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Widerstand im Zeichen der Weißen Rose

WR • Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zum 60. Todes- tag der Geschwister Hans und Sophie Scholl konnte Schulleiterin Antje Malycha am Donnerstag mit Dr. Christian Jansen einen Historiker begrüßen, der sich intensiv mit der Thematik "Studen- tischer Widerstand an den Universitäten im Nationalsozialismus" befasst hatte.

Der Hochschuldozent für neuere Geschichte am Historischen Institut der Ruhruniversität Bo- chum promovierte mit einer Arbeit über den Studentischen Widerstand von der Weimarer Zeit bis zum Dritten Reich an der Universität Heidelberg. In Publikationen zur deutschen und itali- enischen Geschichte befasste er sich mit der Militarisierung der Gesellschaft im 19. Jahrhundert im internationalen Vergleich. Er versuchte zu definieren, was im Dritten Reich "Widerstand" be- deutete. Dabei zeigte er Strukturen oppositionellen Handelns wie den Widerstand der "Weißen Rose" auf.

"Widerstand an den Unis leistete eigentlich nur die Weiße Rose" erklärte Dr. Jansen. Es habe sicher noch weitere erfolgreiche Widerständler im Dritten Reich gegeben, aber sie seien nicht in den Archiven zu finden. Im studentischen Umfeld habe es drei Dissenzformen gegeben: 1. Indi- vidueller Dissenz mit dem Widerwillen gegen "Kasernierung in Kameradschaftshäusern" und dem Mangel an Einsatzbereitschaft. Als 1939 auch Studenten zum Arbeitsdienst verpflichtet wurden, entzogen sich viele mit Ausreden.

Die sozial-elitäre Dissenz entstand aus der Position des Bürgertums und Aristokratie. Studenten sahen in Arbeitern nicht die "Volksgenossen" und die Nazis "waren Leute unter dem eigenen Ni- veau", so Dr. Jansen. Nicht artikuliert wurde in der Regel die Kritik der Studenten am "primitiven Habitus der NS".

Christlich motivierte Dissenz fand man unter Theologiestudenten und der Weißen Rose. Vor al- lem Studenten der Uni Bonn protestierten unter Karl Barth gegen die Vereinnahmung der Kir- chen. Die "bekennende Kirche" hatte bald 200 Mitglieder. Barth weigerte sich, Vorlesungen mit dem "deutschen Gruß" einzuleiten und wurde 1934 entlassen.

Katholische Studenten waren selten politisch involviert und gaben keinen Anlass zu politischer Kritik. Sie waren zwar äußerlich angepasst, innerlich entfremdeten sie sich jedoch von der NS- Politik. Allgemein wurde der Herrschaftsanspruch der NS selten in Frage gestellt Studentische Widerstandsgruppen bildeten sich schon in der Vorkriegszeit, "waren aber weitaus marginaler als wir uns vorstellen", so Jansen. Als man sie 1933 verbot, entwickelten sich kleine Diskussions- zirkel. In der Hochburg Hamburg und an der Uni Berlin gab den aktivsten kommunistischen Wi- derstand und fieberhafte Aktivitäten. Einige Mitglieder wurden verhaftet und saßen im KZ. Trotz aller Opferbereitschaft lief der kommunistische Widerstand jedoch ins Leere.

Dr. Jansen würdigte auch die singuläre Studentengruppe Weiße Rose. Die in der Studentenkom- panie organisierten Medizinstudenten "machten alle den Weg von der Hitlerjugend über die Wehrmacht und erste Erfahrungen mit dem rücksichtslosen NS-System. Ohne Wehrmacht kein Studium. Das NS-Regime zerschlug studentische Aufbegehren gnadenlos. Aber "die hochsen- sibilisierten Menschen wuchsen an der Sache und reagierten nicht in blindem, wütenden Pro- zess", erläuterte der Historiker. Die Weiße Rose stehe für den zivilen Widerstand und moralische Integrität, man entlarvte mit wachem Geist die Greuel und setzte sich unerschrocken für die Ziele der Demokratie ein, letztendlich erfolglos. "Aber die Mitglieder der Weißen Rose wollten keine Martyrer werden".