aus ihren Träumen. „So, nun sind wir bald in Uderns.“, klang es aus dem blechernen Lautsprecher, „Wenn wir da sind, helft ihr alle mit die Koffer auszuladen, damit’s auch schön schnell geht.“ Er grinste. Mürrisches Gemurmel lief durch den Bus und wir machten uns langsam bereit ihn zu verlassen.

Mit Schal und Mütze bestückt stiegen wir aus dem Bus, als dieser vor dem Finsinger Hof in Uderns Halt machte. Die Einzigen, die sich noch relativ gut auf den Beinen halten konnten,  wa- ren unsere Lehrkörper und der Busfahrer. Mit einen beherzten Sprung sprang er aus seinem Ar- beitsplatz und lief zur Gepäckklappe des Bussen. Während die meisten von uns noch die (schneelose) Landschaft und die steil ansteigenden Berge bewunderten, hatten ein paar das zweifelhafte Glück dem Busfahrer beim Ausladen der Koffer helfen zu dürfen. Unter den stren- gen Blicken der Gruppe, welche vor uns im Finsinger Hof gastiert hatte, luden wir die Koffer auf die Wiese vor dem Hotel. Nach getaner Arbeit und der Abreise unserer Vorgängergruppe konn- ten wir nun endlich unseren Hunger stillen und das Frühstück einnehmen. Jeder suchte sich ei- nen Platz, auf den er sich dann jedes Mal zum Essen niederließ. Nach einer kräftigen Stärkung, die wir auch alle nach dieser Busfahrt nötig hatten, wurden all diejenigen, die sich Ski ausleihen wollten, gebeten, sich nach draußen und in einen Kleinbus des Skiverleihs zu begeben. 

Nach einer kleinen, aber doch sehr lustigen Fahrt hielt der Kleinbus vor einem Skigeschäft. Die riesigen Schaufenster waren gespickt mit großen und kleinen Skiern, Snowboards und ähnlichem Sportgerät. Freundlich begrüßte uns ein Herr und geleitete uns hinunter in den Keller des Ge- schäftes. Dort konnten wir unsere Skiausrüstung für die uns nun bevorstehenden Tage anpro- bieren. Nachdem alle nach ihrer Zufriedenheit eingedeckt waren, warteten wir auf den Kleinbus, der uns zum Geschäft gebracht hatte und uns nun wieder zurückbringen sollte. Währenddessen konnten unsere „Könner“, die ihre eigene Ausrüstung von Lüdenscheid mitgebracht hatten, schon die Zimmer beziehen und sich etwas mit dem Finsinger Hof vertraut machen. 

Als nun endlich wieder alle vereint waren, ging es ans Auspacken der Koffer. Gepollter und Ge- murmel war durch das Treppenhaus hinein bis in alle Zimmer zu hören. Kleine, große, schwere und leichte Koffer wurden die Treppen hochgewuchtet und dann in die Zimmer verfrachtet. Die Essenszeiten hatten wir schon vorher von Herrn Scheermann erfahren und konnten uns deshalb in aller Ruhe an die Arbeit machen. Um 18.00 Uhr dann trafen wir uns im Speisesaal des Finsin- ger Hofes. Dort wurden uns dann unsere Skipässe und die ersten Essensmarken ausgehändigt. Das Essen war schnell verputzt und um 20.00 Uhr trafen wir uns im Gemeinschaftsraum zu einer letzen „Lagebesprechung“, danach gingen wir müde und voller Vorfreude auf den nächsten Tag zu Bett.

Mit lauter Musik geweckt zu werden hat schon etwas Seltsames an sich. Als früh morgens die Stereoanlage ansprang und uns aus dem Schlaf hochschreckte, mussten wir unwillkürlich an ein Erdbeben denken. Doch dieser Gedanke verflog relativ schnell, als uns klar wurde, dass dies nun der besagte Tag war: Der erste Tag auf den Ski. Für manche nicht der allererste, doch für viele schon. Noch leicht schläfrig aber dennoch bereit für Heldentaten schlurften wir in den Speise- saal, schlangen unser Frühstück mit Genuss  herunter und machten uns bereit zum Skifahren. Dick eingepackt in unsere warmen und molligen Skisachen nahmen wir unsere Ski bei der Hand und warteten auf den Skibus, welcher uns von Uderns zur Seilbahn bringen sollte, die uns auf den Berg beförderte.

„Dieser Bus scheint mir nicht für 70 Personen ausgelegt zu sein“, dachten sich einige, als sie den Skibus vorfahren sahen. „Ach, das klappt schon“, der Busfahrer schien recht zuversichtlich. Schließen drängten wir uns alle hinein.

