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"Jeder ist besonders"    

Geschwister-Scholl-Gymnasium: Schulleiterin Antje Malycha geht in den Ruhestand

LN v. 18.06.15 - Gütesiegel und G8, Integration von Hochbegabten und Inklusionskindern, 150-Jahr-Feier und Großprojekt Staberg-Pausenhalle, Sprungbrett ins Leben und, als Krönung, der Deutsche Schulpreis 2014: All das und vieles mehr war Teil ihres Lebens. Sie hat begleitet, Vorgaben umgesetzt, Freiräume gnadenlos genutzt. Aber was war wirklich wichtig im Schulleben von Antje Malycha? "Die Menschen", sagt sie, "nicht die Meriten." Und: "Die dankbare Aufgabe liegt darin, das Beste aus ihnen herauszuholen."

Nach fast 40 Jahren im Dienst der Kinder, Eltern, Lehrer und des Kultusministeriums NRW endet am Geschwister-Scholl-Gymnasium die Ära Malycha. Heute ist Verabschiedung. Den Ruhestand erwartet sie gelassen. Veränderungen findet sie spannend. Ende Juli wird sie zum zweiten Mal Oma. Inliner, Fahrrad und bald wieder die Schlittschuhe warten. Endlich mehr Zeit für ihren Mann, fürs Reisen, für Museumsbesuche und viel Kultur - das klingt gut.

1999 hat die 63-Jährige die Schulleiterstelle am "Scholl" übernommen. Ihr Credo all die Jahre: Kinder "zu leistungsbereiten, ganz charakterstarken Menschen zu machen, die Freude an der Verantwortung für die Gemeinschaft haben". Dafür hat sie alle Register gezogen, war beharrlich und bestimmt, fordernd und verbindlich, hat nie Bürokratie als Entschuldigung für mangelndes Engagement gelten lassen. Und sie hat ihre Erfahrung eingebracht. Die gründet auf der eigenen Freude am Lernen, auf Organisationstalent und tiefe Einblicke in Verwaltung, auf Neugier bezüglich der Motivation des Gegenübers auf langem Atem und dauerndem Ansporn: "Ich bin nie zufrieden." Gerne hätte sie noch den hinteren Schulhof umgestaltet. Das bleibt dem oder der Neuen überlassen. Das Schulleben geht weiter. "Ich sehe, dass wir andere Kompetenzen brauchen, ich spüre, dass meine Zeit abgelaufen ist." Noch gebe es keine Kandidaten. Aber: "Uns ist nicht bang", sagt sie mit Blick auf "ein sehr gut eingespieltes Team".

Heute ist die Mutter zweier Kinder in Kierspe verwurzelt. Der Weg dorthin begann im norddeutschen Stade, wo sie als jüngstes von vier Kindern geboren wurde. Die Familie lebte da, wohin's den Vater als Nato-Offizier verschlug, ob ins Allgäu oder nach Ostfriesland. Sport war ihr Ding, im Unterricht war sie je nach Temperament und Können ihrer Lehrer unterfordert oder hervorragend. Die Nachwehen der unruhigen 68er-Jahre entließen die junge Abiturientin in eine Universitätslandschaft im Umbruch. Sie begann mit Psychologie und Pädagogik in Marburg, doch erwies sich Antje Malycha als zielstrebig und ehrgeizig für die etwas chaotische "rote Uni", wie sie sich erinnert. Auf Marburg folgte Aachen, aus dem Berufsziel Kinderdiagnostik wurde Lehramt.

Das schulische Wohl von Kindern liegt ihr am Herzen, das seelische, körperliche aber auch. Trennen lässt sich das nicht. Auch aus dieser Erfahrung heraus agierte sie konsequent und übernahm vor fünf Jahren den Vorsitz bei Miki, dem Förderverein des Märkischen Kinderschutzzentrums. Weitere ehrenamtliche Aufgaben kann sie sich gut vorstellen. Aber sie freut sich vor allem auf mehr Normalität, darauf, einfach mal einkaufen zu gehen, zum Beispiel: "Ich habe überhaupt nicht das Bedürfnis, meine Zeit zu verplanen." Mit etwas wissenschaftlicher Arbeit vielleicht.

Bei aller Aufgabenfülle blieb sie vor allem eines mit großer Leidenschaft: Lehrerin. Unterrichtet - Englisch, Pädagogik - hat sie gerne: "Die Klasse war der einzige Raum, die ich vollends kontrollieren konnte." Ein lauer Job sie das nicht, stellt sie fest. Aber als stressig habe sie ihren Beruf auch nicht empfunden. "Das allerwichtigste ist, das Kind dahinter zu sehen. Jeder ist besonders", ist ihre Überzeugung, die sie ein Schulleben lang gelebt hat. Dass sie tatsächlich jedes Kind sieht, erstaunt manche Eltern noch heute: "Sie kennt jeden Schüler mit Namen." Wie das geht? "Das stimmt gar nicht", lächelt Antje Malycha. Und teilt ihr Geheimnis am Ende doch: "Ich verbinde mit jedem Kind etwas Positives. Das prägt sich ein."

Einen Bericht und Fotos von der Verabschiedung finden Sie hier.