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Assisi-Austausch 2001

(dal 24 ottobre al 3 novembre)

von Helena Kukolja

 

Alles begann an einem kalten, regnerischen Mittwochmorgen, ca. viertel vor acht. Eine Gruppe Schüler versammelte sich vor den Toren des GSG, mit dicken Koffern, in den verschlafenen Au- gen ein verräterisches Glitzern.

Inmitten dieser Truppe ein weiser Mann, der sie die nächsten zehn Tage begleiten sollte:

Der Dottore, auch Aldo DeLuca genannt. Begleitet von seiner Kammerzofe Gundel Schulte. Nachdem man sich von Eltern und zurückbleibenden Freunden verabschiedet hatte, kletterten alle in den Volmetal Express, einen luxuriösen Bus, der sogar eine Toilette eingebaut hatte(!!!). Nachdem sich jeder einen gemütlichen Sitzplatz eingerichtet hatte, wurde auf der Rückbank von unseren treuen Begleitern Wieczi und ´Enninge die italienische Flagge gehisst. Aus dem CD-Player erklang schon die Melodie der italienischen Nationalhymne, von unserem Dottore lauthals mitgesungen.

Wir bereiteten uns auf die zehn schönsten Tage vor, die ein Austausch bieten konnte.

Als wir nach einigen Stunden Fahrt plötzlich die Durchsage hörten, unser Weg sei durch Brand im St.Gotthard-Tunnel verhindert, wurden einige aktiv und telefonierten wild durch die Gegend, um ihren Liebsten daheim zu sagen, mit uns sei alles in Ordnung. (Schade war nur, dass die Liebsten sich anscheinend noch gar keine Sorgen gemacht hatten, während man selber sich plötzlich seiner eigenen wertvollen Person bewusst geworden war.)

Nach dieser Aufregung wurde unsere Route ein wenig geändert, doch wir vertrauten auf Hardi, unseren Chauffeur.

Der Partybus raste schwungvoll durch Deutschland und die Schweiz, und innen wurde gelacht, gegessen, getrunken und gefilmt („Nana, wasse machste du da?“).

Als wir durch einen wunderschönen Teil der Schweiz fuhren, wurden wir uns zum ersten Mal der Cabrio-Funktion unseres Busses bewusst. Zum Glück sind unsere Köpfe noch dran!

Nach langen Stunden Fahrt und einigen Pausen kamen wir endlich in Lugano an.

Wir freuten uns auf ein Hallenschwimmbad nach so einer langen Reise, doch wie sich nach lan- gem Suchen in Shorts und T-Shirt herausstellte, war es in freier Natur, und alles andere als geheizt. Doch drei mutige Badetanten trauten sich dennoch hinein und genossen die Erfrischung am Abend.

Nachdem wir uns ein wenig in unseren teils luxuriösen (Ragazze), teils kasernenhaften (Ragazzi) Zimmern eingerichtet hatten, wurden Pläne für den Abend geschmiedet. Manche bevorzugten es, noch in die Stadt zu gehen, andere blieben auf den Zimmern und machten ihre eigene Par- ty, bis die Gute-Nacht-Fee Gundel uns ermahnte, doch schlafen zu gehen.

Am Donnerstag morgen ging unsere Reise dann weiter, nach einem herzhaften Frühstück und dem heldenhaften Abwasch von Philipp, Boris und Henkelchen.

Um die Mittagszeit rum erreichten wir unser erstes italienisches Ziel: Florenz.

Das Wetter spielte schon zu dem Zeitpunkt mit und begrüßte uns auf recht italienische Art.

Nach einer kleinen Stadtführung durch diese recht moderne Stadt hatten wir noch ein wenig Zeit, selbst durch Firenze zu bummeln und uns an den schönen Gebäuden zu ergötzen.

