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Hakuna Matata – ein Schulausflug nach Afrika

von Sabine Vorwerk

 

Am 14.03.2003 war es so weit, der Tag, dem rund 60 Schüler und 4 Lehrer  entgegengefiebert hatten, war endlich da: heute wollten wir nach Hamburg fahren, um uns das Musical „Der König der Löwen“ anzusehen. Noch vor der Abfahrt sorgten die Outfits einiger Leute und das Unvermö- gen anderer zur Pünktlichkeit für so manchen Scherz und Lacher. Die Fahrt verlief ruhig. Kurz vor Hamburg hatten wir noch einen kleinen Stau, waren aber um halb fünf da. Für einige (hauptsäch- lich Mädchen) tauchten jetzt Probleme auf: um die kostbare Abendgarderobe nicht zu zerknittern, war diese gesondert in Tüten transportiert worden, weil man sich ja im Bus umziehen kann. Nun musste man sich nur noch die Karte besorgen, die Jungs rauswerfen, sich schminken und umzie- hen – alles unter den wachsamen Augen des Busfahrers, dem aufgrund der nicht vorhandenen Möglichkeit des Sichtschutzes wahrscheinlich kein Detail entgangen ist. 

Das Wetter in Hamburg war hervorragend, deshalb haben sich einige zum Stadtbummel hinreißen lassen, andere haben einen Hafenspaziergang gemacht. Der endete schließlich  in der „Nordsee“, bei den Fischen, die auch prompt gefüttert wurden. Wir saßen strategisch günstig (Zitat Knaupe: „im Schaufenster“) mit Blick über Elbe und Hafen, direkt vor dem Anleger der Shuttleboote, die uns später zum König der Löwen auf die andere (Elb-)Seite befördern würden. Nach einem ziemlich teuren Abendbrot (als Nicht-Fischesser hat man bei Nordsee so ziemlich verschissen!) und einem fabelhaften Sonnenuntergang hinter dem Hafen (der war gratis) begannen die Schüler grüppchenweise einzutrudeln und mit den Shuttlebooten überzusetzen. Die Fahrt auf das beleuchtete Theater zu war schon ein toller Anblick, doch das Theater selbst war der Hammer. Es ist extra für das Musical umgebaut und mit einem Turm versehen worden, um die Bühnenbilder hochzuziehen. Innen war alles voll edel, und sämtliche Bedenken in Richtung „overdressed“ wurden schnell fallengelassen. Zwei von uns hatten besonderes Glück gehabt: weil das Theater nicht behindertengerecht gebaut ist, bekamen der Rollstuhlfahrer und sein Kumpel Logenplätze. Fazit: nicht behindertengerecht muss nicht automatisch nicht behindertenfreundlich heißen! Eine angenehme Überraschung. Wir saßen in den letzten beiden Reihen, weshalb die Bühne ziemlich weit weg war (die Operngläser waren offensichtlich nicht für Schüler konzipiert, sie fielen häufig auseinander) und wir zunächst um unsere Unterhaltung besorgt waren. Wie sich jedoch herausstellte, war das völlig unnötig und sogar ein Vorteil gegenüber den vorderen Rängen, weil wir das ganze Theater im Blick hatten und wir riesigen, das ganze Theater ausnutzenden Gesamtbilder voll sehen konnten und nicht nur teilweise.

Aber das Theater wurde nicht nur optisch, sondern auch akustisch voll ausgenutzt, durch auf jeder Seite eingelassene Sänger- und Percussionlogen. Ein weiteres Highlight war die Bühne, die wie ein Puzzle aus vielen kleinen, einzeln bewegbaren Stückchen bestand. Die Darsteller waren fantastisch, für einige Überraschung sorgten die Kostüme, die sowohl das Tier – als Maske – als auch den Menschen – hinter der Maske – zeigten. Das beste Beispiel dafür war Zazu, ein Vogel, der durch ein Stofftier symbolisiert wurde. Es gab sogar einen Elefanten und zwei Giraffen, oder eine aus Tänzern bestehende Gras- oder Dschungellandschaft.

In der Pause wurden die frischen Eindrücke ausgetauscht und verarbeitet: „Boah, ey, haste gesehn, wie der Elefant...“  „Mann, das war ja krass, mit den vielen Tieren da...“   „...der arme Simba, der tut mir so richtig leid!“

Für alle, die mit diesen Bruchstücken überfordert sind, an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung des Inhaltes: Simba ist der Sohn des Königs aller Tiere in Afrika und wird diesen Posten nach dem Tod seines Vaters übernehmen. Scar, der Bruder des Königs, ist zwar nicht besonders stark, aber hinterlistig. Also lässt er Simba von seinen Hyänen in eine Falle locken und holt den König, der Simba rettet. Durch die Hand (Tatze) seines Bruders stirbt dieser in der für seinen Sohn bestimmten Falle. Scar redet Simba ein schlechtes Gewissen ein, so dass dieser das Land verlässt und im Dschungel mit zwei neuen Freunden, Timon und Pumbaa, aufwächst. In der Zwischenzeit wirtschaftet Scar das Land, zu dessen König er sich ernannt hat, zu Grunde und will sich mit Simbas Freundin Nala vergnügen, die sich jedoch so grade noch aus dem Staub machen kann. Sie findet Simba im Dschungel, sie verlieben sich und Nala kann Simba dazu überreden, wieder nach Hause zu gehen, um dort Ordnung zu schaffen.

Zusammen mit den Löwinnen kämpfen Nala, Simba, Timon und Pumbaa gegen die Hyänen. Simba kämpft gegen Scar und bringt ihn dazu, den Mord am alten König zu gestehen, anschließend Friede, Freude, Eierkuchen.

Nach der Pause erlebten wir das größte Bild des Musicals, bei dem sich die Tiere (vor allen Dingen Vögel) durch den ganzen Zuschauerraum bewegten. Wir hatten also alles im Blick, Bühne und „Himmel“ – noch ein Grund zur Freude auf den „billigen Plätzen“! Nachdem der Vorhang gefallen war, blockierten wir die Foyertreppe noch zirka 15 Minuten lang wegen der Erinnerungsfotos (die übellaunige Dame in meinem Rücken hat jede Sekunde mitgezählt!).

Die Rückfahrt über die Elbe war super: in sternenklarer Nacht durch den hell erleuchteten Hamburger Hafen. 

Der auf allseitigen Wunsch eingeplante Abstecher auf die Reeperbahn scheiterte am Unvermögen des Busfahrers, in die richtige Richtung zu fahren. Vielleicht wollte er uns aber auch einfach nur zeigen, dass er sich auf der Reeperbahn nun wirklich nicht auskennt...

Als wir um kurz nach vier nach einer ereignislosen Fahrt – nur die wenigsten hatten noch genug Cola oder Coffeintabletten mit – zu Hause ankamen, waren wir um ein wahnsinnig tolles Erlebnis reicher.

Dieser Ausflug – reichlich vorbereitet durch etliche Darbietungen des Solisten Nikolai Wohlfahrt und des Schulorchesters bei diversen Schulveranstaltungen – hat einen sehr hohen pädagogischen Wert und muss daher unbedingt wiederholt werden. Wir haben ja im Orchester schon „Phantom der Oper“ gespielt; und wer erinnert sich nicht an den legendären „Staberg Express“? Es gibt noch jede Menge Musicals in Deutschland...