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"Lasst das Kaufen sein, steckt die Sachen ein"                Fotoalbum

Literaturkurs setzt in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Dario Fos Farce "Bezahlt wird nicht" um

 

LN v. 12.06.15 - Jugendlicher Elan, bemerkenswerte Darsteller und eine sinnvolle Bearbeitung des Stückes haben Dario Fos Komödie "Bezahlt wird nicht!" in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zum Erfolg verholfen. Bestritten wurde diese Inszenierung vom Literaturkurs Q1. Kein schlechter Zug war da den Regisseurinnen Katrin Achenbach-Nassauer und Daria Dusil-Aulehla eingefallen, als es um die Umbesetzung des im Original Fünfpersonenstückes ging. Da wurden Rollen doppelt und dreifach besetzt, das Spiel kurzerhand eingefroren, und bei offener Bühne fand der Wechsel statt. Mehrere Statisten kamen hinzu, verdichteten bisweilen die Szenen.

Plakativ war bereits der Eingang in die Aula gehalten. "Bürger lasst das Kaufen sein, steckt die Sachen einfach ein" hieß es und auch "Bezahlt wird nicht", "Wir zahlen nichts". Ein kleiner, aber feiner Verweis auf Mittel des Brecht'schen Volkstheaters. Die Vorbühne wurde für Geschehen im Freien verwandt, auf der Hauptbühne blickte das Publikum in die Wohnung des gegensätzlichen Paares Antonia und Giovanni.

Mit Bedacht war die Farce Fos fein ausgewogen zwischen abstruser Komödie und gesellschaftskritischer Rhetorik und politischer Parole aufgezogen. "Die Anständigen sind wir, Leute, die sich ständig abrackern", lautete da die Überzeugung der vier Hauptfiguren Antonia, Giovanni und Margherita, Luigi. Im Umfeld aber kam es zu Plünderungen im Supermarkt, einem Aufstand der Arbeiter in der Mensa und einem gleich gelagerten Protest der Pendler gegen die Bahn. Preiserhöungen. Ein Kuddelmuddel entstand, da Antonia und Margherita sich im Supermarkt "bedienten" und Margherita Lebensmittel unter dem Pullover versteckte. Eine "Scheinschwangerschaft", die das groteske Geschehen erst so richtig beflügelte.

Die Diskussionen um Ehrlichkeit, Gewaltlosigkeit wie auch Vertrauen in Politik und Gewerkschaften oder einfach Aufstand wider das Kapital waren begleitet von bitterer Analyse der Wirklichkeit im Italien der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Auch diese Dispute und Erklärungen eigener politischer Auffassung bewältigten die Darsteller ohne Spannungsverlust. Eine starke Leistung. Weit mehr als dreißig Mitwirkende haben ein gesellschaftskritisches Stück revitalisierter Commedia dell'arte unterhaltsam umgesetzt.