Alle wieder im Bus versammelt, traten wir das letzte Stück unserer Hinreise an, um pünktlich in unseren Familien anzukommen. Plötzlich war die Stimmung ein wenig nervös und aufgeregt, und es wurde sogar von manchen spekuliert, ob es nicht sinnvoller wäre, im Hotel des Dottore zu verweilen, statt den Familien zuviel zuzumuten.

Doch als wir schließlich endlich in Santa Maria degli Angeli ankamen, waren wir nur noch froh, endlich ein zu Hause zu bekommen. Spätestens beim Abendessen wurde jedem bewusst, dass man es doch wirklich gut getroffen hatte. Satt wurde zumindest garantiert jeder!!!

Um die große Wiedersehens- und Kennenlernfreude zu feiern, wurden wir noch an demselben Abend alle von den Italienern im Pub versammelt. Es wurde ein schöner erster Abend, bei dem sich schon einige Freundschaftsansätze bildeten.

Am nächsten Morgen hieß es schon früh aufstehen, damit wir alle PÜKTLICH in der Schule sein konnten.

Pünktlich nach italienischer Mentalität heißt zwischen acht und halb neun, aber bloß keinen Stress machen!!!

Wir durften miterleben, wie anders doch der italienische Unterricht abläuft als der deutsche. Sanfte Gemüter sollten sich Ohrstöpsel mitnehmen!

Um zehn Uhr wurden wir in der Aula von der Schulleiterin und anderen bedeutenden Personen begrüßt und bekamen (natürlich) eine kleine Stärkung.

Danach hieß es Assisi zu erforschen. Wir hatten das Glück einen allwissenden Italiener (Marco Sciamanna) und einen mehr oder weniger genauen Übersetzer (Dottore) mit dabei zu haben. Am Ende der kleinen Führung hatten wohl die Meisten Assisi in ihr Herz geschlossen.

Am Nachmittag beschlossen die Fußballer sich ein Duell zu liefern, sodass alle sich an einem Platz versammelten und das Spiel genießen konnten. Das war übrigens das einzige Mal, wo man Marias Italiener, Simone, ohne sein sonst immer getragenes Stirnband sehen konnte.

Am Abend trafen wir uns alle in einer Bar neben der Schule und webten weiter an unseren Freundschaftsnetzen.

Es wurden schon Pläne für den nächsten Abend gemacht, da einige in die Disco wollten.

Am Samstag morgen konnten wir noch mal am Unterricht ´teilnehmen´. Danach konnten wir entweder noch mal durch Assisi oder bei einem noch undefiniertem Theaterstück dabei sein, das sich als Live-Radiosendung entpuppte.

Nachmittags trafen wir uns auf dem Platz vor der Kirche in St. Maria degli Angeli und sonnten uns, unterhielten uns oder lernten italienische Hand-Klatsch-Spiele.

Der Disco-Abend war für alle, die da waren, wohl ein recht amüsantes Erlebnis, auch wenn man sich erst an die italienische Musik gewöhnen musste.

Das Organisationstalent der Italiener wurde allen bewusst, als es am Sonntag nachmittag nach Perugia gehen sollte. Plötzlich wollte die Hälfte nicht mehr, dann nach fünf Minuten doch wie- der. Kurz gesagt, wir standen sage und schreibe zwei volle Stunden am Bahnhof und sahen den Italienern beim Diskutieren zu. Auch ein Erlebnis!

Montag ging es dann endlich nach Siena, die Studentenstadt mit dem Piazza del Campo, wo wir uns nach dem ewigen Sitzen im Bus und Rumlaufen in der Stadt zum Entspannen ein wenig hin- setzen konnten. Doch damit nicht genug. Um das Entspannungsprogramm noch zu erweitern, badeten wir in Schwefelquellen und tranken am Abend ein wenig von Aldos in Öl eingelegten Wein.

Dienstag durften wir endlich nach Rom und auf den Petersdomplatz. Das Wetter war wunderschön und wir hatten endlich mal richtig viel Zeit, eine Stadt ohne Hektik zu genießen.

