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"Peer Gynt" mit Bravour geschafft

 

Hintergrund

WR v. 26.02.07 "Erst muss man Mensch sein. Alle wahre Kunst erwächst aus dem Menschlichen." Mit dem Leben, der Musik und den Worten Edvard Griegs machten am Freitagnachmittag im Kammermusiksaal Musikschüler und Scholl-Schüler beim Konzert zum 100. Todestag des Komponisten vertraut.

Ibsens "Peer Gynt", zu dem Grieg die Bühnenmusik schrieb, Liedern und lyrischen Stücken für Klavier galt das Augenmerk der jungen Akteure, die dem Komponisten eine liebevolle, facettenreiche Hommage darbrachten.

   

Seitens der Musikschule zeichnete Isabella Schubert mit ihrer Klavierklasse verantwortlich für die gelungene szenisch-musikalische Zusammenarbeit. Auf Seiten der Schule hielt Ina Rogge, die Ibsens "nordischen Faust" - kurz gefasst - Rückschau auf sein Leben halten ließ, mit ihrer Theater-AG die Fäden des Geschehens in der Hand. Um die beiden Suiten, die Grieg 1888 und 1891 aus der Bühnenmusik zu "Peer Gynt" zusammenstellte, rankte sich das szenische Spiel.

Trotz krankheitsbedingten Ausfalls beider Bergkönige - des Darstellers und des musikalischen Interpreten - meisterten die Jugendlichen ihren gestrafften "Peer Gynt" mit Bravour. Vor voll besetzten Rängen erinnerten die jungen Akteure an den großen, mit Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden überhäuften Norweger. Neben der norwegischen Flagge schufen Plakate zu "Peer Gynt", Grieg und Norwegens kulturellem Erbe im Saal authentisches Flair.

Die markantesten Szenen aus dem gewaltigen dramatischen Gedicht, das am 24. Februar 1876 in Christiana seine Uraufführung erlebte, belebten die jungen Akteure in Spiel und Musik. Vom Brautraub über Peers Begegnung mit den Trollen und Ases Tod bis zur Heimkehr nach langer Irrfahrt spannten die Jugendlichen den Bogen, um vom bewegten Leben eines Rast- und Ruhelosen zu erzählen.

Sibel Tunali führte als Erzählerin in die Handlung ein. Simon Graeber mimte den ungestümen Bauersburschen, der erst am Ende seines Lebens - kuriert von seiner Selbstsucht - Frieden in den Armen seiner Solvejg (Isabell Rittinghaus) fand.

Als Peers Mutter Ase verschied Annica Säwe in bitterer Armut. Janika Büdenbender sah sich als Braut Ingrid in die nordische Bergwelt verschleppt. Ann-Kathrin Poweleit, die Trollprinzessin, und (Ersatz)Bergkönig Henri Humpert, der Edvard Grieg einführend selbst zu Wort kommen ließ, machten Peer das Leben schwer. Mit orientalischem Tanz becircte Anitra (Meltem Circi) den vorgeblichen Propheten - und räumte ihm die Taschen leer. In Klaviersätzen von Hans-Günter Heumann wiesen Sabrina Hymmen, Anna Katharina Quitschalle, Pauline Hammerstädt, Domino Leitold, Marius Wolf und Anzhela Vorobyova anhand der Suiten Griegs Musik als ausgesprochen farbig und nordisch im Tonfall aus.

Weitere Facetten des Griegschen Schaffens streifte der zweite Teil des kleinen, feinen Konzerts, als Auszüge aus den lyrischen Stücken für Klavier und Lieder dem Romantiker Grieg den Weg bereiteten. Brunhilde Bohlmann (Gesang) entdeckte den Zuhörern u.a. mit "Margaretens Wiegenlied" die poetischen Züge des Komponisten. Fabian Wecker (Tuba) und Anzhela Vorobyova (Klavier) kehrten in die Halle des Bergkönigs zurück, um mit den Trollen den taumelnden Schlussakzent zu setzen.