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Ein Lehrstück für Ehemänner                                                            Fotoalbum

Literaturkurs vom Staberg zeigte "Von Zicken und Machos" frei nach Shakespeare - Komödie mit viel Wortwitz

WR v. 02.07.2011 - "Eigensinn töt' ich mit Eigensinn. Mit ihren eigenen Waffen schlag ich sie." Derber noch als derb zwingt Edelmann Petruchio in Shakespeares Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung", am Mittwochabend in der Scholl-Aula in einer Fassung von Heiko Postma ("Kratzbürstendressur") und weiterer Bearbeitung durch den 12er Literaturkurs von Katrin Achenbach-Nassauer unter dem Titel "Von Zicken und Machos - ein gutes Lehrstück für Ehemänner?!" zu sehen, die zänkische Katharina in die Knie. Gibt sie sich zickig, kehrt er den Macho heraus. Widersetzt sie sich seinen Anordnungen, muss sie darben. Zu guter Letzt hält sie den Mond für die Sonne und einen alten Mann für ein junges Mädchen, weil Petruchio es so will. "Friede, Liebe, Glück und ein angenehmes Leben", weiß der Macho, bringt eine solche Ehe hervor.

Die häufig vernachlässigte Rahmenhandlung der Komödie um den betrunkenen Kesselflicker Christopher Sly (orientalisches Märchenmotiv) bezogen die 33 Staberger, die eine temporeiche Fassung der unverwüstlichen Komödie lieferten, am Mittwoch in ihre Version vom ewigen Kampf der Geschlechter ein. Als vermeintlicher Lord erlebte der Trunkenbold mit, wie aus der kratzbürstigen Käthe ein sanftes Käthchen wurde. Eine Schauspieltruppe, vom Fleck weg zur Unterhaltung des Kesselflickers engagiert, schlüpfte in die dankbaren Rollen des Stücks. Mit lustigem Gebärdenspiel und amüsanten Einwürfen begleitete Sly (Marius Marstedt), mit dem ein echter Lord sein böses Spielchen trieb, den Spielbetrieb. Steter Quell der Heiterkeit war Slys adelige "Gattin", unter deren mächtigen Rundungen ein junger Mann steckte. Shakespeare erfahren zeigte sich die Schauspielertruppe, die auf Wunsch des Lords die Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" aufführte.

Spitzzüngiger noch als beim Schluss von "Viel Lärm um nichts", mit dem sich die Schauspieler einführten, ging es bei Käthe und ihrem Petruchio zu. Als Käthe unter der Haube war, durfte die heiß umschwärmte Bianca - jüngere Tochter des reichen Baptista - endlich ans Heiraten denken. Trefflich waren die Hauptrollen des Stücks mit Arne Löber als Macho Petruchio und Laura Segger als kratzbürstiger Käthe besetzt. Am Dienstag, bei der Permiere des Stücks, machte ihre Zwillingsschwester Marie der Kratzbürste alle Ehre. Angelina Schneider mimte die scheinbar so sanfte Bianca. Jan Niclas Bläring zog als Lucentio mit ihrer Liebe das scheinbar große Los. Nah am Text arbeiteten die jungen Akteure, die amüsant und schlagfertig auftrumpften. Den Wortwitz und die Situationskomik der Komödie brachten sie spielfreudig auf den Punkt.