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Schüleraustausch - Echange scolaire: Lüdenscheid - Amiens

(18.10.-27.10.2000)

von Anna Welzholz

 

Als wir, eine Gruppe von 18 Schülerinnen und Schülern sowohl des Zeppelin- als auch des Geschwister-Scholl-Gymnasiums am Morgen des 18. Oktober in den Bus stiegen, um uns auf den Weg nach Amiens zu machen, war der Bus von unserer freudigen Erwartung erfüllt. Diese verwandelte sich am späten Nachmittag allerdings in ein Gefühl der Unsicherheit gegenüber dem bevorstehenden Aufenthalt und dem ersten Zusammentreffen der Deutschen mit ihren französischen Austauschpartnern und insbesondere bei acht von uns im Internat untergebrachten Schülern, als sie sich mit den „strengen“ Regeln des Internats vertraut machen mussten. Nach einem freundlichem Empfang in der Kantine durch die französischen Deutschlehrer und den Direktor, M. Bif, konnten wir uns bald mit unseren Austauschpartnern persönlich bekannt machen und mit ihnen den Rest des Tages verbringen.

Bereits am darauffolgenden Morgen erzählten wir uns alle in der “salle verte“, dem „grünen Saal“, dem Gemeinschaftsraum der Schüler des “Lycée de la Hotoie“, welcher zu unserem täglichen Treffpunkt wurde, freudig von unseren ersten Erfahrungen mit den Familien und anderen Schülern und wie (gast)freundlich wir aufgenommen worden waren.

Nach dem täglichem Mittagessen in der Kantine der Schule fanden wir uns alle am Nachmittag in der Kathedrale “Notre-Dame“ zu Amiens wieder und erfuhren während der zweistündigen Führung viel über eine der bekanntesten Kirchen Frankreichs und die Gotik im Allgemeinen. Selbst der über 200 Meter lange Weg des auf dem Boden der Kirche dargestellten Labyrinths wurde tapfer von unserer Begleitperson Herrn Nyenhuis zurückgelegt.

Auch der Dom in Rouen, wohin uns unser Tagesausflug mit den Schülern unserer Partnerschule führte, bot eine Zeitreise durch die verschiedenen Epochen der Gotik, aber auch eine Zeitreise zurück ins Mittelalter, die durch die Führung durch die gut erhaltenen mittelalterlichen Straßen, Hinterhöfe und Gassen bis hin zum Richtplatz der Jeanne d’Arc unterstützt wurde. 

Für viele von uns endete der Tag vor dem ungewissen Wochenende in den Familien mit einer „Rutschpartie auf dem Eis“, nämlich beim Schlittschuhlaufen, oder sogar in der Disco, welches den Internatsschülern leider nicht vergönnt war, da sie sich bis spätestens  22 Uhr wieder auf ihren Zimmern eingefunden haben mussten. 

Im Gegensatz zu uns Lüdenscheider Jugendlichen haben einige der französischen Schülerinnen und Schüler Samstag morgens noch Unterricht. Daher nutzten wir die Zeit, in die Stadt und auf den Markt zu gehen, um dort eine Befragung zum Thema „Vereintes Europa“, im speziellen Hinblick auf Deutschland durchzuführen, welche einige von uns am Morgen vor unserer Rückkehr ausgewertet haben.

Danach erwartete uns ein ausschließlich französisches Wochenende in den Familien unserer Austauschpartner.

Wieder konnten wir am Montagmorgen, begeistert vom Wochenende, unsere Erlebnisse, u.a. von Ausflügen ans Meer, romantischen Sonnenuntergängen oder ausgedehnten Essen, austauschen.

Das Sprechen und Verstehen der französischen Sprache gelang uns immer besser und auch die Gemeinschaft innerhalb der Gruppe und mit den Franzosen verfestigte sich stetig.

