Zurück

Lebensrettende Einsichten

Traffic Deadline: Viele Aktionen am Geschwister-Scholl-Gymnasium

LN v. 25.09.2015 - Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren sind bei einem Bevölkerungsanteil von nur 8 Prozent für knapp 20 Prozent aller schweren Verkehrsunfälle verantwortlich. Grund genug, diesen Zahlen mit einem Projekt zur Prävention von Verkehrsunfällen entgegenzuwirken. Die Veranstaltung 'Traffic Deadline - Der Tod auf dem Weg nach Hause" ist eine Gemeinschaftsaktion des Interessenverbandes für Unfallverletzte Lüdenscheid und der Gruppe Leitender Notärzte des Märkischen Kreises mit Unterstützung des Netzwerkes Verkehrssicherheit MK. Die Schüler des Lüdenscheider Geschwister-Scholl-Gymnasiums nahmen mit viel Interesse an der Veranstaltung teil.

Helfer von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und Notfallseelsorge berichteten von ihren Erfahrungen am Unfallort, gaben Einblicke in ihre Arbeit oder zeigten, wie Zeugen eines Unfalls vor Ankunft des Rettungswagens erste Hilfe leisten und damit Leben retten können. Zunächst berichteten die Referenten im Rahmen eines einführenden Blocks über ihre Arbeit. Die Moderation übernahm der Leitende Notarzt des Märkischen Kreises, Dr. Frank Mewes. Dabei erfuhren die Jugendlichen zum Beispiel von Polizist Timo Freiberg nicht nur, wie die Polizei einen Unfallort absichert, sondern auch, dass der junge Polizeibeamte ganz direkt vom Thema betroffen ist: Freibergs älterer Bruder kam bei einem Autounfall ums Leben.

Milo Crico vom Rettungsdienst der Märkischen Kreises berichtete über die zentralen Aufgaben der ersteintreffenden Rettungskräfte. Felix Kleve von der Feuerwehr Lüdenscheid erläuterte eindrucksvoll die technische Rettung durch die Feuerwehr anhand eines Unfalles auf der Talstraße und der Befreiung des Patienten aus seinem Fahrzeug mit schwerem Gerät.

Notfallseelsorger Ulrich Schreiber kümmert sich dagegen um die akute Unterstützung traumatisierter Unfallopfer und Zeugen, überbringt im Auftrag der Polizei Todesnachrichten und steht in diesem Zusammenhang auch den Angehörigen bei. Über seine Arbeit berichtete Ulrich Schreiber gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Joachim Festl auch im praktischen Teil der Veranstaltung, der sich in vier Stationen aufteilte. An diesen Stationen konnten die Jugendlichen zum Teil auch selbst aktiv werden und Dinge ausprobieren. "Wir als Notfallseelsorger wollen den Menschen das Gefühl geben, dass sie in der Not nicht alleine sind", konkretisierte Ulrich Schreiber seinen Vortrag vom Vormittag. "Wir sollen ein Stück des beschwerlichen Weges der Betroffenen mitgehen, können aber natürlich nur auf den ersten Metern dabei sein."

An der zweiten Station berichteten die Polizisten Timo Freiberg und Diana Riepe über ihre Arbeit am Unfallort. Viel wichtiger war es den beiden jedoch, die jungen Leute dafür zu sensibilisieren, welche verheerenden Folgen Alkohol am Steuer, aber auch andere Ablenkungen wie zum Beispiel die Bedienung des Handys haben können. So konnten die Jugendlichen unter anderem eine von den Beamten mitgebrachte Spezialbrille benutzen, die die Wahrnehmung eines Menschen simuliert, der 0,8 Promille im Blut hat. Ferner konnten einige der Schüler ins berühmte "Röhrchen" pusten.

Wie einfach, schnell und effektiv erste Hilfe geleistet werden kann, zeigten Pascal Hülle und Milo Crico von der Sanitätsschule Nord in der Turnhalle. Wer am Unfallort von der Mund-zu-Mund-Beatmung zurückschreckt, kann mit der Herzdruckmassage schnell helfen und Leben retten, bis die Rettungskräfte vor Ort sind. "Pro Minute, in der keine Druckmassage erfolgt, sinkt die Lebenserwartung eines Patienten, der nicht mehr atmet, im Schnitt um zehn Prozent", gab Milo Crico zu bedenken. Für den Ersthelfer gelten somit drei Dinge: Prüfen, ob der Patient ansprechbar ist, danach dessen Kopf nach hinten legen und hören, ob er noch atmet. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte unverzüglich mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Alle Jugendlichen konnten schließlich an einem Dummy selbst Hand anlegen.

Die vierte und letzte Station führte die Schüler hinter die Aula. Hier konnten sie, unter anderem mit Felix Kleve von der Feuerwehr Lüdenscheid und Rettungsassistent Marcel Krämer, einen Rettungswagen (RTW) der Feuerwehr Lüdenscheid besichtigen. Eine Schülerin ließ sich dabei sogar wie ein richtiges Unfallopfer auf der Krankentrage fixieren und stellte fest, dass der Patient in diesem Zustand tatsächlich völlig bewegungsunfähig ist.