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Der ultimative Frankreichaustausch-Ratgeber

Hrsg. von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Jahres 2005/2006

 

Einführung

Wenn ihr nach Frankreich fahrt, was übrigens sehr empfehlenswert ist, könnt ihr damit rechnen, dass ihr freundlich und warmherzig empfangen werdet. Die Franzosen sind alle sehr nett und gastfreundlich und kümmern sich rührend um ihre Gäste. Man bekommt sogar Wasser mit Kohlensäure, wenn man danach fragt.

Die Franzosen kommen sofort auf euch zu. Zur Begrüßung gibt sich (fast) jeder Wangenküsse.

Wenn deutsche Austauschschüler mit dem Bus in die Stadt fahren, müssen sie nicht bezahlen.

Die Schulen sind etwas strenger als bei uns. Vor der Schule und nach jeder Pause werden die Klassen vom Schulhof abgeholt. Jeder Lehrer hat seinen eigenen Klassenraum und schmückt ihn nach seinem Fach. Das Gabriel Hanotaux ist eine saubere und modern eingerichtete Schule. Die Klassenräume sind in den verschiedensten Farben gestrichen. Im Henri Martin dagegen sind die Klassenräume etwas einfacher gestaltet. Diese Schule besuchen viele Schüler. Neben den Aufenthaltsräumen zum Kickern und Basketballspielen hat sie eine eigene Kantine.

Sprache

Die größte Angst der Schüler ist, dass sie nicht wissen, wie sie mit den Franzosen sprechen sollen. Und man fragt sich, ob man überhaupt genug Französisch kann, ob sie Englisch und Deutsch sprechen, ob sie gut erklären können, ob sie auf einen eingehen, ob und was man reden soll. Deshalb wird im Bus schon eifrig gelernt, z. B.: Wie geht’s? (ça va?), Wo ist die Toilette? (Où sont les toilettes?), Ich habe Hunger ! (J’ai faim!), Was machen wir morgen? (Qu’est-ce qu’on fait demain?). Und das Schlimmste: Wie begrüßt man sich, wenn man sich noch nie gesehen hat? Umarmung? Gibt man sich die Hand? Küsschen links, Küsschen rechts, wie es in Frankreich üblich ist? Was sagt man? Aber keine Angst. Meistens kommen sie Franzosen auf euch zu, geben euch Küsschen, fragen „ça va?“ und nehmen euch die Tasche ab. Zu Hause läuft es meistens gut. Die Eltern sprechen normalerweise nur französisch, aber die Austauschpartner übersetzen bzw. umschreiben das, was man nicht versteht. Trotzdem sprechen die Franzosen viel weniger deutsch als wir französisch. Gesprächsthemen finden sich meistens sofort. Wie die Reise war, man erzählt aus dem Privatleben …

St. Quentin

Fährt man mit dem Bus nach St. Quentin, braucht man von Lüdenscheid aus circa fünf Stunden.

Als Erstes fallen die vielen alten Häuser auf. Die meisten Menschen leben in kleinen Häusern oder Wohnungen.

Leider gibt es kaum Mülleimer; deshalb werfen die Franzosen ihren Müll auf die Straße. Das muss man ihnen aber nicht nachmachen. Man muss auch aufpassen, dass man nicht in die vielen Hundehaufen tritt.

Auf dem Marktplatz und in den Markthallen kann man Fisch, Obst, Gemüse, Brot, aber auch Kleidung kaufen. Wer Austern mag, hat Glück; die sind in Frankreich nicht so teuer. Austern dürfen nicht gekaut werden, man muss sie schlürfen.

St. Quentin hat eine Kathedrale. In der Nähe findet man die Hauptpost und eine große Bushaltestelle. Eine einfache Fahrkarte für den Bus kostet 1,10 Euro und im Bus gibt es viele Stehplätze. Es gibt nur sechs Linien. Bei der Post gibt es Universalbriefmarken für Post nach ganz Europa für Karten und Briefe. Bei den Briefkästen gibt es zwei Schlitze: einen für Post nach St. Quentin und einen für den Rest. Ein großes Einkaufszentrum gibt es auch. Wer nach Paris fahren will, nimmt am besten den Zug (vom Bahnhof mit einer alten Fassade). Am Bahnhof gibt es hinter dem Parkplatz einen Park, wo Enten und Ziegen zu sehen sind. Einen noch größeren Park gibt es in Stadtnähe. Wie in allen Städten gibt es auch Taschendiebe. Deshalb muss man gut auf seine Sachen aufpassen.

Wohnen in St. Quentin

Wenn du nach St. Quentin fährst, dann musst du dich auf einiges gefasst machen: Es ist nämlich so, dass die Häuser bzw. Wohnungen von außen nicht so gepflegt sind wie bei uns. Innen sieht es meist besser aus, aber wenn du mal kaputte Tapeten an den Wänden oder kaputte Türen siehst, dann denke einfach: Das ist normal. Es wäre gut, wenn du eine Wäscheklammer mitnehmen würdest. Die Toilette ist meist von der Dusche oder Badewanne getrennt, genauso wie vom Waschbecken. Die Zimmer sind meist sehr klein, aber du wirst dich daran gewöhnen. Die Räume sind spartanisch eingerichtet, aber zum Teil auch sehr vollgestellt.

Das Wasser riecht nach Chlor, aber mach dir nichts draus: Für eine Gesichtswäsche ist das optimal. Es ist nur kein Trinkwasser.

Da du fast nur zum Schlafen in der Wohnung bist, ist es nicht so schlimm, wenn die Wohnung nicht so schön ist.

