Zurück

Skifahrt der 10. Klassen nach Uderns

von Julia Bracht

Anreise - ein gefühlter 48-Stunden-Tag

20.30 Uhr vorm Geschwister-Scholl-Gymnasium. Ein Gewirr aus Koffern, Eltern, Schülern, Freunden, Lehrern und Betreuern. Nieselregen. Ein Doppelstockbus mit Anhänger.
Um 21.20 Uhr schaffen wir es tatsächlich, mit unserem Schiff Richtung Zillertal davon zu gleiten. Die tapfersten “Verabschieder” harren bis zum bitteren Ende aus und winken aus einem Meer von Schirmen, während im Bus bereits Hochstimmung herrscht. Da sind die Schwarzen-Polo-Shirts-10cler (“Wer bremst verliert”), die Pinken-H&M-Tops-10aler mit Hawaii-Ketten und Sombrerohüten (Reiseziel: Mallorca) und die neutralen 10bler, die sich alle zumeist noch klassengetreu gruppiert im Bus verteilt haben.
Doch nach einigen Stunden Fahrt versiegt allmählich auch bei den letzten der Elan, fast alle dösen mehr schlecht als recht auf ihren Kattwinkel-Plätzen, die wohl eher zum Sitzen als zum Schlafen gedacht sind. ;) Nach einer größtenteils durchwachten Nacht erreichen wir gegen 7.30 Uhr den Finsinger Hof in Uderns, der uns sogleich mit einem belebenden Frühstücksbuffet empfängt. Dann werden die Zimmer gesichtet, die allesamt sehr nett eingerichtet sind und teilweise eine atemberaubende Aussicht auf die Berge bieten, deren Silhouetten der Nebel peu à peu für uns enthüllt.
Nach einigem Hin und Her werden wir schließlich nachmittags gruppenweise abgeholt, um unsere Skiausrüstung auszuleihen. Der nächste Tag kann kommen!

Der erste richtige Tag - Sonntag

Um 6.30 Uhr klopft es an den Türen. “Aufstehen!” Allgemeiner Unmut wird wach, aber eine Stunde später sitzen dann doch alle mehr oder weniger lebendig beim Frühstück. Danach heißt es dann endlich zum ersten Mal: Auf den Berg! - Der erste Bus kommt um 8.10 Uhr. Mit Skiern, Stöcken und bis zur Unkenntlichkeit eingemummelten Schülern ist es in dem alten Mercedes-Skibus äußerst kuschelig, aber die 10 Minuten Fahrt sind zum Glück schnell vorbei.
Grüppchenweise katapultieren die Gondeln uns empor zur Zentralstation, wo wir später auch unser Mittagessen einnehmen werden. Die Gruppeneinteilung ist bereits fertig - von blutigen Anfängern, die erst einmal am Wandertag auf Skiern gestanden haben bis hin zu wahrhaftigen Profis, die seit sie laufen können Ski fahren, ist alles vertreten und es ist für jeden etwas dabei. Während die einen noch ihre ersten wackligen Versuche auf dem Idiotenhügel unternehmen, machen die anderen schon sämtliche schwarze Pisten unsicher.
Viel zu schnell vergeht der erste Tag im Hochzillertal und wir kehren zum Finsinger Hof zurück, wo uns nach dem Duschen ein Dreigänge-Menu erwartet - die einen klagen, die anderen essen stillschweigend und denken sich ihren Teil, aber alle werden dann doch (spätestens mit ein paar Tüten Chips) irgendwie satt.

Der zweite Tag - Montag

Das Prozedere vom Vortag wird erbarmungslos weitergeführt - klopfen, aufstehen, frühstücken und dann ab auf die Piste. Ein paar Gruppenumstellungen und Lehrerwechsel gibt es bereits, dann geht es wieder los.
Die Könner wagen bereits die berühmtberüchtigte Talabfahrt, deren erster Teil bis zur Mittelstation schwarz und deren zweiter Abschnitt rot ist, während die anderen sich blaue und teilweise bereits rote Pisten im Schneepflug hinunterkämpfen, aber bereits jetzt merkt man einen erheblichen Lernfortschritt!
Leider haben wir bereits heute ein paar Mitschüler zu beklagen, die die Höhenluft nicht allzu gut vertragen haben, aber im Großen und Ganzen sind wir alle noch sehr lebendig.
Schließlich ist heute die 10a mit der Abendgestaltung an der Reihe. Ein paar besonders fleißige Mitschüler haben auf einem großen Tuch eine Abwandlung von “Mensch-ärgere-dich-nicht” mit Aktionsfeldern und bitterbösen Aufgaben wie Kakao-Pulver- oder Gurken-Wettessen, Gummibärchen-Tauchen in Mehl oder Äpfel-Tauchen in Wasser, Schokolade-von-einer-Klobürste-ablutschen und dergleichen entwickelt. Hier solidarisieren sich noch ein letztes Mal die einzelnen Klassen - 10a, 10b, 10c und Lehrer & Betreuer treten gegeneinander an. Nach einigen Bauchschmerzen fördernden Lachkrämpfen und ekelerregenden Aussichten steht der Gewinner fest: Die 10c!
Damit endet ein amüsanter Abend für die einen, die tatsächlich um 22 Uhr todmüde einschlafen, während die anderen noch mit Energydrinks den Tag bis halb vier Uhr morgens verlängern…

