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Knappe Kassen, aber: "Katholische Kirche braucht Zentren für Jugendarbeit"

Foto: LN

WR v. 08.12.04 Brauchen Jugendliche heute noch die Institution Kirche für ihren Glauben? Offenbar ja. Das erfuhr gestern Vormittag Weihbischof Franz Vorrath, als er mit zwölf Schüler/innen des Geschwister-Scholl-Gymnasiums über genau diese Frage diskutierte. Allerdings fühlt sich der Nachwuchs nicht immer wohl in der Kirche - wenn sie denn überhaupt erreichbar ist.

"Wir brauchen regionale Schwerpunktzentren für die Jugendarbeit der katholischen Kirche. Auch in Lüdenscheid", zog Vorrath gegenüber der WR sein Fazit über das gemeinsame Gespräch mit den Schüler/innen aus den Jahrgangsstufen 10 bis 13. Es war für den Weihbischof des Ruhrbistums Essen deutlich geworden: "Die Jugendlichen brauchen Weggefährten, die sie durch das Leben und den Glauben begleiten". Und auch erreichbare Anlaufstellen.

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Eine Schülerin aus Herscheid hatte ihr Dilemma geschildert: Seit dem Weggang des katholischen Pfarrers aus der Ebbegemeinde liege die Jugendarbeit, die es zuvor gab, brach. "Jetzt müsste ich in die Gemeinden nach Plettenberg oder Lüdenscheid fahren", machte die Schülerin die Hürde deutlich.

Weihbischof Vorrath machte aber auch deutlich, dass der Begriff Kirche nicht auf das Gebäude oder die Messfeier beschränkt werden könne. "Ich habe viel von meiner Mutter über den Glauben erfahren. Unterhalten haben wir uns in der Küche. Da war eben die Küche der katechetische Ort", erzählte Vorrath aus seinem Leben.

Genau diese An- und Hinleitung zum Glauben passiere heute in den Elternhäusern nicht mehr, berichteten die Schüler/innen: "Welche Eltern schenken ihren Kindern heute noch eine Kinderbibel?" - "Das katholische Milieu ist weg", urteilte auch Dechant Johannes Broxtermann. Der Trend ginge heute immer mehr in Richtung Individualisierung. Darüber gingen die Kräfte für Gemeinschaft und Gemeinsamkeit verloren.

Wie stellen sich die katholischen Schüler/innen ihre Kirche vor? Zeitgemäß,  ohne die Tradition zu verlieren, gemeinschaftsstiftend, erreichbar und dass ihnen die älteren Gemeindemitglieder auf gleicher Augenhöhe begegnen und sie ernst nehmen.

Begleitet wurde die Gesprächsrunde von den katholischen Religionslehrern des Scholl-Gymnasiums und Schulleiterin Antje Malycha