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"Wir stehen erst am Anfang"

Tayfun (ZGL) und Dilara (GSG) sind neue Start-Stipendiaten

LN v. 04.11.14 (Alijah) -Erstmalige besondere Auszeichnung für Lüdenscheider Schüler im Doppelpack: Tayfun vom Zeppelin-Gymnasium sowie Dilara vom Geschwister-Scholl-Gymnasium wurden in das Start-Stipendienprogramm aufgenommen, das besonders engagierte Schüler mit Migrationshintergrund finanziell und ideell fördert und die Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.

Sie wurden mit 41 weiteren Schülern aus 650 Mitbewerbern aus NRW ausgewählt und in Düsseldorf in feierlichem Rahmen von der NRW-Ministerin für Schule und Weiterbildung, Sylvia Löhrmann, sowie Integrationsminister Guntram Schneider begrüßt.

"Das ist etwas ganz Besonderes. Bewerbungen hat es immer wieder gegeben, aber zum ersten Mal sind Schüler aus Lüdenscheid ausgewählt worden, und dann direkt zwei", freuten sich die Schulleiterinnen der Gymnasien, Antje Malycha und Melanie Blümel.

Malycha nahm gemeinsam mit Stufenleiter Thomas Miebach am Festakt der Aufnahmezeremonie in Düsseldorf teil. Die Lehrer haben eins mitgenommen: "Dass wir letztlich am Anfang der Migrationsförderung stehen und sensibler in der Förderung werden müssen", so Malycha, denn die zwei 15-Jährigen haben sich das alles allein mit Disziplin, Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen erarbeitet.

Die beiden haben viel gemeinsam: sie sind 15 Jahre alt, besuchen die 10. Klassen, haben sehr gute schulische Leistungen aufzuweisen, engagieren sich an der Schule als Sporthelfer, betreuen Jüngere als Lernberater und sind in ihrer Freizeit im Handballverein aktiv.

Dilara, die sich auch politisch bei den Jusos engagiert, berichtete von Schwierigkeiten sich weiter zu entwickeln. In der begabten Schülerin, die mehrmals zur Klassensprecherin gewählt wurde, steckt Potential. Ihre Eltern sind beide türkischer Abstammung, ihr Vater kam im Alter von 19 Jahren nach Deutschland. Viel helfen können ihre Eltern im schulischen Bereich nicht.

Bei Tayfun sieht es ähnlich aus: Seine türkischen Eltern kamen nach Deutschland, lebten und arbeiteten hier. Seit zwei Jahren ist sein Vater krank und erwerbsunfähig. Tayfun trägt seitdem viel Verantwortung, hilft bei der Hausarbeit, bei der Pflege seines Vaters sowie seinem jüngeren Bruder bei den Hausaufgaben in allen Fächern. Wie er das bewältigt? Tayfun lacht: "Man schafft das, wenn man es will".

Doch nicht jeder bringe solche Willenskraft mit. Noch klaffe die Schere von Schülern mit und ohne Migrationshintergrund weit auseinander, berichtete Malycha. "Wir werden die Situation dieser zwei Schüler zum Anlass nehmen, deutlich stärker und früher Talente bei Migranten zu unterstützen".

Die Stipendiaten werden mit Laptop und Drucker ausgestattet, erhalten ein monatliches Bildungsgeld von 100 Euro, um Lernmaterialien anzuschaffen und Kultureinrichtungen besuchen zu können. Dazu werden sie in Seminaren und Workshops gefördert, ihre sozialen, kommunikativen und handlungsorienterten Kompetenzen zu erweitern und können sich mit anderen Stipendiaten austauschen.