Als wir spätabends wieder in Assisi ankamen, waren wir zwar todmüde, aber noch immer ganz bezaubert von dieser durch und durch italienischen Großstadt.

Mittwoch freuten wir uns auf eine Führung durch die Fa Perugina und einige leckere Kostproben von den Schoko-Produkten (obwohl sich das eher in Grenzen hielt). Danach fühlten wir uns richtig wohl, während wir auf der Treppe in Perugia saßen und all die Studenten beobachten konnten. Außerdem bekamen wir noch eine kostenlose Vorführung eines Heiligen, der sich direkt hinter unserem ahnungslosen Rücken vor die Kirche stellte und große Predigten hielt. Am inte- ressantesten wurde es, als sich ein betrunkener Diabolo-Spieler dazu aufraffte, gegen ihn anzutreten.

Mittwoch abend trafen sich die meisten von uns bei Fabio zu einer kleinen Hausparty, bei der es zu einigen Überraschungen und Typenveränderungen (Henkelchen mit Rasierschaum gestylt) kam.

Donnerstag konnten wir erst ausschlafen, dann die Basilica de San Francesco besichtigen, wo Aldo, der wohlgemerkt erst Priester werden wollte, sich den Geboten der Franziskanermönche widersetzte und uns seinen Mitteilungsdrang spüren ließ.

Donnerstagabend war es leider schon Zeit für die Abschiedsfete, die in der Aula der Schule gehalten wurde. Mit 1A-DJs wurde von allen das Tanzbein geschwungen, am stilvollsten wohl vom Party-Dottore und seiner Kammerzofe. Leider war der Spaß schon um ca. halb zwölf zu Ende und wir mussten in den erbarmungslosen Abendwind Assisis hinaus. Die Stimmung war jedoch noch immer ganz oben, wie sich auch an manchen Paarbildungen schließen ließ. Wire sinde ja welche!

Freitag morgen hieß es dann leider Abschied nehmen von unseren italienischen Freunden.

Der Abschied war tränenreich, vor allem bei den vier (fünf, sechs??) deutsch-italienischen Paaren, aber auch bei allen anderen.

Die meisten dürfen wir hoffentlich Ende Februar wieder willkommen heißen.

Die Rückfahrt begann, und erst nachdem sich alle ein bisschen ausgeweint hatten, schwoll der Lärmpegel wieder ein wenig an und die Stimmung wurde fröhlicher.

Nach einem zweistündigen Aufenthalt im Kaufhaus von Modena ging es weiter Richtung Verona, dem letzten Highlight unserer Reise.

Die Stadt der Verliebten war der schönstmögliche Schluss für unsere Reise. Hoffen wir, dass die Berührung mit Julia uns allen Glück bringt!!!

Um Mitternacht mussten wir uns von unserem treuen Chauffeur Hardi verabschieden und beka- men für das letzte Stück Rückreise Waltraud ans Steuer, die uns sicher und souverän nach Lüdenscheid brachte. Wir wurden vom heimischen trüben Wetter und unseren Familien in die Arme geschlossen und nach Hause gebracht, doch in Gedanken waren wir wohl alle noch ganz lange im Süden, bei einer kleinen Gruppe Italiener.

Am Schluss darf ich wohl sagen, dass dies einfach mehr als ein gewöhnlicher Schüleraustausch war. Sicher hat es sachlich gesehen viel gebracht, aber man konnte am Montag morgen in der Schule an den Augen eines jeden erkennen, dass er in Italien war.

É stata una bellissima settimana!

Und für alle, die noch immer ein bisschen traurig sind, Italien verlassen zu haben: Kopf hoch, im Februar kommt Italien zu uns!

Und da wird doch wohl ordentlich gefeiert werden, oder?

Was würde Dottore jetzt sagen?

-Richtig: „Du biste ja eine-HiHiHi!“

In diesem Sinne:

Noi tedesci di zucchero, di zucchero non siamo!