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Unterricht im OP für Bio-Leistungskurs-Schüler

Abiturienten der Staberger Gymnasien erleben Alltag in der Chirurgie. Operationen sind interessant und sorgen bei einigen für einen flauen Magen.

LN v. 03.04.09 - Mit einer besonderen Lehrveranstaltung rundeten die Schüler und Schülerinnen des Biologie-Leistungskurses des 13. Jahrgangs der Staberger Gymnasien ihre Schullaufbahn nach zwei Jahren theoretischen Unterrichts ab: In Zusammenarbeit mir Lehrer Michael Haferberger organisierten Ärzte des Krankenhauses Hellersen eine Projektreihe zum Thema Darmkrebs, in der die baldigen Abiturienten neben einem Theorieteil aus drei Vorträgen auch den Alltag eines Arztes im Krankenhaus selbst mitverfolgen durften.Foto: LN


So konnten sie bei Operationen hautnah im OP zuschauen und selbst moderne chirurgische Hilfsmittel wie die Endoskope an Versuchsobjekten - hier mussten Mülleimer herhalten - ausprobieren. Die Operierenden Dr. Güngör, Prof. Dr. Kelm und Kollegen erläuterten dabei die teils komplexen Vorgänge und begleiteten die Besucher.

Am Mittwoch stand um 8 Uhr als erstes ein Leistenbruch auf dem Programm. Die letzte Sechsergruppe Schüler kommt an. Keine Zeit verlieren, schnell sterile Kleidung und Mundschutz angelegt und ab in den OP, wo der narkotisierte Patient bereits liegt. Dr. Kathrin Güngör setzt die ersten Schnitte und erteilt einen gut gemeinten Ratschlag: Wem etwas flau im Magen wird, der solle sich besser auf den Boden setzen, dann werde das Bewusstloswerden nicht ganz so unsanft. Auf den Monitoren verfolgen die jungen Leute die Arbeitsschritte: Nach dem Freilegen wichtiger Partien von Fettgewebe werden Netze zur Stabilisation eingesetzt. Niemand kippt um, trotzdem ist man doch etwas erleichtert, zur Frühstückspause aus dem OP zu kommen.

Ohne Umwege geht es weiter zur zweiten Operation. Wieder raus aus der Alltagskleidung und neue Einweg-Klamotten übergeworfen. Dr. Sven Schröder wird ein entzündliches Stück Darm entfernen. Er wünscht sich einen Titel von "Ich + Ich" als Begleitmusik, die Assistentin legt die CD ein, dann macht er sich ans Werk. Einige Schnitte, Kamera und Werkzeuge einführen - diesmal kennen die Schüler die Prozedur bereits. Dieser längeren OP wohnen sie nicht bis zum Ende bei, können aber selbst den abgetrennten Teil des Darms untersuchen.

Nach knapp fünf Stunden völlig neuer, interessanter, aber auch nicht immer appetitlicher Eindrücke entlassen die Ärzte die Staberger aus der Klinik mit besten Wünschen für das Abitur.

Was für die Chirurgen Routine ist, ist für die Schüler natürlich alles andere als alltäglich. "Makaber" fand das Ganze etwa Oliver Kalb: Lockeren Smalltalk im OP hatte er nicht erwartet. "Da wurde über Autos geredet, während sie in der Frau 'herumbrutzeln'", brachte er seine Eindrücke während der Entfernung eines Darmpolypen, einer Vorstufe eines Tumors auf den Punkt. Viele sahen so etwas natürlich zum ersten Mal; da verwundert es kaum, dass, so interessant das Gezeigte auch gewesen sein mag, nicht jeder Magen mitspielte: Einige traten lieber vorzeitig vor die Tür und ersparten sich weitere Eindrücke.

Insgesamt fanden die Schüler das Projekt sehr gelungen, für viele bot es ganz neue Erfahrungen und man sah, wo das im Biounterricht Gelernte praktische Anwendung findet. Sowohl die Schule als auch das Krankenhaus hoffen, so etwas auch für zukünftige Jahrgänge anbieten zu können. (Foto: LN)

  

"Teuflisch geniale" Tumorzellen

Besondere Projektwoche des Bio-Leistungskurses der Staberger Gymnasien im Rahmen der Internationalen Darmkrebswoche. Ärzte halten drei Vorträge vor Abiturienten.

LN v. 03.04.09 - Eine Behandlung wegen Krebs - das war weit weg für die Schüler des Bio-Leistungskurses des Geschwister-Scholl- und des Zeppelin-Gymnasiums in Lüdenscheid. Bei den Vorträgen, die Mediziner aus dem Klinikum Hellersen vor den Staberger Abiturienten hielten, rückte das Thema aber schlagartig in den Blickpunkt der jungen Leute. Professor Dr. Gerhard Heil ging auf die Frage ein, ob Vererbung als Ursache von Darmkrebs eine Rolle spiele. Sein Beispiel: ein Patient, der sich gerade im Klinikum Hellersen befindet. Diagnose: Darmkrebs. Alter: 22 Jahre.

Gerade um die körpereigenen Schutzmechanismen und deren Versagen bei einer Krebserkrankung drehte sich Heils Vortrag, den die Chirurgische Klinik in Hellersen für den Biologie-LK von Michael Haferberger vermittelt hatte. Wie Tumorzellen diese Schutzmechanismen umgehen, rang Heil einen gewissen Respekt ab: "Man muss leider sagen: genial, teuflisch genial." Lehrer Haferberger nahm diese besondere Projektwoche im Rahmen der Internationalen Darmkrebswoche zum Anlass, die Schülerinnen und Schüler aufzurufen, sich selbst über Vorsorgeuntersuchungen Gedanken zu machen und ihre Eltern auf das Thema anzusprechen.

Über Medizin und Ethik diskutierten die Staberger Schüler mit Dr. Kathrin Güngör. Dabei nannte die Oberärztin Beispiele aus Großbritannien, wo viel mehr am Erbgutträger DNA manipuliert werde als in Deutschland. Professor Dr. Christopher Kelm beschloss die Vortragsreihe mit einem Referat über die Behandlung von Tumoren. (Foto: LN)