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Europäische Einigung zwischen Faszination und Ängsten

Lüdenscheider Gymnasiasten und Gesamtschüler diskutieren in der Scholl-Aula mit Vertretern der"Europa-Union" über Bedeutung, Erweiterung und Zukunft der EU

LN v. 08.05.04 450 Millionen Menschen, 25 Nationen und keineswegs immer klare Entscheidungsprozesse - die erst jüngst erweiterte Europäische Union (EU) erscheint vielen Bürgern mitunter als eher abstraktes Gebilde ohne rechten Identitätsfaktor. Etwas mehr Wissen und Aufklärung kann da nicht schaden. Genau das sollte gestern eine Vortrags- und Diskussionsrunde in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums leisten.

Ausrichter der Veranstaltung war die so genannte "Europa-Union", ein Zusammenschluss von Bürgern, die nach eigenem Selbstverständnis parteiübergreifend und unabhängig die "Idee Europa" und die Einigung des Kontinents voranbringen wollen. In Deutschland zählt die "Europa-Union" derzeit rund 25 000 Mitglieder.

Bei der Zusammenkunft in der Scholl-Aula mit auf dem Podium und gleichzeitig Hauptakteur des Tages: Dr. Heinrich Albert Hoffschulte, einst Oberkreisdirektor in Steinfurt, jetzt NRW-Landesvorsitzender der "Europa-Union". Ebenfalls mit am Tisch: Dr. Adalbert Düllmann, Kreisvorsitzender der "Europa-Union", Lüdenscheids Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder und Scholl-Lehrer Norbert Adam.

Das Publikum bildeten an diesem Tag Zwölftklässler der drei Lüdenscheider Gymnasien und der Gesamtschule - viele davon sind bei der nahenden EU-Wahl am 13. Juni Erstwähler. Für den musikalischen Farbtupfer sorgte Scholl-Schülerin und Gitarristin Verena Graeber mit der Intonation der Europa-Hymne.

In seinem Vortrag skizzierte Referent Hoffschulte die Entwicklung der EU - von den zarten Anfängen in den 50er-Jahren über die stete Erweiterung im Laufe der Jahrzehnte bis zum heutigen Standard. Hoffschultes positives Fazit der historischen Ereignisse: "Die EU hat uns ein zumindest weitgehend friedliches Europa gebracht."

Bisweilen uneinheitlich fielen die Reaktionen aus der Schülerschaft auf den Vortrag aus. Die einen monierten, dass Hoffschulte bei seiner Preisung der europäischen Einigung nur CDU-Politiker, nicht aber Friedensnobelpreisträger Willy Brandt nannte. Andere fürchteten um die Zukunft der deutschen Bauern angesichts der Konkurrenz aus dem Osten. Europäische Meinungsvielfalt eben.