Bei der Gondel angelangt erhielten wir nur eine Anweisung: Auf den Berg und oben warten. Wir taten wie geheißen und stellten uns brav in die Warteschlange der Gondel. Nach ersten Proble- men beim Einsteigen ( Es ist ganz schön schwierig Ski in eine fahrende Gondel zu stecken, wenn hinter einem gedrängelt wird) ließen wir die Talstation hinter uns und bewunderten die grandiose Aussicht, die sich uns nun bot. Lange, hohe, schneebedeckte Gipfel zogen sich an der gegenüberliegenden Talseite entlang. Erst jetzt bemerkten wir, dass doch Schnee lag. „Das muss uns gestern Morgen entgangen sein“, grinsten wir und freuten uns auf die Gipfel, deren Geschwister wir auf der anderen Seite des Tales schon sehen konnten. 

Oben angelangt und überwältigt von der Schönheit der weißen Pracht liefen wir geradewegs auf einen Holzzaun zu, um den sich schon Herr Wolf und Herr Haferberger mitsamt ein paar Schülern versammelt hatten. Herr Scheermann stieß zu uns und teilte die Gruppen ein: „ Also, alle Fort- geschrittenen fahren mit Bernd und alle Anfänger mit mir.“ So schulterten wir unsere Ski und machten uns auf den Weg zum „Idiotenhügel“. Dort suchten wir uns einen Platz, an dem wir unsere ersten Skiversuche unternehmen konnten. Nach einen eingehenden Grundkurs unter der Leitung Frau Koj sahen wir uns in der Lage einen kleinen Hügel hinunter zu fahren, um dort un- sere ersten „Fahrtversuche“ zu unternehmen. Gegen Ende des Tages dann nahm uns Herr Scheermann mit auf die leichteren Pisten. Als wir dann müde und erschöpft wieder am Finsinger Hof ankamen, ließen wir uns auf unsere Betten nieder und erwarteten ungeduldig das Abend- essen. Es gibt doch nichts Besseres als nach einem anstrengenden Tag ein deftiges und gutes Essen zu bekommen.

Alle Klassen, die an der Fahrt teilnahmen, hatten vorher jeweils einen Abend vorbereitet. Das Programm reichte von Tanzwettbewerben über Pantomime bis hin zu „Familienduell“. Jeder die- ser Abende bildete einen erfolgreichen und schönen Abschluss eines anstrengenden Skitages.

Am nächsten Tag ging es wieder auf die Piste. Die Gruppen wurden wieder aufgeteilt und die Anfänger des letzten Tages konnten nun ihr Können auf den schwereren Pisten unter Beweis stellen. Die Abfahrten gestalteten sich nicht so schwer wie erwartet, aber fordernd waren sie doch. So ging es nun Tag auf Tag weiter. Jeden Tag steigerten wir unser Können und waren somit am Ende der Freizeit  fast alle auf demselben Niveau. Die Gruppen vermischten sich mit der Zeit und Anfänger wurden zu Fortgeschrittenen und Fortgeschrittene zu Anfängern. Begleitet wurden unsere Tage auf der Piste durch viel Spaß und eine entspannte, sehr lockere Atmosphäre. Lachen war an der Tagesordnung.

Nur leider hat auch die schönste Woche einmal ein Ende. So auch diese. Am letzten Tag wur- den wir noch einmal richtig gefordert: Ein Slalom war zu absolvieren. Jeder gab sein Bestes und stürmte die Piste herunter um die beste Zeit zu erringen. Nach dem Wettrennen ging es ein letztes Mal zum Mittagessen auf der Almhütte. Dort wurden wir jeden Tag mit ausreichend Ver- pflegung, die wir auf dem Gletscher gebrauchen konnten, versorgt.

Traurig stiegen wir am Nachmittag des letzten Tages in die Gondel, denn es war das letzte Mal, dass wir dort einstiegen um hinab ins Tal zu fahren.

Im Hof angelangt packten wir unsere Koffer, aßen zu Abend und dann ging es noch einmal hinab in den Aufenthaltsraum: Dort fand wohl die fröhlichste und großartigste Siegerehrung statt, die das Zillertal jemals erlebt hat. Alle liefen noch einmal zur Höchstform auf. Pokale, Medallien und Urkunden wurden verteilt  (für den Slalom), Stepptanz wurde geboten und noch vieles mehr. Dieser Abend war der perfekte Abschluss für eine perfekte Woche.

Am Samstagmorgen ließen wir das Zillertal mit seinen imposanten Bergen, den wunderschönen grünen Wiesen und der einzigartigen Atmosphäre hinter uns und machten uns auf den Weg nach Hause, doch in unseren Erinnerungen werden wir noch sehr oft dorthin zurückkehren.