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Projektstunden gegen rechte Gewalt

von Marlene Stube

 

„Ich bitte Euch um eines: Habt Achtung gegenüber Ausländern!“ Mit Nachdruck forderte Luc Marcel Iyabi die Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums am heutigen Donnerstag dazu auf Verantwortung zu tragen. Im Rahmen eines Projekttages hatte die Schule Mitarbeiter der „Op- ferperspektive“ eingeladen, sowie Luc Marcel Iyabi, der selbst ein Opfer rechter Gewalt gewor- den ist.

Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen sechs bis acht versammelten sich in der zweiten und dritten Stunde in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, wo die Schülervertretung gemeinsam mit dem Verbindungslehrer Michael Haferberger einen Projekttag organisiert hatte.

Der Kontakt mit der „Opferperspektive“, einer Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt in Brandenburg, entstand vor knapp einem Jahr. Damals veranstaltete das Geschwister-Scholl- Gymnasium den Aktionstag „Schritte gegen Tritte“, bei dem die Teilnehmer über 45.000 Mark an Spendengeldern „erlaufen“ hatten. Mit dem Geld sollte die „Opferperspektive“ unterstützt wer- den. Heute nun standen Judith Porath und Claudia Luzar, Mitarbeiterinnen der Beratung, den Schülerinnen Rede und Antwort.

Nach einer Begrüßung durch die Schülervertretung sowie Direktorin Antje Malycha gab ein Film Einblick in die Arbeit der Opferperspektive. Anschließend erläuterte Judith Porath Inhalt und Zie- le der Beratung. Die „Opferperspektive“ ist aber keine feste Beratungsstelle, sondern beschäf- tigt vier Mitarbeiter, die den ganzen Tag im Raum Brandenburg unterwegs sind und sich um die Opfer kümmern. „Viele Opfer sind Asylbewerber, die nur schlechte Deutschkenntnisse haben und nicht wissen, wie das deutsche Rechtssystem fraktioniert.“ erläutert Judith Porath. Ihnen hilft die Opferperspektive beispielsweise beim Ausfüllen von Anträgen und vermittelt gegebe- nenfalls einen Anwalt.

Durchschnittlich 60 Opfer von rechter Gewalt können im Jahr begleitet werden. Im Anschluss erzählte Luc Marcel Iyabi, der 1999 aus Kamerun nach Deutschland gekommen ist, wie er selbst Opfer rechter Gewalt geworden ist. Da der gebürtige Kameruner besser Französisch als Deutsch spricht, dolmetschte Kirsten Lepping, Lehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium, für das Pub- likum.

Luc Marcel Iyabi schilderte in bewegenden Worten, wie er nachts von einer Gruppe Jugendlicher auf der Straße beschimpft und angespuckt wurde. Als er darauf nicht reagierte, schlugen die Täter mit Flaschen und Stöcken auf den am Boden Liegenden ein. Nur mit knapper Not gelang Luc Marcel Iyabi die Flucht. Die Situation des Kameruner interessierte die Schüler so, dass sie vor Fragen beinahe übersprudelten.

Da die Zeit aber knapp wurde,  musste Verbindungslehrer Michael Haferberger den eifrigen Fra- gen ein Ende setzen. Er bedankte sich bei Luc Marcel Iyabi sowie den Mitarbeitern der Opfer- perspektive und entließ die Schüler mit der Ermahnung: „Jeder von Euch kann helfen. Dazu müsst ihr nicht erst nach Brandenburg fahren, das geht auch in Lüdenscheid.“