Die Kindheit genommen

Holocaust-Zeitzeugen berichten vor Lüdenscheider Schülern über ihr Leben


LN v. 11.11.17 - Jemandem die Jugendjahre rauben - das gilt gemeinhin als grausige Vorstellung. Jene zwölf Holocaust-Zeitzeugen, die sich in diesen Tagen auch in Lüdenscheid und Umgebung aufhalten, müssen sich das nicht vorstellen. Sie haben das Grauen der NS-Diktatur am eigenen Leib gespürt, wuchsen im Ghetto auf, erlebten Todesangst, Verfolgung, Erniedrigung und völlige Rechtlosigkeit. "Man hat uns die Kindheit genommen", so formuliert es dann auch einer der Überlebenden.

Die Holocaust-Zeitzeugen - sie sind vor Jahren von Russland nach Israel ausgewandert - besuchen derzeit Deutschland, um von ihren Erlebnissen und Empfindungen zu erzählen. Die wesentliche Motivation für die Reise: Die beispiellosen Verbrechen der Nazi-Herrschaft sollen sich niemals wiederholen. Daher suchen die Gäste auch speziell das Gespräch mit Schülern. Sie gelten schließlich als die Zukunft Deutschlands.

Vor diesem Hintergrund standen für die Holocaust-Überlebenden gestern Auftritte vor Oberstufenschülern aller drei Lüdenscheider Gymnasien an - im kleinen Kreis in der Cafeteria des Zeppelin-Gymnasiums und in großer Runde in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Die Schüler hatten sich im Zuge des Geschichts-, Philosophie- und Religionsunterrichts auf die Begegnung vorbereitet.

Am Mittag trugen sich die Besucher bei einer Feierstunde in der Bücherei dann in das Goldene Buch der Stadt ein. Bürgermeister Dieter Dzewas hielt die Hauptrede. Seine Forderung: “Wir müssen auch in Lüdenscheid gegen das Vergessen arbeiten.”