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Krankenhaus statt Klassenzimmer

Einblicke in eine andere Welt: Schülerpraktikanten am Klinikum Lüdenscheid

LN v. 29.01.16 - Krankenhaus statt Klassenzimmer, weißer Kittel statt normaler Klamotten: Ziemlich aufgeregt waren die 18 Schülerinnen und Schüler der drei Lüdenscheider Gymnasien am ersten Tag ihres dreiwöchigen Praktikums im ärztlichen Dienst im Klinikum Lüdenscheid. Und viele Fragen schwirrten den Zehntklässlern im Kopf herum: "Was erwartet mich?" oder "Wie werde ich aufgenommen?"

"Aber dann verfliegt die anfängliche Unsicherheit ganz schnell und die Tage rennen nur so dahin", erzählt die 15-jährige Zoulikha, die in der Frauenklinik eingesetzt ist. Sie darf beispielsweise - das Einverständnis der Patientinnen vorausgesetzt - bei Ultraschall- und gynäkologischen Untersuchungen dabei sein und hat auch schon eine Menge gelernt: "Das schwarze Loch auf dem Ultraschallbld ist immer die Blase", sagt sie und freut sich, dass es ihr mittlerweile gelingt, viel mehr als nur undefinierbare "Flecken" zu erkennen. "Zoulikha ist sehr aufmerksam und interessiert, sie hat sich gut in unser ärztliches und pflegerisches Team der Ambulanz eingefügt", erzählt Ambulanzschwester Heike Wollkopf und erinnert sich an eine andere Schülerpraktikantin, die sie einige Jahre später - nun als Famulantin (erster Praxisteil im Medizinstudium) - in der Frauenklinik wieder traf. Für diese Studentin war das Praktikum ausschlaggebend für die Berufswahl.

Dr. Dieter Schnalke, ärztlicher Direktor des Klinikums und Organisator des Schülerpraktikumsprojektes, kann dies nur allzu gut nachvollziehen: "Wir wollen die jungen Leute begeistern für den schönsten Beruf der Welt", sagt er lächelnd und dann etwas ernster: "Das Praktikum ist ein Baustein bei der Entscheidung, was man mit seinem Abitur anfangen will. Und die hier gesammelten Erfahrungen können genauso gut zur Erkenntnis führen, dass man besser etwas ganz anderes lernen und studieren möchte. Und dann ist es auch gut so."

Soni ist in der Augenklinik eingesetzt und betrachtet ihr Praktikum eben als solchen Test: "Man muss ja erst einmal wissen, ob man stark genug dafür ist, jeden Tag mit Krankheiten umzugehen und ob man überhaupt Blut sehen kann."

So hat sich Johann auch für die "unblutige" Variante entschieden. Sein Interesse an Physik führte ihn in die Strahlentherapie, wo er von Ärzten und medizinisch-technischen Radiologieassistenten viel über die bildgebenden Verfahren wie CT oder MRT erfährt - und wie mit einer gezielten Strahlendosis die schlechten Zellen von Tumoren vernichtet werden.

Felix hingegen fühlt sich in der Klinik für Unfallchirurgie sehr wohl und hat sich dort an die Fersen der Ärzte geheftet: Er ist bei den morgendlichen Röntgenbesprechungen, bei Visiten und Gesprächen und sogar bei kleineren Eingriffen in der Ambulanz - stets unter Zustimmung der Patienten - dabei. "Es sind ganz schön viele neue Eindrücke, aber es macht total Spaß", erzählt Felix.

Pauline hat ihren beruflichen Weg bereits klar vor Augen: "Ich möchte Medizin studieren. Das Hineinschnuppern anlässlich des "Girls' Days" im Sportkrankenhaus und die Zeit hier im Klinikum haben mich überzeugt", erklärt sie. Pauline ist in der Zentralen Notaufnahme eingesetzt. Die Abläufe dort könne sie nun viel besser verstehen, versichert sie. "Es kommen täglich so viele Patienten und dann wurde mir schnell klar, wie es hier ablaufen muss: Notfälle haben immer Vorrang und Menschen mit weniger schlimmen Krankheiten müssen leider warten, das geht nicht anders."

Dieter Schnalke ist es ein Anliegen, den Schülerinnen und Schülern das Spannende am Arztberuf näher zu bringen, aber auch mit gängigen Klischees aufzuräumen: "Der Arzt ist kein Gott in Weiß und kein Einzelkämpfer. Wir arbeiten stets im Team und das auch immer über den Horizont der eigenen Fachrichtung hinaus - immer zum Wohle des Patienten."

Und wer hat bald wieder Lust auf Schule? Zoulikha jedenfalls schüttelt den Kopf. Sie würde lieber noch ein bisschen im netten Team der Frauenklinik weitermachen.

Dreiwöchiges Betriebspraktikum in der Einführungsphase

Informationen zum Schülerbetriebspraktikum
Das Schülerbetriebspraktikum findet in der Einführungsphase am Ende des 1. Halbjahres (Januar) statt und dauert drei Wochen. Es setzt die selbstständige Praktikumsplatzsuche durch die Schülerinnen und Schüler voraus.

Das Schülerbetriebspraktikum umfasst

  • eine Einführungsveranstaltung zu Informationen über Ziele, Organisation und Durchführung des Praktikums,
  • eine Einführung in das Praktikum in der Schule mit Besprechung organisatorischer Fragen und Anleitung zur Abfassung des Praktikumsberichts,
  • Betreuung und begleitende Gespräche der Betreuungslehrkräfte mit den Schülerinnen und Schülern in den Betrieben sowie
  • eine gemeinsame Auswertung des Praktikums in den Betreuungsgruppen.

Die anschließende Auswertung der Praktikumsberichte erfolgt durch die Betreuungslehrkräfte, die den Schülerinnen und Schülern eine Rückmeldung geben und für die weitere Beratung - z.B. bei Ferienpraktika -, zur Verfügung stehen.