Der dritte Tag - Dienstag

Nachdem die ersten beiden Tage noch stahlblauen Himmel und eine wunderschöne Wintersonne für uns bereit gehalten hatten, verdecken heute Wolken und Nebel die Berge, aber dennoch wird es wieder ein lehrreicher, schöner Tag.
Bereits jetzt schaffen wir Anfänger es, die Skier ein wenig aus dem Schneepflug in die Parallelsetzung zu bringen mit Spielchen wie “Kajakfahren”, “den-Hund-im-Grab-zeigen”, “Päckchen-Packen” und einigen weiteren mehr oder weniger intelligent und anmutig wirkenden Techniken.
Allerdings ist heute die Fahrtzeit ein wenig verkürzt, weil der dritte Tag laut Statistik der unfallreichste ist. Wir konnten diese wohl zumindest am heutigen Tage etwas anheben, denn alle blieben unversehrt…
Der bunte Abend der 10b ist ein absoluter Clou. Er steht ganz im Zeichen von “Das Model und der Freak” und ist aufgebaut wie eine kleine Castingshow für unsere lieben Lehrer, in der Herr Wolff und Frau Müller einen heißen ABC-Flirt im Skilift erleben, Herr Schmidt und Herr Porozzi ihre Neigungen zueinander entdecken und Herr Haferberger und Frau Schulte ihr Talent im Eier-Rücken-an-Rücken-Wettlauf unter Beweis stellen. Da schmerzten die Bauchmuskeln echt höllisch!

Der vierte Tag - Mittwoch

Wieder wird wenig geschlafen und viel gelernt, nachdem die Gruppen teilweise neu aufgeteilt wurden in langsam lernende Anfänger, die noch mal spezielle Bremsschulung erhalten und die Pisten etwas langsamer hinunter gleiten, fortgeschrittene Anfänger, die sich bereits an die erste schwarze Piste heranwagen, sowie viele weitere Fortgeschrittenengruppen, deren Leute jedoch zum Teil auch den Anfängern Gesellschaft leisten und die Betreuer und Lehrer beim “Lumpensammeln” unterstützen.
Es liegen bereits Welten zwischen den ersten wackligen Anfängen vom Sonntag und den inzwischen teilweise recht gekonnt wirkenden Bögen, mit denen wir uns in wachsender Geschwindigkeit die Berge hinunterschlängeln.
Abends steht schließlich noch der Karaoke-Abend der 10c mit allseits bekannten Hits wie “Joanna”, “Heidi”, “Erdbeben” und vielen mehr an. Wer den Battle verloren hat, muss ähnlich fiese Aufgaben wie an den Abenden zuvor ausführen. Nachdem Gregor und Herr Porozzi ein paar Pseudo-Breakdance-Moves hingelegt hatten, musste unser Freddy No.2 uns erstmal außer Programm seine Fähigkeiten unter Beweis stellen - wohl ein Highlight dieses Abends, wie später einige verlauten ließen. ;)

Der fünfte Tag - Donnerstag

Für die einen war es ein schöner Tag wie jeder andere, für die anderen war er schmerzhaft und verhängnisreich. Ob wohl jemals ein Jahrgang ohne Verletzungen auskommen wird? Wir sollten es jedenfalls nicht sein: Janica und Dennis haben sich erstmal eingipsen lassen.
Das Wetter ist wie in den vergangenen Tagen auch schon recht bescheiden - wolkenverhangen und mit einer mondgleichen Sonne, die tapfer dagegen ankämpft, uns ein paar wärmende Strahlen zu schicken.

Der sechste Tag - Freitag

Die Sonne ist endlich wieder da, um uns einen gebührenden Abschied zu bescheren. Ein stahlblauer Himmel und glitzernder Schnee versüßen uns den letzten Fahrtag. Während die einen sich an der Kristallhütte in Liegestühlen fläzen, sausen die anderen noch einmal ganz “piano” (wie Herr Wolff es gern ausdrückte) sämtliche blaue, rote und schwarze Pisten hinunter - und einige der blutigen Anfänger schaffen zum krönenden Abschluss sogar die Talabfahrt.
Nur einer hatte nicht ganz so viel Glück: Dario hat sich am letzten Tag noch die Schulter ausgekugelt.
Nach einer kurzen Besprechung um 20 Uhr bleiben einige von uns noch in dem kanariengelben Gemeinschaftsraum sitzen und gucken in kleinen Grüppchen Fußball, massieren sich gegenseitig, singen und lassen den Abend friedlich ausklingen.

Abreise

Morgens werden wir sogar noch eine Stunde früher als gewöhnlich aus den Betten geworfen. Im Halbschlaf vertilgen wir unser Frühstück und dann heißt es auch schon Abschied nehmen vom Finsinger Hof und dem Zillertal. Um 7.30 Uhr ist Abfahrt und Ankunft zugleich - eine neue Gruppe löst uns bereits ab.
Die Rückfahrt verlief insgesamt sehr angenehm und wurde für die meisten durch eine 40-minütige Pause bei McDonalds aufgehellt. Eine Stunde bevor wir Lüdenscheid erreichen beginnen einige Lieder wie “Donnerbalken”, “Humba” und dergleichen anzustimmen, sodass die Stimmung noch einmal so richtig aufgeheizt wird. Um 17.30 Uhr endet schließlich eine wunderschöne, ereignisreiche, witzige, lehrreiche und rundum gelungene Klassenfahrt!