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Leichtsinn kann tödlich sein

Informationsveranstaltung der Gruppe Leitender Notärzte MK-Süd und des Interessen-verbands für Unfallverletzte (IVU) zur Prävention von Verkehrsunfällen

WR v. 20.03.2010 - „Das Auto prallt auf. Dein Körper wird, jetzt durch die Fliehkräfte zentnerschwer, nach vorne geschleudert. Gelenke und Unterarme brechen wie Strohhalme. Dein Kopf kracht gegen die Scheibe. Zum Schreien bleibt keine Zeit. Durch den Schock bleibt Dein Herz stehen” – die letzten Sekunden im Leben eines Unfallopfers erlebten gestern rund 350 Gymnasiasten mit.

Glücklicherweise nur in Form eines Textes, durch Berichte und Fotos. Bedrückende, teils schockierende Bilder sollten die jungen Menschen zum (Auto)Fahren mit Verstand, Umsicht und Rücksichtnahme sensibilisieren. Die Leitenden Notärzte im Märkischen Kreis um Dr. Frank Mewes und Dr. Rommel Jadaan gestalteten dazu einen wirklich berührenden Vormittag mit weiteren Kollegen, die tagtäglich als Helfer Not und Elend auf den heimischen Straßen begegnen.

Nicht nur weit weg in anderen Bundesländern, auch in unmittelbarer Nähe sterben junge Menschen auf dem Weg von oder zu einer Party, auf dem Weg nach Hause bei Unfällen. Naivität, Leichtsinn, das alles womöglich gepaart mit einem Schuss Rücksichtslosigkeit sind zumeist Auslöser. Fehler beim Linksabbiegen sowie Wendemanöver bilden dabei, zumindest im Märkischen Kreis, die Hauptunfallursachen.

Die junge Mutter, die sich nicht anschnallte, beim Aufprall aus dem Wagen geschleudert wurde und im Straßengraben starb; der unaufmerksame Rollerfahrer, der unter einen ordnungsgemäß fahrenden Lastwagen geriet – sie alle könnten jetzt noch glücklich und zufrieden in ihren Familien leben.

Vorausschauend unterwegs sein

Nur wer sich über Gefahren im Klaren ist, kann auch etwas verändern. Wer dagegen glaubt, nach einem Joint oder einer feuchtfröhlichen Sause besonders cool hinterm Steuer zu sitzen, der braucht sich nicht zu wundern, wenn es kracht. Wer dagegen den Satz beherzigt „Immer so schnell in eine Kurve fahren, dass noch rechtzeitig vor einem stehenden Lastwagen angehalten werden kann”, der ist auf der sicheren Seite. Und wird wohl nie aus eigenem Verschulden einen Rettungsdienst oder die Polizei brauchen, deren Mitglieder über Erfahrungen und Eindrücke berichteten – vom eingehenden Notruf über die ersten lebensrettenden Maßnahmen oder das Bangen von Angehörigen, wenn der Sohn oder die Tochter bis zum Morgen noch nicht von der Fete nach Hause gekommen ist.

„Sagt nie, 'das kann mir nicht passieren'. Eure Eltern und später Eure Partner wollen Euch noch lange haben”, mahnte zum Abschluss Dr. Mewes seine mucksmäuschenstillen Zuhörer, stets konzentriert und rücksichtsvoll, aber durchaus auch vorausschauend zu fahren. Denn oft ist es nicht der eigene, sondern der Fehler eines anderen, der in die Katastophe führt...

 

Raserei kann tödlich enden

2. Jugendforum "Traffic Deadline"

WR v. 18.03.2010 - Mit ihrem 2. Jugendforum „Traffic Deadline” rund ums Thema Verkehrsunfälle geht die Gruppe Leitender Notärzte MK-Süd zusammen mit dem Interessenverband für Unfallverletzte (IVU) jetzt erstmals in eine Lüdenscheider Schule.

Dazu im WR-Gespräch: Notfallmediziner Dr. Frank Mewes, einer der Initiatoren der Aktion.

Ihr erstes Jugendforum hat im Dezember 2009 in den Räumen der Lüdenscheider Feuerwehr stattgefunden (die WR berichtete). Hat es etwas gebracht?

Frank Mewes: Leider war die Resonanz der Schüler zwischen 16 und 25, die wir mit unserer Aktion ansprechen wollen, damals eher spärlich. Die Einladungen der 16- bis 25-Jährigen über Schulen und Fahrschulen haben diese Zielgruppe wohl nicht genug angesprochen. Schon während der ersten Veranstaltung waren wir darauf gekommen, dass so ein Forum direkt in den Schulen mehr Sinn macht. Dabei haben wir Gymnasien wie auch Berufskollegs im Auge. Andererseits haben uns auch einige E-Mails von interessierten Schülern erreicht – diese positive Resonanz motiviert uns natürlich schon, weiterzumachen.

Wo und wann genau geht es mit dem Forum weiter?

Wir werden am 19. März in die Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums kommen und dort Schüler sowie Lehrkräfte der Klassen 12 und 13 beider Staberger Gymnasien im Publikum haben – mit Sicherheit, denn die Veranstaltung läuft im Rahmen des Unterrichts. Weitere Termine sind dann für Oktober 2010 und in den Folgejahren jeweils im Frühjahr und im Herbst geplant, wiederum an Schulen. In einer Sitzung des Märkischen Kreises wurde jetzt auch eine vergleichbare Veranstaltungsreihe für den Nordkreis angedacht.

Was erwartet die jugendlichen Besucher?

Die Organisatoren und Referenten des Forums sind seit vielen Jahren aktiv im Polizei- und Rettungsdienst tätig oder als Opfer von Unfällen Leidtragende eines oft fahrlässigen Fahrverhaltens gerade jugendlicher Fahranfänger. Letzteren wollen wir unter anderem mit emotionalen Worten und Bildern einmal mehr zeigen, welche Gefahren der Straßenverkehr birgt.

Sind die Unfallzahlen in der Region tatsächlich so dramatisch?

Tödliche Verkehrsunfälle gibt es im Märkischen Kreis zum Glück inzwischen recht wenige. Das spricht, meine ich, für die Präventionspolitik der Polizei. Überhaupt haben sich die „Verkehrsunfälle mit Personenschaden” in der letzten Zeit insgesamt verringert. Zu bedenken bleibt, dass die Unfallhäufigkeit bei den 18- bis 24-Jährigen weiterhin im Vergleich zu anderen Altersgruppen recht hoch ist – und natürlich jeder einzelne Unfall eine Katastrophe für die Betroffenen und deren Familien ist. Unser Jugendforum kann dazu beitragen, dass sich die Zahl schwerer Verkehrsunfälle weiter reduziert und das Bewusstsein für rücksichtsvolles Fahren gestärkt wird.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Ablauf der Veranstaltung.