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"Das war die beste Basis, die ich bekommen konnte"

Wahl-Amerikanerin Brigitte Therivel kehrt an "ihr" Scholl-Gymnasium zurück.

Foto: LN (Bunte)

LN v. 23.04.2008 - "Heute haben die Schüler Freude in die Schule zu gehen. Bei uns war das anders." Und doch: Wenn Brigitte Therivel an ihre Zeit am Geschwister-Scholl-Gymnasium zurückdenkt, fördert sie viele positive Erinnerungen zu Tage: an schöne Klassenfahrten und eine exzellente Klassengemeinschaft, an selbst beheizte Klassenzimmer und einen warmherzigen Klassenlehrer. 1956 machte die inzwischen 71-Jährige ihr Abitur am damaligen neusprachlichen Mädchengymnasium. Drei Jahre später wanderte sie in die USA aus - und kehrte jetzt mit einem besonderen Geburtstagsgeschenk für "ihre" Schule zurück.

In dieser Woche stattete Brigitte Therivel gemeinsam mit ihrem Ehemann William (80) und Schulfreundin Ellen Fastabend (71) "Scholl"-Schulleiterin Antje Malycha einen Besuch ab. Im Gepäck: das Abschiedsgeschenk des 1956-er Abijahrgangs für Lehrer Fritz Halfmann. 14 Mädchen waren es damals, die so liebe- wie mühevoll Fotos und Zeichnungen, Gedichte und Geschichten gesammelt und sie gemeinsam mit etlichen unausgesprochenen Erinnerungen an die Schulzeit zwischen zwei dicke Pappdeckel gepackt hatten. Der Inhalt, versprach Malycha, werde jetzt digital aufbereitet, im Jubiläumsjahr "150 Jahre GSG" an geeigneter Stelle präsentiert und das Werk im Archiv für die Nachwelt aufbewahrt.

Es ist weniger der Unterricht als das Miteinander, was Brigitte Therivel und Ellen Fastabend aus ihrer Gymnasialzeit in Erinnerung geblieben ist. Und es ist der Vergleich zwischen damals und heute, der sie im Gespräch mit der Rektorin immer wieder erstaunt. Denn: Während Malycha die Schülervertretung (SV) heute als wichtiges Element in der Schulorganisation bezeichnet, war das Mitspracherecht seinerzeit gar nicht so selbstverständlich. Als Schulsprecherinnen kämpften die Freundinnen einst dafür, den Schülerinnen eine Stimme zu verschaffen. "Mir war das irgendwann zu anstrengend", erzählt Brigitte Therivel von einer Zeit, in der "die Lehrer sehr autoritär waren und wir versucht haben, uns dagegen aufzulehnen".

Einzutreten für die Jugend - das hat die Wahl-Amerikanerin bis heute aber nicht aufgegeben. Ehrenamtlich ist sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, einem promovierten Psychologen, als Observer (Beobachter) für den größten US-amerikanischen Jugendverband "Boy Scouts of America" (BSA) in der Welt unterwegs. Die Grundlagen dafür, ist sie sich sicher, hat die studierte Dolmetscherin an "ihrem" Gymnasium erhalten. Brigitte Therivel: "Das war die beste Basis, die ich bekommen konnte."