Zurück

Theateraufführung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum"

WR  Ist die Angeklagte eiskalt, berechnend und käuflich? Oder ganz einfach nur etwas naiv und zu romantisch? Jede Minute der Theateraufführung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" war spannend. Der berühmte Autor und Schriftsteller Heinrich Böll wäre begeistert gewesen von der gelungenen Umsetzung seines medienkritischen Stückes, das am Montag in der voll besetzten Aula des GSG zur Aufführung kam. 

Böll's Bühnenklassiker wurde von den Laienschauspielern brilliant und engagiert dargestellt und inhaltlich sehr direkt und dezidiert zu gesellschaftlich brisanten Themen und Verfahrensweisen von Polizei und Presse Stellung genommen.

In 90 spannenden Minuten wurde deutlich, wieviel Wahrheit am Zitat „Worte können töten” ist. Thematisiert wurde das Machbare, Risiken und Möglichkeiten von Reportagen - sowie die große menschliche Verantwortung der Presse bei ihren Recherchen.

Man konnte die hilflose Angst und Verzweiflung der Haushälterin Katharina förmlich spüren, als sie plötzlich von Polizei, Staatanwaltschaft und Presse in die Mangel genommen wird. Jedes kleine Detail aus dem Leben der bis dahin unbescholtenen, als prüde geltenden jungen Frau wird auf Hintergrundmaterial durchforstet. Dabei hat sie sich auf einer Karnevalsfete nur in einen jungen Mann verliebt. Nichtsahnend, dass es sich um einen von der Polizei gesuchten Gangster handelt. Nachdem sie in Verbindung mit einem Gangster gebracht wird, traut ihr die bürgerliche Gesellschaft plötzlich alles zu. „Alle Leute haben sich verändert, alle glauben an diesen Dreck", Katharina wehrt sich enttäuscht gegen die falschen Anschuldigungen.

Verleumderische Methoden...

Sie ist den verleumderischen Methoden eines Journalisten schutzlos ausgeliefert. Dieser schleicht sich sogar auf die Intensivstation, in der ihre Mutter liegt und schockiert diese mit seinen Neuigkeiten über die Tochter so, dass diese stirbt. 

Als die Presse ihr dann die Schuld am Tod der Mutter in die Schuhe schiebt, will Katharina se- hen, wie der Mann aussieht, der ihr Leben zerstört hat. Als der Journalist zudringlich wird und „Dankbarkeit" dafür von ihr erwartet, dass er sie „berühmt" gemacht hat, entlädt sich ihre an- gestaute Verzweiflung in einer Tragödie und die Gewalt hat am Ende das letzte Wort. Sie er- schießt den Journalisten.

Neun Monate geprobt

14 Schüler/innen der Klassen 8 bis 12 hatten neun Monate lang unter Regie von Ina Rogge ge- probt und Ideen für die Inszenierung und Bühnenausstattung eingebracht. Es spielten mit: Ka- tharina Harder (Katharina Blum), Jörn Wagener (Reporter Tötges), Gracia Giebel (Kommissar), Benedikt Henrichs (Staatsanwalt), Murat Circi (Komissar-Gehilfe), Katharina Bolle (Sekretärin), Kim Rosenbach (Tante), Peter Bause (Freund der Tante), Nicola Apitzsch (Ex-Mann und Herren- besuch), Mario Bause (Chefredakteur), Daniel Benz (Fotograf), Julia Samp (Nonne), Janine Rose (Frau des Rechtsanwalts), Michael Eichhoff (Rechtsanwalt). Von allen Akteuren auf der Bühne beeindruckte vor allem Hauptdarstellerin Katharina Harder als Katharina Blum, aber auch die an- deren Darsteller brillierten in ihren Parts. Mitschüler, Lehrer und Eltern bedankten sich mit viel Applaus bei den Akteuren und Ina Rogge für eine wirklich sehenswerte Aufführung.

Die Theater AG hoffe, dass „das Stück auch zum Nachdenken angeregt hat", was Presseberich- te anrichten können, mahnte Ina Rogge, Zeitungsberichte künftig kritischer zu betrachten.