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Abschied eines Mannes mit Ecken und Kanten

"Scholl"-Hausmeister Horst Falk geht in Ruhestand. "Das kann nicht sein" als Alltags- Motto. Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit als Tugenden. Ein Portrait

 

LN • Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker hat einmal einen Hausmeister gespielt. Der senkt den Kopf, als ihm ein Lehrer eine kaputte Leuchte an der Turnhallendecke zeigen will, und sagt: "Da wissen'se mehr als ich." Wahrscheinlich kennt Becker den Hausmeister des Geschwister-Scholl- Gymnasiums. Horst Falks Lieblingsspruch heißt "Das kann nicht sein". Was nicht heißt, dass er sich dann nicht direkt auf die Socken macht und den Schaden repariert. Nichts kann den 63- Jährigen davon abhalten, "seine" Schule in sauberster Ordnung zu halten. Nichts, bis auf den Ruhestand. Nach 30 Jahren endet jetzt am "Scholl" eine Hausmeister-Ära.

"Diese Gattung stirbt aus." Ernst-August Benfer, 35 Jahre Jahre Lehrer an dem angesehenen Gymnasium und die letzten elf Jahre dessen Leiter, spricht mit Respekt und Zuneigung über den scheidenden Pedell. Schon Horst Falks Eltern waren Schulhausmeister. Der Ehrenkodex war ihm in die Wiege gelegt. Ordnung, Sauberkeit, gutes Benehmen und Zuverlässigkeit sind Tugenden, die sich nach Benfers Erinnerungen auf den kleinen, drahtigen Mann mit dem Schnauzbart ver- einigen.

Das und die Art, wie er Lehrern und Schülern begegnete, brachte Falk zu Recht den Ruf ein, Ecken und Kanten zu haben. Die Schule war "sein Wohnzimmer", wie Benfer sagt. Und da hat man sich gefälligst zu benehmen. "Der saubere und gepflegte Eindruck, den diese Schule macht, das ist Horst Falks Verdienst."

Auch Benfers Nachfolgerin Antje Malycha schätzt die Vorzüge des designierten Ruheständlers besonders im Hinblick auf dessen Geradlinigkeit und Gewissenhaftigkeit. Sicher und sauber muss die Schule sein, laute Falks Credo. Abweichungen? "Das kann nicht sein."

Schul-Hausmeister sind nicht nur Schließer und Renovierer, sondern immer auch Ansprechpart- ner für die Schüler. Auch da ist Horst Falk auf den ersten Blick nicht der Spitzenkandidat auf der Beliebtheitsskala. Antje Malycha fasst zusammen: "Die älteren Schüler sahen ihren Haus- meister eher als Kumpel, mit dem man ganz locker umgehen kann. Die Mittelstufler mieden ihn weitgehend. Die Kleinen mochten ihn nicht so sehr und hatten immer ein bisschen Angst vor seiner schroffen Art. "

Das ist aber nur die eine Seite. Erst der Blick auf die Kehrseite macht das Bild des Schulhaus- meisters "von der alten Sorte" komplett. Ohne das Loblied auf die Hilfsbereitschaft, die enorme handwerkliche Geschicklichkeit und den bauernschlauen Erfindungsreichtum Horst Falks bliebe es bei dem Abziehbild des mürrischen Meckerkopfs.

Hausmeister Falk aber ist auch immer wieder die Stütze des Lehrerkollegiums gewesen - und, wenn er wollte, der grinsende Komplize der Jugendlichen. Natürlich fiel es ihm schwer, auf allen Hochzeiten mitzutanzen, vor allem, als die Lehrpläne nach und nach immer mehr Nachmittags- veranstaltungen vorsahen, Arbeitsgemeinschaften gebildet oder Tanzgruppen gegründet wur- den. Ernst-August Benfer erinnert sich vergnügt: "Zuerst war er immer skeptisch, weil die Schule nachmittags nicht mehr picobello war. Und dann hat er geholfen, wo es nur ging."

Nach dem Falk-Motto "Das kann nicht sein" beäugte er zunächst misstrauisch die angehenden Abiturienten, die für ihren Abi-Sturm "seine" Schule dekorieren wollten. Dann aber sägte und hämmerte er mit ihnen flachsend bis zum Abend. Auch für die Lehrer - "Die haben alle zwei linke Hände" - erwies sich Horst Falk als Freund. Benfer: "Der kam auch einfach mal zu uns nach Hause, wenn was zu reparieren war."

Was bleibt, ist die Erinnerung an Einen, wie es ihn am "Scholl" nicht mehr geben wird. Der kei- nen offiziellen Dank annehmen wollte und deshalb Antje Malycha im Dezember mit ihrem Scho- ko-Nikolaus auf der Bühne stehen ließ. Und der, als Ernst-August Benfer bei seinem Abschied eine Laudatio auf den Hausmeister halten wollte, gar nicht erst zur Feier kam.

Horst Falk hat sein Regiment am "Scholl" nach einer Erkrankung aufgeben müssen. Nicht erst seit seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst ist klar, wie groß die Lücke ist, die er hinter- lässt.

Was bleibt, ist außerdem die Gewissheit: An seinen Ecken konnte man sich nicht nur stoßen. Man konnte sich auch an ihnen festhalten. Tschüs, Herr Falk.