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Exkursion nach Münster

von Stefanie Fiebig

Den Exkursionstag am 29.01.2003 ver- brachten die Religionskurse von Frau Rogge, Herrn Veerkamp und Herrn Zwief- ka in Münster. Ursprünglich war lediglich ein Besuch der Universität geplant; die- ses Programm wurde später aber um die Möglichkeit einer Führung mit dem The- ma „Clemens August Graf von Galen“ er- weitert.

Während sich ein Teil der Gruppe mit Herrn Veerkamp zur Uni begab, um sich dort die eine oder andere Vorlesung an- zuhören — leider war die Auswahl wegen des zeitlichen Rahmens sehr begrenzt — fanden sich die übrigen Schüler sowie Frau Rogge und Herr Adam nach einem kurzen Spaziergang über den Markt vor dem Dom ein. Dort trafen wir unsere sympathische Fremdenführerin Frau Lücke, die nach ein paar einleitenden Worten über Münster (wir erfuhren bei- spielsweise, dass es in der Stadt doppelt so viele Fahrräder wie Einwohner gibt sowie 90 Kirchen und 900 Kneipen) mit uns in den Dom ging. 

Dort konnten wir das Glockenspiel der astronomischen Uhr bewundern, welches nur einmal täglich erklingt. Wie uns Frau Lücke erklärte, handelt es sich bei der Uhr um eine von nur vieren in ganz Euro- pa. Die anderen drei befinden sich in Ro- stock, Prag und Straßburg.

Die astronomische Uhr des Doms wurde bereits im Jahre 1540 angefertigt und verfügt neben einem 24-Stunden-Zifferblatt, dessen Zeiger stets dem Stand der Sonne entspricht, über eine Weltkarte und einen Kalender. Außerdem zeigt sie den Stand der Planeten sowie die Mondphasen an.

Anschließend gingen wir zum eigentlichen Teil der Führung über. Zunächst erhielten wir einen kurzen Überblick über den Lebenslauf von Clemens August Graf von Galen und wurden dann in einem mit Anekdoten gespickten Vortrag ausführlicher darüber informiert, wie er während der NS-Herrschaft für den Schutz allen Lebens und die Rechte der Kirche ein- trat. Von Galen, der nach seinem Theologiestudium und der Priesterweihe als Domvikar in Münster und danach als Kaplan in Berlin arbeitete und schließlich als Pfarrer in die Kirche St. Lamberti in Münster zurückgerufen wurde, wurde 1933 zum Bischof ernannt.

Im Jahre 1941 hielt Bischof von Galen drei Predigten gegen die von den Nationalsozialisten propagierten Euthanasie- maßnahmen sowie gegen die Vertreibung von Ordensleuten. Seine Predigten wurden von vielen Menschen mitgeschrieben und an Angehörige, unter ihnen deut- sche Soldaten, weitergegeben, obwohl dies verboten war. Letztendlich war es nur die Beliebtheit des Bischofs beim Volk, welche ihn vor einer Verhaftung durch die Gestapo bewahrte. Aus Angst vor Aufständen wagten es die national- sozialistischen Machthaber nicht, ge- gen ihn vorzugehen. Fünf Jahre später wurde von Galen von Papst Pius XII zum Kardinal ernannt. Damit war er, so Frau Lücke, der erste Kardinal Münsters in 1200 Jahren Stadtgeschichte. Nach diesem Vortrag wurden wir durch den Dom geführt und konnten uns sowohl die Grabstelle des Kardinals als auch eine Gedenktafel und ein Fenster, das Daniel in der Löwengrube zeigt (Kardinal von Galen war als der „Löwe von Münster“ bekannt), ansehen.

 

 

Als Letztes gingen wir noch zur Kirche St. Lamberti, wo sich ebenfalls eine Ge- denktafel für Kardinal von Galen befin- det. Dort erzählte uns Frau Lücke auch von der Zeit der Vielweiberei in Münster, die drei Männer, die die Stadt besetzt hatten, zu einer Zeit einführten, als Brü- der ihre unverheirateten Schwestern mitversorgen mussten (Frau Lücke kom- mentierte an dieser Stelle: “Aber wie Sie [Herr Adam] so gucken, hätten Sie Ihre Schwestern bestimmt ins Kloster ge- schickt!“). Die Begründer wurden schließlich vom Fürstbischof und seinen Gefolgsleuten überwältigt, hingerichtet und ihre Leichen als Warnung in drei Kä-  figen an den Dom gehängt. Die Käfige befinden sich noch heute dort. Mit dieser Schauergeschichte war unsere Führung dann auch schon an ihrem Ende angelangt. Der Rest des Tages stand uns dann zur freien Verfügung und wurde von den meisten Schülern für einen Stadtbummel genutzt, bevor es am späten Nachmittag nach einer gelungenen Exkursion mit dem Zug zurück nach Lüdenscheid ging. Dort angekommen ließen wir den Abend mit einem gemütlichen Beisammensein und den Vorträgen von drei Schülerinnen über ihre Aufenthalte im Ausland, unter anderem in Indien, ausklingen.