Zurück

"Bilder waren interessant, aber schockierend"

9. Jugendforum zur Prävention von Verkehrsunfällen am Staberg: "Traffic Deadline - Der Tod auf dem Weg nach Hause"

 

LN v. 30.09.13 - "Traffic Deadline - Der Tod auf dem Weg nach Hause": Beim neunten Jugendforum zur Prävention von Verkehrsunfällen berichteten jetzt Rettungskräfte über ihre Arbeit, über die Momente des Grauens und über die Bilder, die sich nach ihren Einsätzen manchmal über Jahre in ihren Köpfen verankern. Retter und Opfer appellierten die Führerscheinneulinge und -bewerber zur Rücksicht im Straßenverkehr, berichteten über Ursachen und Folgen von Verkehrsunfällen - und zeigten auf, dass durch unangepasste Geschwindigkeit Schicksale geschrieben werden können.

Die verschiedenen Einsatzkräfte stellten ihre Aufgabenbereiche vor, Unfallopfer schilderten ihre Eindrücke und ihre Leiden, Notfallseelsorger berichteten über ihre Aufgaben bei einem Einsatz. Vier Stunden lang verfolgen die Schüler ab Klasse 11 des Schulzentrums Staberg in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums gepannt die Beiträge. Mit Hilfe von Bildern und Videos, aber vor allem mit der Emotionalität der Worte wurde den Teilnehmern dargestellt, dass es auch für die Helfer von Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei oder Notfallseelsorge kein Alltag ist, schwerverletzte Menschen bei Unfällen medizinisch zu versorgen, sie zu betreuen oder ihnen sogar beim Sterben zusehen zu müssen. Noch persönlicher waren die Schilderungen von Unfallopfern, die die Folgen schwerer Unfälle darstellten.

 

Weiteres Thema waren die Schwierigkeiten mit Behörden, Gericht und Versicherungen, Aspekte, die das Leben von Unfallopfern maßgeblich verändern können - neben allen Schmerzen und seelischen Verletzungen.

"Die Hintergründe folgenschwerer Unfälle können vielfältig sein", so Dr. Frank Mewes, "Übermüdung, Alkohol, Naivität, Leichtsinn oder Rücksichtslosigkeit seien schlechte Beifahrer - gerade junge Fahrer im Alter von 17 bis 24 Jahren würden besonders häufig mit Unfällen konfrontiert." Er wies auch auf das Video von Kaya Yanar hin "Prüfen, Rufen, Drücken" des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Rettungsorganisationen, das unter www.einlebenretten.de einsehbar ist.

"Die Emotionen in den Berichten, Filmen und Bildern haben uns sehr betroffen gemacht", schilderte Bianca. Die 19-jährige Schülerin hat zwar noch keinen Führerschein, aber schon mal ein Fahrtraining mitgemacht. Die Vorträge hätten sich in ihrem Kopf verankert -und sie habe sich vorgenommen, stets angepasst zu fahren. "Diese Veranstaltung hat mir viel gebracht. Dass Fehlverhalten im Straßenverkehr so heftige Ausmaße nach sich ziehen kann, hätte ich nie bedacht. Ich habe höchsten Respekt vor den betroffenen Unfallopfern, die uns ihre Erfahrungen geschildert haben. Die Bilder waren interessant, aber schockierend. Gelernt haben wir vor allem, dass es im Straßenverkehr ein Miteinander geben muss - und kein Gegeneinander geben darf."

 

Dem Interessenverband für Unfallverletzte und die Gruppe Leitender Notärzte des Märkischen Kreises, unterstützt vom Netzwerk Verkehrssicherheit im Märkischen Kreis, ist es gelungen, junge Fahrer auf Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen, ohne dabei mit Statistiken oder drohendem Zeigefinger zur Vorsicht zu mahnen.

Erklärtes Ziel von 'Traffic Deadline' ist die Senkung der Unfallzahlen im Märksichen Kreis. Interessierte Schulen können sich bei Dr. med. Frank Mewes unter der Telefonnummer 02351/39994 bewerben.