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"Es gibt zu wenig Organe"

Dr. Christoph Mohler klärt Schüler der Staberg-Gymnasien über Organspende auf

LN v. 13.01.2012 - „Vor zwölf Jahren wurde ein Freund von mir quasi über Nacht zum Dialysepatienten. Neuneinhalb Jahre lang musste er alle drei Tage zur Blutwäsche.
Er wartete jeden Tag auf einen Anruf von Eurotransplant. Jetzt lebt er seit zwei Jahren
mit einer neuen Niere.“ Die Schüler der Jahrgänge elf und zwölf der Staberg-Gymnasien
folgten den Worten von Erdkunde- und Biologielehrer Michael Haferberger aufmerksam, als dieser in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums einen Vortrag zum Thema Organspende einleitete.

Dann machte er die Bühne frei für Dr. Christoph Mohler. Seit 13 Jahren behandelt der
Internist und Nierenarzt Dialysepatienten in Lüdenscheid. Dadurch hat er viel mit Transplantationspatienten zu tun. „Insgesamt 12 000 Menschen stehen derzeit in
Deutschland auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Jährlich werden etwa 5 000
Transplantationen vorgenommen. Es gibt einfach zu wenig Spenderorgane“, sprach Mohler klare Worte.

Das Problem liege für ihn im deutschen Transplantationsgesetz. Danach ist jeder erst
einmal kein Spender. Erst sein Einverständnis erlaubt es, anderen Menschen seine
Organe einzupflanzen. „In Österreich ist das anders. Da gilt das Widerspruchsverfahren.
Das bedeutet, jeder ist Spender. Wenn er es nicht will, muss er einer Entnahme
widersprechen“, weiß Mohler.

Aber auch in Deutschland stehe eine Veränderung an. „Bei Behörden und anderen
Anlaufstellen sollen die Menschen zukünftig informiert und mit einem Organspendeausweis ausgestattet werden. Es soll einfach mehr auf die Leute zugegangen werden“, erklärte Mohler. Das sei auch Ziel seines Vortrages im Geschwister-Scholl-Gymnasium.

In Zusammenarbeit mit Lehrer Michael Haferberger vom Geschwister-Scholl-Gymnasium und Monika Scharmeyer, Biologie- und Chemielehrerin am Zeppelin- Gymnasium, klärte der Internist zum dritten Mal in Folge über das sensible Thema Organspende auf.
Neben der geschichtlichen Entwicklung stand auch der Ablauf einer Organspende
auf dem Plan. „Da läuft ein richtiger Countdown. Die Beteiligten dürfen nie aus den
Augen verlieren, wie lange ein Organ außerhalb des Körpers überlebensfähig ist“, berichtete Mohler. Zunächst müsse der Tod des Spenders festgestellt werden. Das sei
dann der Fall, wenn alle Gehirnfunktionen vollständig ausfallen. Nachdem klar sei, welche Organe nach dem Willen des Verstorbenen gespendet werden dürfen, wird der Spender gründlich untersucht und die Daten in die Niederlande, zur Zentrale von Eurotransplant übersandt. Die 1967 ins Leben gerufene gemeinnützige Stiftung sucht die Organspender
und -empfänger aus. Dabei gelten strenge medizinische Kriterien. Ansehen, sozialer
Status oder Geldbeutel der Betroffenen spielen dabei keine Rolle. Das Auswahlverfahren
läuft über eine Computerdatenbank. Seit der Gründung hat die Stiftung über 137 249 Spenderorgane vermittelt.

Die Entscheidung für die Organspende ist eine individuelle. Jeder muss das für sich wissen“, weiß Mohler. In diesem Zusammenhang klärte er die Schüler darüber auf,
dass es im Organspendeausweis mehrere Auswahlmöglichkeiten gebe. „Jeder kann
bestimmen, ob er spenden will und was.“

Mit Organen anderen helfen

Die Schüler Maurice und Verena wollen Spender werden

LN v. 13.01.2012 - Die Schüler Maurice und Verena – beide 18 Jahre alt – haben sich bereits vor dem Vortrag über das Thema Organspende Gedanken gemacht. Maurice ist entschlossen Organe zu spenden und somit anderen Menschen zu helfen. Er kann nicht verstehen, warum man sich dagegen entscheiden sollte. Denn: „Man braucht die Organe
nach dem Tod gar nicht mehr. Mit der Spende kann ich das Leben anderer retten. Wenn man anderen hilft, ist das das Beste, was man machen kann“, findet der Schüler.

Verena teilt die Meinung ihres Kameraden. Auch für sie ist es selbstverständlich, ihre Organe zu spenden. Allerdings würde sie gerne ihre Augen behalten. Deshalb begrüßt sie die Auswahl auf dem Organspendeausweis, die es den potentiellen Spendern ermöglicht, selbst zu entscheiden, welche Organe sie spenden möchten und welche nicht.

Auf die Frage, ob ihnen die beiden Info-Stunden in der Aula des Geschwister-Scholl-
Gymnasiums weitergeholfen haben, sind sich beide einig: „Der Vortrag war sehr informativ.“ Maurice erklärt, dass ihn die Veranstaltung in seinem Entschluss bestärkt
habe. Verena, die bereits mehrfach Blut gespendet hat, findet insbesondere für den
Teil über den Ablauf einer Organspende lobende Worte. „Das war wirklich sehr interessant. Gerade das mit Eurotransplant.“

Die 18-Jährige sieht gerade in der jetzigen Zeit die Notwendigkeit, Organe zu spenden. „Es gibt so viele Menschen, die Organe dringend benötigen, doch lange auf diese warten müssen. Für einige kommt es dann viel zu spät“.