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Mit Spielwitz und vielen pfiffigen Ideen

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WR vom 28.03.07 - "Irgendetwas ist hier faul!" Gruselfan Anton, allein zu Haus, überfällt ein mulmiges Gefühl. Der Fernseher streikt, Schwefelgeruch liegt in der Luft und das Käsebrot, frisch zubereitet, ist angebissen. Äußerlich sieht das Kinderzimmer, in dem das Fenster sperrangelweit offen steht, unverändert aus. Doch unterm Bett sitzt Rüdiger von Schlotterstein, der kleine Vampir. Und der sieht - o Schreck, o Graus - recht unternehmungslustig aus.

Angst und bange wurde dem neunjährigen Anton, der Abend für Abend Gruselromane verschlingt, als er am Dienstagabend in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums den kleinen Vampir als ungebetenen Gast im Kinderzimmer entdeckte. "Mein Blut ist nicht gut", vergällte das Menschenkind dem Vampirkind in der Scholl-Fassung des reizenden Kinderbuchklassikers von Angela Sommer-Bodenburg, für die die beiden Neuntklässlerinnen Janika Büdenbender und Ann-Kathrin Poweleit verantwortlich zeichneten, mit zittriger Stimme den Appetit auf einen blutigen Leckerbissen. Apfelsaft ("Scheußlich!"), Käse ("Schauderhaft!") und Gummibärchen ("Das reinste Gift für meinen Magen!") bot Anton seinem neuen Freund als Ersatz fürs Nackenbeißen an - und fuhr sich prompt dankende Absagen ein.

Es war schon etwas ganz Besonderes, was die Scholl-Schüler aus den Klassen 5 bis 9 da in Eigenregie (!) ihren Zuschauern am Dienstag und gestern bei der zweiten Aufführung in teilweise veränderter Besetzung boten. Sowohl mit der Auswahl ihres Stückes wie mit der amüsanten, liebenswerten Umsetzung bewiesen die Theater begeisterten Jugendlichen, die die derzeit aus schulischen Gründen ruhende Theater-Arbeit am Scholl in den vergangenen Monaten auf eigene Faust engagiert und couragiert am Leben erhielten, ein glückliches Händchen.

Mit Spielwitz und pfiffigen Ideen bereiteten die Schülerinnen und Schüler ihren Gästen, darunter Schulleiterin Antje Malycha, einen launigen, kurzweiligen Theaterabend, der die beiden ungleichen Freunde Anton und Rüdiger in allerlei pikanten, skurrilen Situationen sah. Ob's dabei ums Kaffeetrinken bei Antons Eltern oder um Gegenbesuche in der muffigen Gruft der vampirischen Adelssippe ging: Stets sahen sich Anton und Rüdiger in vergnüglicher Erklärungsnot. Zwischen Antons Heim, geschickt in Kinderzimmer und Wohnbereich der Eltern unterteilt, und Friedhof mit von Schlottersteinscher Gruft pendelte das Geschehen, das pfiffig an der bekannten Vorlage entlang streifte.

"Grabsteine" schufen gruselige Friedhofsatmosphäre. "Särge", in denen die von Schlotterstein den Tag verschliefen, warteten in der modrigen Gruft. Mit weiß geschminkten Gesichtern und schwarzem Flatterumhang wirbelten Rüdiger und die Seinen im "muffigen" Vampirskostüm über die Bühne. Enia Meyer verpasste dem kleinen Vampir vergnüglich vorwitzige, verschmitzte Charakterzüge. Als Anton lernte Jonathan Milischewski (Jenny Becker) mit geliehenem Umhang das Fliegen und schlug Vampirjäger Geiermeier, lustig und lebendig von Henri Humpert verkörpert, ein ums andere Mal ein Schnippchen. Annika Reiners brachte am Dienstag als Rüdigers kleine Schwester Anna zum Lachen. Als pubertierender Lumpi war Jonas Hansen (erkrankt Vanessa Raulin) im gefährlichsten Vampiralter. Melanie Jens und Lisa Viggiani kamen als Antons Vater und Mutter aus dem Staunen nicht heraus. Lara Schlootz entdeckte als Udo Antons Geheimnis. Einen guten Riecher hatte Johanna Berg als Vampiroma, die Menschenfleisch witterte.

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