Zurück

Vierter Rang: Jenny Mai Ha Minh bei Philosophischer Winterakademie

WR Jenny Mai Ha Minh vom Lüdenscheider Geschwister-Scholl-Gymnasium hat bei der 3. Phi- losphischen Winterakademie der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, der Joseph Pie- per Stiftung, der Stiftung Westfalen und der Bezirksregierung in Arnsberg einen respektablen vierten Rang bei 25 teilnehmenden Schülern und Schülerinnen aus dem ganzen Land NRW er- reicht.

Am Donnerstagabend wurden die besten Fünf in der katholischen Akademie, dem Franz-Hitze- Haus in Münster, ausgezeichnet. Die beiden ersten Preisträger, Torsten Schöneberg aus Dort- mund und Sarah Helduser aus Siegen, können im Mai für Deutschland sogar zur Philosophie- Olympiade nach Buenos Aires reisen. Jenny bekam eine Urkunde und einen Buchpreis. 

Sie besucht das Lüdenscheider Geschwister-Scholl-Gymnasium in der Jahrgangsstufe 13 und ist laut Philosophie- und Deutschlehrer Dr. Reinhard Wilczek eine „interkulturelle”, ruhige Persön- lichkeit mit „konfuzianischem Wesen”. Belegt hat sie die Leistungskurse Französisch und Eng- lisch. 

Für Wilczek ist der Erfolg der jungen Lüdenscheiderin Grund genug, darüber nachzudenken, ob am Staberg zukünftig vielleicht ein besonderes philosophisches Angebot der zusammenarbeiten- den Schulen aufgebaut werden könnte.

Vier Tage verbrachte Jenny mit weiteren 24 jungen Leuten in dieser Woche gemeinsam in Mün- ster. Die Wettbewerbs-Arbeit umfasste dabei nur einen Vormittag. In der übrigen Zeit hörten die Teilnehmer Vorträge über „Praktische Vernunft”, unternahmen einen historischen Stadtrund- gang in Münster, besuchten Arbeitsgemeinschaften oder - auch das machen Philosophen - fei- erten eine gemeinsame Party. 

Die Aufgabe der Winterakademie hatte es in sich: „Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedengestelltes Schwein; besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr. Und wenn der Narr oder das Schwein anderer Ansicht sind, dann deshalb, weil sie nur die eine Seite der Angelegenheit kennen." Also: Ist es besser, unzufrieden zu sein und wissend, oder hat die andere Variante auch gute Seiten? 

Diese Aufgabe aus der Philosophischen Winterakademie in Münster hatte es in sich. Die Schüler hatten die Gelegenheit, sich über dieses oder zwei andere philosophische Problemstellungen den Kopf zu zerbrechen. Vier Stunden lang hatten sie Zeit, die Fragen in einem Essay zu diskutie- ren. Als ob dies nicht schon schwer genug wäre, leisteten sie noch eine zusätzliche Arbeit: Die Essays durften nur auf Englisch oder Französisch geschrieben werden. Die Schüler lösten die Aufgabe mit Bravour. Die 14 Fachlehrer, die als Jury die Werke bewerteten, attestierten allen Teilnehmern ein „durchweg hohes Niveau der Argumentation” und lobten die Fähigkeit, abstrak- te Themen argumentativ schlüssig zu diskutieren und die folgerichtigen Schlüsse zu ziehen.

„Auch im Jahr eins nach PISA muss eine Philosophie-Akademie möglich sein", plädierte Wolf- gang Koch, Schulabteilungsleiter der Bezirksregierung, für die Kür in der Schule. Der Organisa- tions-Aufwand sei unbestritten groß, so Koch. Doch allein die Tatsache, dass sich im Laufe des Landeswettbewerbes fast 500 Schüler freiwillig mit Themen beschäftigt hätten, die nicht auf dem Lehrplan, aber auf der Agenda eines mündigen Bürgers stehen, mache Mut und entkräfte die häufig pauschale Kritik an angeblich mangelnder Leistungsbereitschaft von Schülern und Lehrern.