Sonst sind alle nett und du wirst herzlich aufgenommen. Es ist üblich, dass die französischen Familien Wert auf Technik (Fernseher, Computer, Playstation) legen, also mach einfach mit. Die meisten Familien haben mehr als zwei Fernseher. Der Fernseher ist fast immer den ganzen Tag lang an. Also wenn dir einmal langweilig ist, dann setz dich dazu und machs dir gemütlich. Die meisten haben auch deutsche Fernsehsender. Wenn du auf Musik stehst, dann nimm viele CDs mit, da die meisten keine Musiksender haben und überhaupt nicht so viel Musik hören. Zum größten Teil wird französischer Hip-Hop oder Techno gehört.

Verhalten in der Schule

Wenn ihr in der Schule ankommt, schauen euch erst mal alle doof an. Ihr kommt euch dann ein wenig vor wie im Zoo.

Am nächsten Tag ist es aber schon anders. Die Mädchen werden von allen mit Küsschen links, Küsschen rechts begrüßt, die Jungen natürlich nur von den Mädchen. Dann sind die Franzosen sehr nett und aufgeschlossen zu euch.

An der Schule ist es nicht wie bei uns. Das Henri Martin ist komplett eingezäunt und ihr kommt nur mit einem Schülerausweis rein. Da ihr keinen habt, müsst ihr an der Pforte klingeln und euch wird aufgemacht.

Dort haben nicht wie bei uns die Schüler ihre Klassenräume, sondern die Lehrer. Es ist dort auch nicht erlaubt, alleine in die Klassenräume zu gehen. Ihr und alle anderen müssen auf dem Schulhof auf die Lehrer warten.

In den Klassen werdet ihr meistens da nur sitzen und zuhören. In den Deutschstunden, die ihr mal mitmachen dürft, kommt ihr vielleicht mal dran. Ihr müsst euch dann ein bisschen vorstellen und so etwas in der Art.

Aber sonst ist es dort ähnlich wie bei uns und ihr werdet euch sehr wohlfühlen.

Essen in Frankreich

Für die Franzosen ist das Essen sehr wichtig und sie legen großen Wert darauf. Deswegen lassen sie sich viel Zeit beim Verzehr. Täglich gibt es zwei warme Mahlzeiten, die mittags und abends (gegen 20-21 Uhr, also sehr spät) eingenommen werden. Die Eltern trinken beim Essen oftmals Wein oder andere Sorten von Alkohol. Die Kinder hingegen trinken ausschließlich stilles Wasser.

Auch der Kaffee und andere heiße Getränke werden mit gekauftem Wasser gekocht.

Vielleicht wäre es von Vorteil, eine Vorratspackung Tee mitzubringen (für kältere Tage), da die Franzosen nie Tee trinken, sondern nur Kakao oder verschiedene Kaffeesorten, die einem nach zehn Tagen schon langsam aus den Ohren kommen können.

Beim Essen sollte man viel Hunger mitbringen, denn man bekommt reichlich angeboten. Gewöhnlich wird alles selbst zubereitet und Mikrowellenessen bekommt man nie zu sehen. Doch das ist gar nicht so schlimm, da so ziemlich alles richtig lecker schmeckt und es sich auf jeden Fall lohnt, unbekannte Sache zu probieren. Das Fleisch ist allerdings noch ziemlich rötlich und saftig, was wir Deutschen eher nicht gewöhnt sind. Aber die Familien nehmen es sehr verständnisvoll auf, wenn man es nicht mag und bieten einem Ersatz wie Spiegelei an. Nach dem Essen wird der Teller mit einem Stück Baguette gesäubert.

Am besten sollte man einfach alle Gewohnheiten nachmachen, um nicht negativ aufzufallen. Aber keine Angst: Man kommt schnell in den Rhythmus der Familie und es macht Spaß, das Verhalten der Franzosen zu beobachten und sich mit ihnen auf die eigene Weise zu verständigen.

Das Essen in Frankreich ist sehr gewöhnungsbedürftig. Deswegen sollte man sich gut darauf vorbereiten und den Gasteltern möglichst früh sagen, was man nicht mag. Zum Frühstück gibt es Cerealien und in der Mikrowelle erwärmte Milch. Zu trinken gibt es Leitungswasser oder Fruchtsäfte. Dazu werden meistens Croissants und Baguette gegessen. Mittags gibt es eigentlich immer warmes Essen. Wenn es Fleisch gibt, ist dieses meistens nicht gut durchgebraten. Dazu gibt es immer Baguette. Abends gibt es oft in der Mikrowelle erwärmte Reste des Mittagessens. Getrunken wird dazu Cola, Mineralwasser, Limonade oder auch Saft. Natürlich kann man auch Leitungswasser bekommen. Nachtisch gibt es eigentlich immer. Ansonsten werden allgemein viele Süßigkeiten und große Mengen an Nahrungsmitteln vertilgt.

Verkehrsverhalten

Wundert euch nicht, wenn die Franzosen einfach so über die Straße gehen. Das ist in Frankreich normal. Die Autofahrer halten dann an. Hier achten die Autofahrer auch nicht so genau auf die Verkehrsregeln, z. B. fahren sie mal über den Mittelstreifen oder auf der anderen Straßenseite. Auch die Autos sind nicht besonders gut in Schuss; die meisten haben Beulen oder Kratzer und sind dreckig. Das stört die Franzosen aber nicht. Es könnte auch sein, dass eure Austauschfamilie kein Auto hat. Das ist dann aber kein Problem, weil ihr dann bestimmt in der Stadt wohnt und die Schule in der Stadt liegt. In Frankreich gibt es viel Kreisverkehr. Man muss es selbst einmal gesehen haben.