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Dem Krebs auf der Spur

Staberg-Schüler informieren sich in ihrer Freizeit über Darmkrebs. Ärzte aus Hellersen referieren zum Thema. Ein praktischer Teil kommt auch noch

LN v. 11.03.10 - Den Schulstoff auch noch in der Freizeit vorgesetzt bekommen? So mancher Schüler hätte dem Lehrer da sicher den Vogel gezeigt. Nicht so die beiden Biologie-Leistungskurse der Jahrgangsstufe 13 vom Staberg. Drei Nachmittage nahmen sie sich die Zeit und lauschten in der Schule und im Klinikum Hellersen Fachvorträgen zum Thema Darmkrebs.

"Dabei können sie ideal das wiederholen, was wir im Unterricht durchgenommen haben", freut sich Scholl-Biolehrer Michael Haferberger. Und Dr. Kathrin Güngör, Oberärztin der Abteilung für Visceralchirurgie, stimmt zu: "Ich bin völlig begeistert, dass die hier alle brav sitzen und sich etwas anhören, das eine hohe Konzentration erfordert." Siehilt den Vortrag am Dienstag, nachdem am Tag zuvor Prof. Gerhard Heil über die Krebs-Entstehung referierte.

Der gestrige Nachmittag mit den Schülern gehörte Prof. Dr. Christopher Kelm, der über die Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs sprach. Und der Stoff, mit dem er die nur drei Wochen vor der Abitur-Phase stehenden Schüler konfrontierte, hatte es absolut in sich und setzte viel Vorwissen voraus. Ein Fachbegriff jagte dennächsten, Abkürzungen schwirren durch den Raum und der Außenstehende versteht erst einmal nicht viel. Langsam wird aber klar: Hier geht es darum, bei welchem Patienten welche Untersuchung gemacht wird, um den Darmkrebs entweder zu erkennen oder bestenfalls zu verhindern. Zudem stellt Prof. Kelm verschiedene Operationsmethoden vor.

Mittlerweile hat sich Darmkrebs auf den zweiten Platz der tödlichen Krebsarten geschoben, wie Michael Haferberger sagt. Daher hofft er, mit diesen drei Theorieblöcken gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Einerseits wiederholen die Schüler den Abi-Stoff und die Brücke zwischen schulischer Theorie und praktischem Alltag wird geschlagen, andererseits sollen sie aber auch für die Krankheit sensibilisiert werden, denn: "Darmkrebs kann in den meisten Fällen durch Prophylaxe, sprich: eine vorbeugende Darmspiegelung oder Gen-Tests, verhindrt werden", so Haferberger. Dennoch gibt es jährlich etwa 37 000 Neuerkrankungen, wobei ein Unterschied besteht zwischen den "spontanen" und den genetisch bedingten Erkrankungen. Ab Montag sehen die Schüler dann live in Gruppen, was die Ärzte bei Operationen oder Darmspiegelungen machen.

 

Am 16.03.2010 berichtet der WDR in der "Lokalzeit Südwestfalen" über das Projekt. Hier finden Sie den Filmbeitrag.

Zaungäste im OP-Saal

Bio-Kurse vom Staberg schauen Chirurgen am Klinikum bei lebensrettenden Krebs-Operationen über die Schulter. Schüler finden es "sehr interessant"

LN v. 19.03.10 - Eigentlich ist hier alles wie im Fernsehen, aber dennoch ist es ganz anders, denn: Dies ist real. Die Geräte piepen im Takt des Herzschlages des schwerkranken Patienten und echte Ärzte und Schwestern stehen hochkonzentriert und gebeugt am Operationstisch. Dieses Tagesgeschäft erleben in diesen Tagen Schüler der Biologie-Leistungskurse der Jahrgangsstufen 13 an Scholl und Zepp am Klinikum Lüdenscheid. Nach zwei theoretischen Blöcken zum Thema Darmkrebs erlebten die Schüler nun die Praxis: chirurgische Eingriffe zur Entfernung von Krebs-Tumoren. yourzz.fm begleitet eine Gruppe einen Vormittag lang.

 

Betreut werden die Schüler, die in wenigen Wochen in die Abitur-Phase einsteigen, von Prof. Christopher Kelm und Dr. Kathrin Güngör.

Für Eike Zurnieden und Hans Hoffmeister, beide 19 Jahre alt, ist es keine neue Erfahrung, jetzt im OP zu stehen und die Organe des Patienten zu sehen. Beide wollen auch Medizin studieren und Chirurgen werden, weshalb sie zuvor schon Praktika im Klinikum machten und erste Erfahrungen sammelten: "Der Chirurg ist eher der Mechaniker, und der menschliche Körper ist ja schon wie ein Motor, nur nicht so stabil", sagt Eike mit einem Lächeln. Während er dies erzählt, entfernen die Ärzte gerade einen Tumor beim Patienten. Der hat vom Darm aus auf die Leber gestreut. "Die Operation sollte das Leben des Patienten ein Stück weit verlängern", erklärt Prof. Kelm mitten in der OP. Bereitwillig erläutert er den Schülern das Vorgehen der Ärzte, während er selbst operiert - ohne dabei aber die Konzentration zu vernachlässigen.

Wenige Operationssäle weiter schauen Jan Röhrbein, Robin Orthey und Jakob Semmler den Spezialisten dabei zu, wie diese einen Tumor entfernen, der sich vom Dünndarm aus auf die Bauchspeicheldrüse ausgebreitet hat. Eine zeitaufwändige Angelegenheit, bei der die Patientin eine mehrstündige Operation über sich ergehen lassen muss. Neben einem Stück der Bauchspeicheldrüse wird auch ein Abschnitt des Darms entfernt, so dass die Organe letztlich an den Schnittstellen wieder aneinander genäht werden müssen.

Als "sehr interessant" beschreibt Robin Orthey das, was sich da vor seinen Augen abspielt. Selbstverständlich dürfen die "Zuschauer" nicht in den sterilen Bereich, sondern schauen, auf einem Trittbrett stehend, auf den Operationstisch.

Von Ekel oder Angst ist bei keinem der Schüler eine Spur, obwohl für so manchen der Anblick von Blut und realer Organe sicher nicht so leicht zu verdauen wäre. "Man gewöhnt sich ziemlich schnell daran", meint Marcel Beaupain beispielsweise.