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Rede der Jahrgangssprecherin Kathrin Schiemenz (Zeppelin- Gymnasium) und des Jahrgangssprechers Mario Bause (Geschwister-Scholl-Gymnasiums) zur Abiturientenentlassfeier 2004

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Guten Abend sehr verehrte Frau Malycha!

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Guten Abend sehr geehrter Herr Dr. Vonderschen!

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Sehr geehrtes Lehrerkollegium,

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liebe Eltern, Geschwister und Bekannte,

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liebe Mitschüler!

Gerne hätten wir heute Abend auch Herrn Benfer begrüßt, der bis 1999 der Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums gewesen ist. Er ist leider verhindert, lässt aber dem gesamten Abiturjahrgang seine herzlichen Glückwünsche ausrichten.

Wir haben gesiegt!

Nach einer dreizehnjährigen Schlacht ums Abitur ist es nun endlich Zeit aufzubrechen in eine gestaltbare und doch unberechenbare Zukunft.

Heldentaten sind vollbracht worden. Dreizehn Jahre erwarben wir Reife, haben wir gelacht und gelitten, dreizehn Jahre kämpften wir um Anerkennung und gute Noten.

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Diese Zeit, die in die Geschichte eingehen wird, war geprägt von uns zwar wohl gesonnenen aber zuweilen launischen Göttern, die unsere Erfolge und Niederlagen meist mitzuverantworten hatten.

Unter Leitung des Göttervaters Manfred Zeus und seiner ständigen Begleiterin Hera Malycha versuchte der größte Teil der Götterfamilie stets uns fundiertes Wissen zu vermitteln, was uns jetzt und in Zukunft von den zweideutigen Orakelsprüchen berauschter Priesterinnen in Delphi unabhängig machen wird.

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Wenn uns gewöhnlich Sterbliche im Unterricht auch gelegentlich der Schlafgott Hypnos und sein Sohn Morpheus, der Gott der Träume, übermannten, versuchte die Götterfamilie dennoch uns auf verschiedenste Weise ihre Allwissenheit zu vermitteln. Dieses Mitteilungsbedürfnis hat zumindest dafür gesorgt, dass uns einige von ihnen in unsterblicher Erinnerung bleiben werden.

Der Götterfamilie ist es zu verdanken, dass wir viel Wichtiges gelernt haben. Ganz besonders Hera lagen geistreiche Veranstaltungen, die wir schon damals zu schätzen wussten, sehr am Herzen. Veranstaltungen in denen wir Lernen lernten. So lernten wir unter anderem lernen, dass Ordnung das halbe Leben sei; obwohl es sich eigentlich auch in der anderen Hälfte ganz gut leben ließ.

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In der Oberstufe erklärte sich das Fehlen von Unterrichtsinhalten im Heft immer häufiger durch das Fehlen im Unterricht an sich.

Mit dem achtzehnten Lebensjahr erhielt man nämlich, neben dem Autoschlüssel, auch den Schlüssel, geistige in räumliche Abwesenheit zu wandeln.

Nur zu verständlich war es daher, dass wir deswegen auch den Begriff Pünktlichkeit, gegen nur geringen Widerstand einzelner Götter, einfach umdefinierten.

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Und das war auch gut so, da Zeit ohnehin nur relativ ist, wie schon der schlechte Schüler Albert, der spätere Nobelpreisträger, nach seiner Schulzeit zu berichten wusste.

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Auf dem steinigen Weg zur Spitze des Stabergs bewegten uns als Sterbliche jedoch in der Regel wesentlich existentiellere Fragestellungen. Zum Beispiel: Bei wem kann ich noch schnell die Hausaufgaben abschreiben? Wo finde ich noch einen Parkplatz? Habe ich genug Geld für den Emma? Gehe ich zu Deutsch oder geh ich nicht?

Bei der Beantwortung der letzten Frage wurden häufig das Wetter oder die Tatschache, ob man eigentlich das aufgetragene Stundenprotokoll angefertigt hatte zu ausschlaggebenden Faktoren.

Die Deutsch-Göttinnen und Götter mögen es uns verzeihen, ihr Fach ist selbstverständlich rein zufällig gewählt worden.

Erfreulicherweise ist es uns dennoch gelungen derartige Konflikte in den Hintergrund zu drängen, um Dyonisus zu gefallen.

Dem Gott des Weines widmeten wir rauschende Feste und großartige Gelage, für deren Gelingen einigen Halbgöttern sicherlich besonderer Dank gezollt werden muss.

Überhaupt waren wir stets darum besorgt unsere kostbare Freizeit nicht durch ermüdendes Lernen und das Anfertigen zu vieler Hausaufgaben zu belasten.

Stattdessen schärften wir lieber unseren Verstand, indem wir immer wieder neue brillante Ausreden erdachten, die von den Unsterblichen oft mit viel Humor getragen wurden.

Wir machten es der Götterfamilie wahrlich nicht immer leicht, aber dabei waren wir laut Sokrates auch nicht schlimmer als die Jugend im fünften Jahrhundert vor Christus. Zitat: „Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer.“

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Unser freier Geist verbot es uns, dem schulischen Drill zu sehr zu folgen, aber manchmal war es dann doch nicht möglich uns den – zugegebener Maßen – häufig sinnvollen Aufgaben unserer Vorgesetzten zu widersetzen. Wir bissen in den sauren Apfel und so manches Mal gelang es uns, unsere Mentoren mit guten Leistungen zu überraschen. Insbesondere die Mitglieder der Götterfamilie, denen es gelang die Begeisterung für ihre Disziplin zu vermitteln, wurden häufig mit dem Erfolg ihrer Schützlinge belohnt.

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Jetzt haben wir es geschafft! Wir sind die letzten Jahre immer weiter befördert worden und haben auch die letzte und härteste Schlacht heil überstanden.

