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Filmrezension zum Spielfilm "Der Untergang"

von Alexander Alberts, Jg. 13

April 1945: Das nationalsozialistische Regime steht kurz vor der endgültigen Niederlage und Berlin kurz vor der Eroberung durch die Rote Armee. Hitler (Bruno Ganz) hat sich in diesen letzten Kriegstagen mit seinen engsten und vertrautesten Mitarbeitern in den Führerbunker unter der Berliner Reichskanzlei zurückgezogen und leitet von hier aus einen aussichtslosen und absurden Kampf für den „Endsieg“, dem noch Tausende in diesen Tagen zum Opfer fallen. Als letztendlich auch Hitler einsehen muss, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann, nimmt er sich und seiner Stunden vorher angetrauten Frau Eva Braun (Juliane Köhler) das Leben und lässt seine Anhänger desillusioniert zurück, die nun entweder selbst den Freitod wählen oder sich einer Gruppe anschließen, die in letzter Minute noch versucht aus dem Berliner Kessel auszubrechen. Unter den Flüchtenden befindet sich auch Hitlers Sekretärin Traudl Junge (Alexandra Maria Lara), aus deren Blickwinkel und mit Hilfe deren Tagebuchs die Geschichte des „Untergangs“ erzählt wird.

Der Film basiert auf dem Tagebuch von Hitlers Sekretärin Traudl Junge und der Hitler-Biographie des Historikers Joachim Fest, welche sich auch intensiv mit den letzten Tagen Hitlers beschäftigt.

Die letzten Tage Hitlers in einem Spielfilm chronologisch und möglichst authentisch darzu- stellen ist eine große Herausforderung, die Bernd Eichinger(Drehbuch/Produktion) und Oliver Hirschbiegel (Regie) sehr gut gelöst haben. Dies haben sie aber vor allem der hervorragenden schauspielerischen Leistung aller Beteiligten zu verdanken. Besonders hervorzuheben ist hierbei Bruno Ganz, der die Figur Adolf Hitlers brillant verkörpert und ihn unglaublich authentisch darstellt, jedoch auch den fast schizophrenen Zwiespalt zwischen Menschlichkeit und Tyrannei nicht auslässt.

Einige kritische Stimmen merken an, dass Hitler als zu menschlich dargestellt werde und dass dies unmoralisch und unverantwortlich sei. Ich schließe mich diesem Vorwurf nicht an, denn ein rein brutales Ekel hätte niemals ein ganzes Volk begeistern können und solch große Unterstützung aus den eigenen Reihen erfahren.

Aber bei aller Leistung darf man auch die restliche sehr gute Besetzung nicht vergessen, ohne die auch ein brillanter Bruno Ganz den Film nicht hätte zu dem machen können, was er geworden ist. Das Ehepaar Goebbels zum Beispiel, gespielt von Ulrich Matthes und Corinna Harfouch, verleiht dem Film zusätzlich einen erschreckend authentischen Ausdruck. Vor allem die Szene, in der Magda Goebbels ihre sechs Kinder umbringt und sie damit angeblich vor einem Aufwachsen in einer Welt ohne Nationalsozialismus „schützt“, ist schockierend und führt dem Zuschauer schonungslos die Grausamkeit und die gleichzeitige Absurdität der ganzen nationalsozialistischen Ära vor Augen.

In weiteren Rollen:

Heino Ferch (Albert Speer), Christian Berkel (Dr. Schenck), Matthias Habich (Prof. Dr. Haase), Thomas Kretschmann (Fegelein), Michael Mendl (General Weidling), Andre Hennicke (SS-Gruppenführer Mohnke), Ulrich Noethen (Heinrich Himmler), Birgit Minichmayr (Gerda Christian), Rolf Kanies (General Hans Krebs), Justus von Dohnanyi (General Burgdorf), Dieter Mann (Feldmarschall Wilhelm Keitel), Christian Redl (General Alfred Jodl), Götz Otto (Otto Günsche), Thomas Limpinsel (Heinz Linge), Thomas Thieme (Martin Bormann)

Die Absurdität  begleitet den Zuschauer durch den ganzen Film. So wird zum Beispiel in einer Szene ein rauschendes Fest in der Reichskanzlei gefeiert, bei dem sich Nazigrößen bei Champagner und Swingmusik amüsieren, während in der nächsten Szene wieder der blutige Straßenkampf in Berlin und das unglaubliche Leid der Zivilbevölkerung gezeigt werden und dies schonungslos. Daher finde ich auch die Altersfreigabe ab 12 Jahren als zu tief angesetzt. Es mag zwar Zwölfjährige geben, die wirklich schon fähig sind sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, aber meiner Meinung nach sollte dieser Film erst für Jugendliche ab 16 freigegeben werden, da diese dann auch das notwendige Hintergrundwissen für diesen Film schon in der Schule erworben haben. Dieser Aspekt ist für mich sehr wichtig, denn im Film werden die Persönlichkeiten im Bunker nicht im Gesamtkontext ihrer perversen Verbrechen dargestellt, sondern von ihrer privaten und somit natürlich auch ihrer menschlichen Seite gezeigt. Es besteht zwar keine konkrete Gefahr der Verharmlosung, da der Film alleine bereits die schockierende Grausamkeit des Nationalsozialismus zeigt, aber um hier wirklich eine Verharmlosung der Personen gänzlich auszuschließen, sollte ein gewisses Vorwissen vorhanden sein, welches dann im Film weiter ausgeweitet und neu betrachtet werden kann.

Meiner Meinung nach ist der Untergang trotz vieler objektiver, aber auch vieler subjektiver Kritik ein sehr gelungenes Werk. Die Verbindung zwischen authentisch präsentierten Fakten und einer unterhaltenden Spielfilmseite ist ein Prinzip, das dem Zuschauer die Geschichte nahe bringt ohne ihn mit Fakten zu überschütten und dadurch zu langweilen. Denn von Langeweile kann in dieser aufwühlenden Auseinandersetzung mit der dunklen Seite der deutschen Geschichte wahrlich nicht die Rede sein. Ein durchaus sehenswerter Film.