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Nellie Goodbye - Authentisch und sehr lebensecht

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WR vom 23.05.06

"Wenn man bloß wüsste, wo man dann ist. Danny, sag doch." - "Darüber hab ich mir noch keine Gedanken gemacht." - "Eine Wiese, blauer Himmel und Licht, viel Licht." Bereits vom Tode gezeichnet, nimmt Nellie, unheilbar an Krebs erkrankt, Abschied vom Leben.

Sie weiß: Ihr "Riese" im Kopf wird ihr keine zweite Chance geben. Er wird wachsen, ihr den Schlaf, das Gedächtnis, schließlich das Leben rauben. Eine Frage der Zeit, wie viele Tage und Wochen ihr noch bleiben. Sich darauf einzustellen, fällt unsagbar schwer .

Ernste, traurige Thematik ging die Theater-AG des Geschwister-Scholl-Gymnasiums am Montagabend in der Schulaula bei der Premiere von Lutz Hübners Jugendstück "Nellie Goodbye" äußerst sensibel und feinfühlig an. An die Nieren ging das bewegende Stück, das sich einfühlsam mit einem Tabuthema auseinandersetzte. "Uns ist schon der Atem gestockt am Ende", brachte Schulleiterin Antje Malycha in ihrem Dank an die beiden Spielleiterinnen Ina Rogge und Sabine Rathmann auf den Punkt, was alle bewegte.

Nah dran am Leben war dieses Stück, das von zerplatzten Träumen und Hoffnungen, Angst und Unsicherheit wie der Unfähigkeit, sich dem Unabänderlichen zu stellen, erzählte. Der Proberaum einer Band, die sich berechtigte Hoffnungen auf Teilnahme an einem Talentwettbewerb machte, avancierte zum Schauplatz des Geschehens, das in knappen Spielszenen Gestalt annahm. Schlagzeug, Keyboard, Gitarren, Saxofon und Mikro für Sängerin Nellie: Mehr brauchte es nicht, Atmosphäre einzufangen. Allein mit Freundin Cora, trat Nellie im Saal ihren schweren Gang zum Arzt an. Sprachlich setzte das Stück auf Alltagsjargon, temporeiche Dialoge und lokalen Bezug. Live und Playback untermalten Musik und Gesang die sich zuspitzende Handlung. Just die Live-Musik unterstrich authentisch die Probesituation der Szenerie. Mit "Knocking on heavens door" war überdies das traurige Stichwort zum Abschied von Nellie gegeben. Ohne ihre Frontfrau, die durch die Hölle von Operationen, Chemo und langsamem Sterben ging, schafften "The Superiors", als eingeschworene Gemeinschaft an einheitlichen T-Shirts zu erkennen, den Sprung an die Spitze des Talentwettbewerbs.

Sehr eindringlich und intensiv geriet das Spiel, mit dem die jungen Akteure für sich einnahmen und zur Auseinandersetzung mit ihrer heiklen Thematik anregten.

Nichts wirkte gekünstelt, alles authentisch und lebensecht. Lea Höller schlüpfte in die Rolle der vielversprechenden Sängerin Nellie, die sich Hoffnungen auf eine Musicalkarriere machte. Erste Krankheitsanzeichen überspielte sie geschickt. Die Band loszulassen, war ein schwieriger Prozess. Als Schlagzeugerin Cora und einzige, die den Mut aufbrachte, Nellie im Krankenhaus zu besuchen, zerbrach Janika Büdenbender fast am Leid ihrer besten Freundin. Songschreiber Jonny alias Lukas Altenheiner (Saxofon und Gitarre), Nellies Freund, scheute die Auseinandersetzung mit der Krankheit und fand in Cora Halt. Als Danny, selbst in Nellie verliebt, plädierte Christoph Henrichs (Gitarre) nachdrücklich für den Zusammenhalt der Band. Keyboarderin Tina (Theodora Kapna) hatte als neue Sängerin der "Superiors" keinen leichten Stand. Gestern schlüpften Pia Herzog und Isabelle Rittinghaus in die Rollen von Cora und Tina. Henrike Enders erzählte in der Rahmenhandlung von Nellies leisem Abschiedsgang.