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Ein spannender Schnuppertag im Ehrenamt            

Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums besuchen das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk und weitere Lüdenscheider Einrichtungen

LN v. 04.06.14 - Wenn gerade im kommunalen Bereich die finanziellen Mittel knapper werden, gewinnt das Ehrenamt immer mehr an Bedeutung. Doch welche Möglichkeiten gibt es eigentlich, uneigennützig etwas für die Mitmenschen zu tun? Der Ehrenamtstag des Geschwister-Scholl-Gymnasiums bot den Schülern verschiedene Möglichkeiten, darauf eine Antwort zu finden. Die Sechstklässler konnten für einen halben Tag eine von acht Einrichtungen besuchen, in denen ehrenamtliche Arbeit möglich ist.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tätigkeit beim Deutschen Roten Kreuz (DRK)? Nach einer Führung durch das Gebäude an der Hochstraße zeigte Fahrdienstleiter Helmut Wehberg den Jugendlichen einige der Krankentransportfahrzeuge, die unter anderem für Menschen mit Behinderungen eingesetzt werden. Dabei konnten die Gäste vom Scholl auch einmal selbst Hand anlegen: Unter anderem stellten Jette und Marisa fest, dass es gar nicht so einfach ist, eine Krankentrage fachgerecht ins Fahrzeug zu befördern, wobei sich im Normalfall auch noch eine menschliche Traglast von bis zu 270 Kilo auf der Trage befinden kann.

Auch beim "Technischen Hilfswerk" konnten die Scholl-Schüler Eindrücke sammeln. Nachdem sich die Jugendlichen hier zunächst einen Film angeschaut hatten, ging es nach draußen, um die Einsatzfahrzeuge und deren üppigen Inhalt zu begutachten. Schüler Jannis bekam darüber hinaus die Möglichkeit, einen Greifzug zu betätigen, mit dem unter Zuhilfenahme eines Hebels ein tonnenschwerer Lastwagen von der Stelle bewegt werden kann. War das schwer? "Nö", meinte Jannis. Nach der Mittagspause konnten sich mutige GSG-Schüler außerdem mittels eines Rollgliss - einem Rettungs- und Abseilgerät - gut gesichert in luftige Höhen ziehen lassen.

Bevor es bei der Feuerwehr am Dukatenweg zur Besichtigung verschiedener Einsatzfahrzeuge ging, nahmen die Schüler bei einem Rundgang durch das Gebäude unter anderem die Leiststelle in Augenschein, in der 24 Stunden lang Notrufe eingehen können. All jene, die einfach mal aus Spaß die Rufnummer 112 anrufen wollen, warnte der stellvertretende Dienststellenleiter Jens Schultze nachdrücklich. "Wir können hier auch unterdrückte Telefonnummern sehen und Handys genau orten", stellte Schultze klar. Feuerwehrmann Sven Dunkel zeigte den Jugendlichen nicht nur die zahlreichen Einsatzfahrzeuge für Kranken- und Rettungstransporte sowie Löscheinsätze, sondern stellte auch die teilweise martialisch anmutenden Werkzeuge der Feuerwehrleute vor. So durften einige der Schüler versuchen, einen Spreizer zur Rettung von Opfern von Unfällen oder Bränden kurz anheben. Gar nicht so einfach, denn das Gerät wiegt satte 20 Kilo!

Im Rathaus beim Bürgermeister mussten die GSG-Schüler dagegen nicht schwer heben, sondern konnten dem Verwaltungschef sowie den ehrenamtlichen Ratsmitgliedern Susanne Mewes (CDU), Jens Holzrichter (FDP), Jens Voß (SPD) und Otto Bodenheimer (Bündnis 90/Die Grünen) im kleinen Ratssaal Fragen stellen. Ebenfalls Rede und Antwort stand Wolfgang Löhn (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit). Die Politiker stellten klar, dass der ehrenamtliche kommunalpolitische Einsatz durchaus 18 bis 20 Stunden in der Woche in Anspruch nehmen kann - natürlich neben dem normalen Beruf. "Deshalb ist es gar nicht so einfach, für die ehrenamtliche Tätigkeit im Stadtrat auch Freiwillige zu finden", betonte Jens Holzrichter. Momente, in denen jedoch Projekte wie zum Beispiel das neue Jugendzentrum im "Knast" aus einem parteiübergreifenden Engagement heraus entstehe, seien eine gute Entschädigung für die Arbeit.

Jene Schüler, die sich für einen Besuch des Hauses Elisabeth unter der Trägerschaft der Caritas entschieden hatten, stellten so genannte Tastwände für Menschen her, die an Demenz erkrankt sind. "Auf ihnen sind Gegenstände des täglichen Lebens und Arbeitens befestigt, an die sich die betreffenden Personen unter Umständen erinnern können, wenn sie sie berühren", erklärt Renate Ondrej vom Sozialen Dienst, die die Jugendlichen gemeinsam mit ihrer Kollegin Tanja Oberste-Höhfeld betreute. Die beiden Schülerinnen Anna Lotta und Johanna hatten zwei Tastbretter für die Seniorin Mathilde hergestellt, die diese sogleich benutzte und sich bei den Schülerinnen für die Arbeit bedankte.

Drei weitere attraktive Orte, wo ehrenamtliche Tätigkeiten möglich sind, rundeten das Angebot für die GSG-Schüler ab: Auf dem Geländes des Schlosses Neuenhof legten die Jugendlichen eine Streuobstwiese an, die für ein Bienenvolk als "Weidefläche" aufbereitet wurde. Diese Aktion war nur ein Auftakt für weitere Aktvitäten, denn die Schüler können in den kommenden Wochen "ihr" Bienenvolk mit Unterstützung eines Imkers weiter pflegen.

Im Johanniter Stift Oeneking knüpften die Jugendlichen dagegen frei Kontakte mit den Senioren, mit denen sie Spiele spielten oder ihnen je nach Interessenlage der älteren Menschen auch etwas vorlasen.

Eine letzte Möglichkeit, in ehrenamtliche Arbeit hineinzuschnuppern, bot sich in der Cafeteria des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Auch hier waren Jugendliche im Einsatz und bereiteten Muffins und andere Leckereien selbst zu. Die Erlöse aus dem Verkauf an diesem Tag kommen den Schülern selbst zugute, und zwar in Form von Snacks am Freitag, 6. Juni, wenn ab 10.15 Uhr die Übertragung der Veranstaltung "Deutscher Schulpreis" in der GSG-Aula stattfindet, an dem auch Schüler des Scholl teilnahmen. Insgesamt bot der Ehrenamtstag die Möglichkeit, sich intensiv mit einem Ehrenamt auseinanderzusetzen und zu erleben, wie befriedigend es sein kann, sich für andere einzusetzen.