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150 Jahre Scholl-Gymnasium: Festakt - Gar nicht steif und betulich

WR v. 06.05.08 Mit einem Festakt für geladene Gäste, für das aktuelle Kollegium, frühere Lehrer und mit Schülern der Klassen 11 und 12 hat am Mittwoch das Geschwister-Scholl-Gymnasium sein Jubiläumsjahr eröffnet.

Schulleiterin Antje Malycha begrüßte die zahlreichen Gäste (Foto: WR/Büdenbender)                Festredner Dr. Bernhard Bueb (Foto: WR/Büdenbender)

Gar nicht steif und betulich präsentierte sich die frühere Mädchenschule zum 150. Geburtstag. Dafür sorgten die eher locker gehaltenen Grußworte von Schulleiterin Antje Malycha und Bürgermeister Dieter Dzewas, ehedem selbst Schüler des benachbarten Zepp, noch mehr aber der Festredner in der großen Aula: Dr. Bernhard Bueb, über 30 Jahre Leiter des renommierten Internats Schloss Salem, warb kenntnisreich und humorvoll, an manchen Stellen auch provozierend für eine andere Schule, für andere pädagogische Ansätze. 

Lara Schlootz (Foto: WR/Büdenbender)„Auf dem Weg ins Mittelalter”

Was bei Pädagogen, bei Politikern aus Land und Stadt und sicherlich auch der früheren Schulleiterin Grete Schulze wohl auf hundertprozentige Zustimmung stieß, war in der Schülerschaft natürlich nicht unumstritten. „Strafe ist etwas Gutes, Furcht vor Strafe kann nützlich sein” – mit solchen Sätzen und dem Plädoyer für einen rigiden Alkohol- und Drogenverzicht punktet man nicht eben bei den 16- bis18-jährigen Gymnasiasten.

(Foto: WR/Büdenbender) (Foto: WR/Büdenbender) 

(Foto: WR/Büdenbender) (Foto: WR/Büdenbender)

(Foto: WR/Büdenbender) (Foto: WR/Büdenbender)

Doch Bueb hatte es mehr noch auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen abgesehen. Der Einzug von Fernsehen und Internet schon in die Kinderzimmer bringe den Verlust kindlicher Freiräume mit sich, den Orientierungsverlust duch grenzenlosen Materialismus, alltägliche Gewalt und sexuelle Beliebigkeit ohne jeden Gegenpol. Mit der Informationsgesellschaft befinde man sich „auf dem Weg ins Mittelalter”. Gegen die Selbstbedienungsmentalität („Ich! Alles! Sofort!”) setzt Bueb auf das Einhalten von Regeln und auf Disziplin. Echtes, unendlich wiederholbares Glück sei Ergebnis erfolgreicher Anstrengung.

 (Foto: WR/Büdenbender) (Foto: WR/Büdenbender)

Erzkonservativ wirkt sein Ansatz nur, wenn man ihn auf diese Aussagen reduziert. Doch Bueb will auf etwas ganz Anderes hinaus: Soziale Aufgaben, körperliche Herausforderungen, Theater, Musik und Handwerk sollten in die Schulen einziehen. Ganztagspädagogik, nicht Ganztagsschule solle zum Gemeinschaftserlebnis führen, bei dem die Lehrer ihre Schüler als wundervolle junge Menschen statt als „lernunwillige Kröten” kennen lernen könnten. Sein Wunsch zum „150.” am Scholl: „Wir müssen eine Grundsatzentscheidung treffen, Bildung und Erziehung höchste Priorität beizumessen!”, schloss er unter Applaus.

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