Zurück

Austausch mit Amiens 2008 - Berichte aus Frankreich

Das Leben in einer französischen Schule

von Tobias Ludwig, Cornelius Cardinal von Widdern

10 junge Lüdenscheider der beiden Staberger Gymnasien machten im Rahmen ihres Frankreichaustausches 10 Tage lang Erfahrungen mit dem französischen Schulsystem und erfuhren dabei die Unterschiede zwischen dem  Leben in einem deutschen Gymnasium und dem in einem französischen Lycée.

Auf den ersten Blick scheinen die unterschiedlichen Unterrichtszeiten der einzige groβe Unterschied zu sein, jedoch bemerkte ich die wirklichen Unterschiede erst nach einigen Unterrichtsbesuchen, nämlich das Miteinander zwischen Lehrern und Schülern: so ist es in französischen Schulen zum Beispiel nicht üblich sich zu melden, sodass die Schüler einfach drauf losreden, wenn sie etwas wissen. Darüber hinaus haben die Schüler tendenziell etwas weniger Respekt vor ihren Lehrern, wobei ich das nicht verallgemeinern möchte, da diese Beobachtung auf persönlichen Erfahrungen beruht, so kamen in unseren Unterrichtsbesuchen zum Beispiel viele Schüler zu spät zum Unterricht.

Auβerdem gibt es an unserer Partnerschule, dem Lycée La Hotoie, einen angeschlossenen Internatstrakt, welcher in einen Jungen- und einen Mädchenflur unterteilt ist, auf denen die Schüler in Zweier- und Einzelzimmern schlafen und einen kleinen Teil ihrer Freizeit verbringen. Für die Internatsschüler gibt es von 6 bis 9 Uhr abends eine verpflichtende Studienzeit, in der die Schüler ihre Hausaufgaben anfertigen und für die Arbeiten lernen. Anstelle von Studienzeiten können die Schüler auch diverse Sportangebote wahrnehmen, wie zum Beispiel Klettern an der hauseigenen Kletterwand, Handball, American Football und vieles mehr, wobei sie die Hausaufgaben und das Lernen anders organisieren müssen.

Ihr Essen bekommen die Schüler mittags und die Internatsschüler auch morgens und abends in der angeschlossenen Kantine, die täglich ein breites Angebot an Speisen anbietet.

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Schüler nicht einen eigenen Klassenraum haben, sondern dass es fachbezogene Räume gibt.

 

Das Leben in einer französischen Familie

Dank des Austausches mit Schülern des Lycées « la Hotoie » aus Amiens hatten wir die Chance, das Leben in einer französischen Familie und deren Alltag kennen zu lernen. Hierbei ist uns aufgefallen, dass es einige Unterschiede gibt.

Die Schüler können entweder in der Kantine essen oder für eine Stunde nach Hause gehen, um dort etwas zu sich zu nehmen.  Durch das andere Schulsystem verbringen die Schüler viel weniger Zeit zu Hause und es ist schwerer für sie, sich mit Freunden zu treffen und ihren anderen Aktivitäten nach zu gehen.

Während zu Hause beim Frühstück nur wenig und sehr süß gegessen wird, meist ein Glas Milch mit einem Stück Kuchen oder anderen süßen Sachen, ist das Abendessen sehr vielfältig zubereitet. Nach dem Hauptgang wird noch Brot oder Baguette mit verschiedenen Käsesorten angeboten. Um das Essen ausklingen zu lassen, gibt es zum Abschluss eine kleine Leckerei wie beispielsweise Jogurt, Kuchen oder Schokolade. Da am Abendessen die ganze Familie teilnimmt und auf jedes einzelne Mitglied gewartet wird, nehmen es die Franzosen im Vergleich zu unseren deutschen Familien etwas später ein.

Der Fernseher gehört zu den alltäglichen Gebrauchsgegenständen. Nach unserer Erfahrung läuft er immer, wenn jemand zu Hause ist, auch wenn niemand davor sitzt und die Sendung, die gerade läuft, sehen möchte. Es gibt einige Serien, die unseren sehr ähnlich sind. So gibt es beispielsweise „La nouvelle Star“ das dem deutschen DSDS verblüffend ähnlich ist und eine Sendung, die dem früheren Glücksrad gleicht.

Da man in den französischen Familien gezwungen ist, ausschließlich Französisch zu sprechen, wird nach einigen Tagen eine deutliche Verbesserung des Hörverständnisses und auch der Sprache deutlich.

Insgesamt war es sehr interessant und eine schöne Erfahrung am Leben einer  französischen Familie teilzunehmen. 

zurück zum Programm