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Management-AG: "Wer was werden will, muss sich schon engagieren"         

WR v. 07.10.04 "Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich nie angefangen BWL zu studieren." Diese Klage von Studienabbrechern im Studiengang Betriebswirtschaftslehre ist viel zu oft zu hören, bedauert Florian Assmann und verweist auf eine traurige Statistik: 50 Prozent der BWL- und Jura-Studienanfänger machen in diesem Fach kein Examen.

Teilnehmer der Management-AG mit Initiator Florian Assmann (Foto: WR)

28 Schülerinnen und Schüler der vier Lüdenscheider gymnasialen Oberstufen folgten am Dienstagabend im Geschwister-Scholl-Gymnasium interessiert den Ausführungen des Geschäftsführers der Lüdenscheider Assmann Electronic GmbH. "Wer sich frühzeitig über sein Berufsziel im Klaren ist, sich umfassend informiert", so Assmann, "verringert das Risiko, sein Studium abbrechen zu müssen, deutlich." Schon in der Oberstufe, bei der Wahl des Leistungskurses, würden die Weichen für die berufliche Zukunft gestellt. "Wer nicht von vorneherein eine Mathe-Affinität hat, kann BWL vergessen." Und auch Englisch sei heute im BWL-Studium ein "unbedingtes Muss".

"Management AG für die Gymnasien in Lüdenscheid" ist der Titel dieser jetzt bereits zum dritten Mal laufenden Vortragsreihe, die am Dienstag mit dem Referat von Florian Assmann gestartet wurde. 22 Veranstaltungen, dazu vier Exkursionen und Betriebsbesichtigungen bieten die 17 Referenten den teilnehmenden Gymnasiasten der 12. und 13. Jahrgangsstufen. Für Schulleiterin Antje Malycha und Jürgen Prüfer, Fachlehrer Sozialwissenschaften, ist das ein überaus hilfreiches Angebot für ihre Schüler.

Initiatoren sind allesamt Geschäftsführer und Manager namhafter heimischer Betriebe, sowie Lüdenscheider Anwälte und Mediziner, die diese Leistungen unentgeltlich erbringen. Ihre Management AG richtet sich an Oberstufenschüler mit Berufszielen in der Industrie, kaufmännischen Bereichen, Management und Marketing, aber auch an Interessenten für juristische und medizinische Berufe. Ihnen wollen sie eine frühzeitige Orientierung geben, die Profile und Leistungsanforderungen der einzelnen Berufsbilder verdeutlichen und zu einer zielgerichteten und leistungsorientierten Haltung im Ausbildungs- und Studiengang anregen. Natürlich soll den Schülern im Laufe der AG auch verdeutlicht werden, welches Potenzial die heimische Wirtschaft besitzt, dass nicht nur Großkonzerne reizvolle Managerposten bieten, kurz: Dass gute Leute hier vor Ort eine Perspektive haben.

Erstmals Plätze für Ferien-Praktikum

Als erschreckend bezeichnete Florian Assmann, mit welch vagen Vorstellungen von dem Beruf, den sie anstreben, viele Abiturienten in ein Bewerbungsgespräch gehen: "Wer sich für den Beruf des Industriekaufmanns interessiert, muss schon wissen, was Finanzbuchhaltung, Marketing und Vertrieb bedeuten." Grundlegende Fragen, etwa nach dem Unterscheid zwischen Umsatz und Gewinn, sollte der Bewerber beantworten können. Er habe da schon unglaubliche Antworten gehört. Die Auswahlkriterien seien hart, Bewerber mit nur ausreichenden Noten im Abitur oder Hochschulabschluss nahezu ohne Chance: "Wer etwas werden will, muss sich schon engagieren."

Bis zum 26. April laufen die jeweils dienstags von 17.30 bis 19 Uhr stattfindenden Veranstaltungen. Von den Management AGs der beiden letzten Jahre waren nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Veranstalter begeistert. Die Zahl der Anmeldungen lag zwar immer (wie auch diesmal) bei über 40, aber knapp 30 Gymnasiasten hielten bis zum Schluss durch. Sie bekamen ein Zertifikat, das bei künftigen Bewerbungsgesprächen vorgelegt werden kann.