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Unter dem Motto "Alles im Fluss"

Wunderbares Programm des MJO

WR v. 13.01.2008 - „Hätte das Trio wie angekündigt gespielt, wäre das Konzert im Kulturhaus nicht zustande gekommen." Ohne das Panufnik-Trio (Märkisches Stipendium für Musik 2007) und Beethovens „Tripelkonzert", dafür mit umso mehr Herzblut und überschäumender Spielfreude stellte sich das Märkische Jugendsinfonieorchester (MJO) am Samstagabend in der Scholl-Aula ein Zeugnis erster Güte aus.

Ein wundervolles Programm unter dem Motto „Alles im Fluss", das mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik" und Ottorino Respighis „Antiken Tänzen" anstelle des Tripelkonzerts verzauberte, kredenzten die jungen Musiker unter Leitung von Thomas Grote ihrem begeisterten Publikum. Passend zum Motto des Konzerts folgten sie Smetanas „Moldau" in ihrem Lauf und luden zur musikalischen Reise in die sinfonische Welt von Alexander K. Glazounow ein. Zum geänderten Programm und der Absage des Panufnik-Trios nahm Kreisdirektor Michael Rolland Stellung. Erst jetzt, bei der öffentlichen Bekanntgabe des Programms, sei die Übereinstimmung mit dem Sinfoniekonzert am 6. April im Kulturhaus, bei dem das Trio gleichfalls Beethovens Tripelkonzert - dann als Teil seines Konzertexamens - spielt, zutage getreten.  Hätte das Trio gespielt, wäre das Kulturhaus-Konzert nicht zustande gekommen. In Werdohl, wo das MJO gestern aufspielte, sei das Panufnik-Trio wieder dabei. Karten für Lüdenscheid besaßen auch in Werdohl Gültigkeit.

Reichlich entschädigt wurden die Zuhörer des gut besuchten Konzerts vom „Ersatz"-Programm, das die Streicher des MJO in kurzer Zeit einstudiert hatten. Mozart und Respighi: Da war Schwelgen erlaubt. Mit Hingabe und ansteckender Begeisterungsfähigkeit eroberte die kleine, feine Streicherbesetzung das Publikum im Sturm. Ausgesuchte Ohrwürmer brachten trotz des Handikaps mit dem Tripelkonzert im wahrsten Sinne des Wortes „Alles in Fluss". Aus jeder Faser der Serenade G-Dur KV 525, weithin bekannt als "Kleine Nachtmusik", sprach Mozarts heitere Galanterie und kompositorische Meisterschaft.  Alle Nuancen der anmutigen, populären Gelegenheitsmusik, beschwingtes Frohlocken und romantische Lautmalerei, erfasste das Streicherensemble mit sicherem Gespür. Ebenso famos gediehen Ottorino Respighis "Antike Tänze" (Antiche Danze ed Arie per liuto), in denen die Streicher unter Thomas Grotes meisterhaft gestaltender Hand alle Register spieltechnisch raffinierter Saitenkunst zogen.  Tosender, frenetischer Jubel spornte die jungen Musiker als Zugabe zu zauberhaften Pizzicato-Eskapaden mit Leroy Andersons "Plink, Plank, Plunk!" an. Berauschende Klangfülle breitete das große, 80-köpfige Orchester mit Smetanas Zyklus „Die Moldau" vor aller Ohren aus. Professionell und ausdrucksstark folgten die Märker dem Verlauf des großen Flusses, malten Jagdszenen, fröhlich lärmendes Treiben einer Bauernhochzeit, Landschaftsimpressionen und mystischen Nymphentanz in betörender Klangschönheit aus. Auch mit der Glazounow-Sinfonie - geboten wurde die 4. in Es-Dur op. 48 aus dem Jahr 1893 - gelang dem MJO ein großer Wurf. In drei Sätzen kosten die jungen Musiker alle Nuancen zwischen sachtem, zarten Pianospiel und wuchtigem, mächtigen Forte aus. Westliche Tradition und russische Folklore vereinte das zündend musikalisch und präzise dargebotene Werk. Quasi zum „Dessert" durften die Zuhörer noch einmal in „Die Moldau" hinein lauschen.