Nun halten wir den eindeutigen Beweis unseres Sieges in den Händen halten und wir können Ihnen versichern, dass dieser Triumph trotz gegenteiliger Aussagen des uns feindlich gesinnten Pisas durchaus nicht leicht errungen wurde. Insbesondere in den letzten zwei Jahren mussten wir beweisen, was wir in all den vorhergegangen Jahren gelernt hatten und welchem Druck wir gewachsen waren.

So mussten wir beispielsweise in der Jahrgangsstufe Zwölf mit viel Eigeninitiative eine Facharbeit zu einem sehr spezifischen Thema anfertigen.

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Können Sie sich eigentlich vorstellen wie nervenaufreibend es ist, eine Arbeit, für die man fast ein viertel Jahr Zeit bekommen hat, in nur einer Woche fertig zu stellen? Nun, viele von uns wissen es. Ich bildete mir schon ein, ich sei vielleicht ein wenig spät dran als ich meine Facharbeit nachts um zwei vor dem Abgabetermin fertig stellte, aber es gab tatsächlich Geschöpfe, die noch leistungsbereiter waren und überhaupt erst zur Pause mit schwarz umränderten Augen in der Schule erschienen, um ihre Facharbeit noch rechtzeitig abzugeben. Anders als so häufig in der Politik, ist bei unseren nächtlichen Sitzungen jedoch in den meisten Fällen etwas Anständiges bei herausgekommen, denn viele gute Noten belohnten den Arbeitseinsatz.

Wir scheuen nicht den Vergleich mit den Schulabgängern anderer Länder oder Bundesländer und fühlen uns bereit für den Wehr- und Zivildienst, die Ausbildung, das Studium und den Wettkampf in der Berufswelt, auch wenn wir häufig als Spaß-Generation verschrien werden, die nichts anderes als den Dyonisuskult, nichts anderes als die Muße im Kopf hätte. Wäre dem wirklich so, wären wir heute gar nicht hier.

Wir sind uns der vielen Ernsthaftigkeiten und Wichtigkeiten im Leben durchaus bewusst, aber wir sind auch der Überzeugung, dass ohne Spaß und Freude das Leben unvollkommen wäre.

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Carlo Schmid, der unser Grundgesetz als Politiker maßgeblich mitgeprägt hat, sagte: „Reife bedeutet nichts anderes, als alt genug zu sein, um zu wissen, was man nicht tun sollte – und noch jung genug, um es trotzdem zu tun.“

Eine gewisse Unvernunft wollen wir somit gar nicht abstreiten. Schenkt man zudem dem folgenden Zitat des irischen Dramatikers George Bernhard Shaw Glauben, geschieht dies nicht aus reiner Leichtfertigkeit:

„Der vernünftige Mensch passt sich der Welt an; der unvernünftige besteht auf dem Versuch, die Welt sich anzupassen. Deshalb hängt aller Fortschritt vom unvernünftigen Menschen ab.“

Das erste große Ziel in unserem Leben haben wir nun erreicht. Jetzt müssen wir unser Leben auf neue Ziele ausrichten, vielleicht einstmals nur Wünsche und Träume jetzt zur Wirklichkeit machen.

Das wird nicht immer leicht sein.

Wie Odysseus nach zehnjährigem Krieg gegen Troja, eine unbeschwerte Heimfahrt erwartend, die eigentlichen Aufgaben noch vor sich hatte, so werden auch uns noch einige Irrfahrten erwarten. Nicht alles wird immer so ablaufen, wie wir es uns wünschen. So mancher Stein mit Aufschriften wie „Arbeitslosigkeit“ oder „Konjunkturflaute“ kann zur Stolperfalle werden.

Aber wie Erich Kästner schon sagte: „Auch mit Steinen, die dir in den Weg gelegt werden kannst du etwas Schönes bauen!“

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Einige Stürme werden uns das Leben schwer machen, aber das Abitur wird uns viel Rückenwind geben, um irgendwann auch wieder seichtere Gewässer zu erreichen. Trotz bestandener Reifeprüfung aber wird es keinem von uns gelingen alle Prüfungen des Lebens alleine zu bestreiten. Sogar der heldenhafte Odysseus hätte niemals den sicheren Heimathafen erreicht ohne treue Kameraden, die ihm zur Seite standen.

Das ist es, was uns den Abschied von der Schule vermutlich am schwersten macht, dass wir uns trennen müssen von Menschen, die wir jahrelang tagtäglich gesehen haben, von Menschen mit denen wir vieles gemeinsam erlebt und durchgestanden haben, mit denen uns viele Erinnerungen verbinden.

Auch wenn wir sagen könnten, wir werden uns alle wiedersehen fällt es uns trotzdem nicht leicht.

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Wir alle werden neue Freunde finden, von denen einige wahrscheinlich sogar unsere alten sein werden.

Aber selbst wenn wir niemanden hätten, werden wir immer die Menschen haben, die uns die Schultüte packten, Butterbrote schmierten und uns den Turnbeutel nachbrachten.

Die Menschen, die uns seit unserer Geburt mit Liebe beschenkten und denen unser Glück wie keinem anderen am Herzen liegt. Unsere Eltern sind es, die auch in Zukunft immer zu uns halten werden.

Mit diesem festen Anker, werden wir uns dem Einfluss der Götter Deimos und Phobos widersetzen können und ohne Furcht und Schrecken, aber mit Bescheidenheit in die Zukunft gehen.

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Glücklich und stolz stehen wir nun als Götter vom Staberg auf dem Abilymp.

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Die Aussicht ist wunderbar!

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Die Welt liegt uns zu Füßen!

------Cathrin – Mario----------------------------------------------------------

Vielen Dank!