Einer kurzen Besprechung unserer Gruppe mit den uns begleitenden Lehrern Frau Pullmann und Herrn Nyenhuis folgte ein erster Unterrichtsbesuch, der uns wieder an den Grund unseres Aufenthaltes erinnerte, nämlich den Schüleraustausch, bei dem wir schließlich auch das ausländische Schulsystem kennen lernen sollten, und dem noch weitere am Dienstag- und Donnerstagmorgen folgen sollten. Da die Gruppe der französischen Schüler genau so gemischt war wie die unsrige, reichte das Programm der Unterrichtsstunden von der “seconde“ bis zur “terminale“, welche der deutschen Oberstufe entsprechen, und von den Fächern Naturwissenschaften über Fremdsprachen bis hin zu Mathematik und Philosophie. Die Reaktionen von uns darauf waren sehr verschieden und sind daher schwer zusammenzufassen. Es sei nur erwähnt, dass es viele eindeutige Unterschiede zwischen der französischen und der deutschen Schulform gibt, die nicht nur auf den unterschiedlichen Sprachen basieren.

Dank des Einfallsreichtums und des Engagements der Organisatoren unserer Reise waren wir am Nachmittag in die Grundschule “Bapaume“ und den an diese angeschlossenen Kindergarten eingeladen. Dort erwarteten uns zwei Klassen aufgeregter Kinder zwischen acht und elf Jahren mit einer französischen Fassung des deutschen Märchens „Hänsel und Gretel“, Fragen zu uns und Deutschland, auch auf Englisch und Deutsch formuliert, gebastelten Geschenken und einem Büfett mit sehr originellen selbstgebackenen Kuchen. Wir bedankten uns im Gegenzug mit Siku-Autos und Informationsmaterial über Lüdenscheid. Die Kindergartenkinder waren etwas schüchterner, doch sangen sie uns bald zu unserer Begeisterung “Frère Jacques“, was wir mit einigen uns in Erinnerung gebliebenen deutschen Kinderliedern und natürlich der deutschen Fassung „Bruder Jakob“ beantworteten.

Die Besichtigung des restaurierten Kneipenviertels St. Leu und der Hortillonnages, den sogenannten „schwimmenden Gärten“ am Dienstagnachmittag, war zwar ein willkommener Abstecher in die Ruhe und Schönheit der Natur, aber leider von ungemütlichem Wetter begleitet.

Dieses hielt auch am Mittwoch, bei unserem zweiten Städteausflug, diesmal nach Paris, an, was die Hauptstadt vielleicht ein wenig grau, aber nicht weniger schön erscheinen ließ. 

Vom Gare du Nord aus bewegten wir uns, vorbei am kleinsten Hotel von Paris, mit nur einem Zimmer, in Richtung “Ile de la Cité“ und “Notre-Dame“, woraufhin wir, nach einem kurzen Blick hinein, immer begleitet von den Worten und „Insider-Tipps“ unseres kundigen Stadtführers Herrn Nyenhuis, weiter vorbei am Justizpalast, entlang der Seine, über die “Place de Dauphine“ bis hin zum “Louvre“. Von dort aus weiter durch den Tuilleriengarten zum Obelisken, und über die “Champs Elysées“ schlendernd zum “Arc de Triomphe“. Den Fußmarsch unterbrachen wir hier durch eine kurze Fahrt mit der Métro. Unser Stadtrundgang endete schließlich mit dem Seufzer „Ah, da ist ja der Eiffelturm“ und dessen Aufstieg. Als Tagesabschluss durften “Sacré Coeur“ und das berühmte Malerviertel “Montmartre“ selbstverständlich nicht fehlen. Dort bewunderten wir sowohl die lichtdurchströmte Basilika als auch die Kunstfertigkeit vieler Straßenmaler.

Unseren letzten Tag in Amiens nutzen wir natürlich, um unsere übriggebliebenen Francs gut anzulegen und für eine abendliche Abschiedsfeier im Internat.

Hieß es doch Freitagmorgen für uns alle Abschied zu nehmen von neu gefundenen Freunden. Entgegen unseren anfänglichen Empfindungen fiel es uns nun schwer, auf Wiedersehen zu sagen.

Doch können wir schon bald wieder auf französische Art guten Tag sagen, wenn die Franzosen im Februar ihren Gegenbesuch in Lüdenscheid antreten.