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Theater mit Freiräumen für Fantasie              Hier geht es zum Fotoalbum.

Literaturkurse der Jgst. 11 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zeigen Ibsens 'Peer Gynt'

LN v. 04.07.13 - Das Wagnis ist geglückt: Mit einer hinreißenden Aufführung von 'Peer Gynt' nach Ibsen haben die Literaturkurse der Jahrgangsstufe 11 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ihr Publikum in der Aula der Schule vollends überzeugt.

Reduziertes Bühnenbild, ruhiges Lichtdesign, behutsame Kostümierung und beherrschter jugendlicher Elan wurden zu einer überzeugenden Inszenierung vereint. Ein Verdienst des Regie-Duos Dusil-Achenbach, das zudem die Rolle des Peer Gynt in Anlehnung an die Stationen des Dramas mit sechs Darstellern besetzte. Herausragend aus dieser trefflich besetzten Reihe: Caroline, die mit zwingendem Spiel für feine Momente sorgte.

Nach der Veröffentlichung seines Buches in Norwegen mit herber Kritik eingedeckt, ging Ibsen in die Offensive: "Mein Buch ist Poesie, und ist es keine, dann soll es Poesie werden." In der Inszenierung der Literaturkurse des Scholl-Gymnasiums ist dem in dieser Gegenrede enthaltenen Grundanliegen Rechnung getragen. Hinzu kommt, dass formal wie inhaltlich die Kategorie des Fantastischen den Stoff gliedert und die in der Inszenierung geschaffenen Freiräume für die Fantasie der Zuschauer dies verstärkt.

Peer Gynt, Ibsens Typus des negativen Helden, des Fantasten und Illusionisten, konnte so mit Entscheidungen in Richtung "weniger ist mehr" klar herausgearbeitet werden. Dies zeigte sich auch in den einzelnen Szenen in einer Beschränkung der Requisiten auf das notwendige Maß. Die Fantasie der Zuschauer musste bildliche Lücken eröffneter Fantasien selbst erschließen. Letztlich eine trickreich eingeführte Frage nach der eigenen Identität des Betrachters.

Köstlich umgesetzt: Die eingangs fesselnde Schilderung Peer Gynts von der Bocksjagd und der Aufschrei der Mutter "du lügst". Ebenso eindrücklich gestaltete sich der Schluss, da Solveig Peer Gynt verzeiht und sein Angesicht in ihren Schoß birgt. Weitere Szenen lebten von der Beweglichkeit der Darsteller, ihrem Mut, eine relativ entleerte Bühne für sich zu beanspruchen und zu füllen, aber auch der behutsamen Regie, die das Tempo zu variieren wusste und drosselnd hoch poetischen Stellen zur Geltung verhalf.

Erleichtert standen die mehr als dreißig Darsteller am Ende gemeinsam auf der Bühne und nahmen den Applaus des Publikums entgegen.

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