Bologna macht das Leben nicht leichter


Direktor des Mathematischen Instituts der Uni Köln referiert +ber EU-weite Vereinheitlichung von Studiengängen und gibt Tipps

LN v. 26.01.2008 - Derzeitigen Oberstufenschülern ist der Zugang zu den Studiengängen erschwert. Weil es keine Orientierung gibt. Weil bewährte Informationsquellen wie Eltern, Geschwister oder Studenten im Umfeld wegfallen, denn diese kennen sich auch nicht mehr aus in dem neuen “Bologna-Prozess”.

Dr. Ulrich Halbritter (stehend) referierte über die Bologna-Reform
(Foto: LN/Alijah)

Die Rede ist von der Idee, Studien europaweit zu vereinheitlichen, um Studenten die Möglichkeit zu schaffen, sich zwischen den europäischen Universitäten frei bewegen zu können.

Der Akademische Direktor am Mathematischen Institut der Uni Köln, Dr. Ulrich Halbritter, referierte am Scholl-Gymnasium über die Auswirkungen der neuen Studiengänge, die seit diesem Wintersemester in NRW verbindlich sind. Diplom- und Magisterstudiengänge gehören der Vergangenheit an. Diese wurden durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt.

Geboren wurde die Idee eines gemeinsamen Bildungssystems auf ministerialer Ebene im italienischen Bologna, woher die Reform ihren Namen hat. Was als gute Idee gedacht gewesen sei, so Halbritter, entpuppe sich aber auf den zweiten Blick als nicht unproblematisch. Hierzu gehöre nicht nur der kritische mittelständischer Unternehmen, den zukünftigen Arbeitgebern der neu Qualifizierten. “Durch strenge Prüfungsordnungen entsteht nun für Studierende an ein permanenter Leistungs- und Prüfungsdruck”, so der Referent. Fristen seien einzuhalten, Studienzeiten würden verkürzt, die Möglichkeit zu Prüfungswiederholungen beschränkt.

Für alle, die diesen Anforderungen nicht genügen könnten, ende das Studium in diesem oder artverwandten Fach - und an jeder Universität. Außerdem sei es fraglich, ob mit dieser Reform die Ziele zu erreichen seien, europaweite einheitlich Bewertungsmaßstäbe zu kreieren. “In Köln erzielte Leistungspunkte werden sicherlich auch weiterhin in Cambridge oder der Ecole Normale Supérieure anerkannt”, erläuterte Dr. Halbritter.

Zu den Masterstudiengängen soll es weniger Zulassungen geben. Halbritter riet den etwas 15 Zuhörern, sich umfassend über die - einheitlichen - Prüfungsordnungen der Unis zu erkundigen, Studienberater zu kontaktieren, nachzufragen, wie viele Studenten prozentual zu den Magisterstudiengängen mit welcher Note zugelassen würden - denn auch dies variiert von Uni zu Uni - und sich nicht nur durch einen Univergleich gut auf ein Studium vorzubereiten.

Obwohl von Staatseite eingeführt, beträfen diese Neuerungen jedoch zunächst leider nicht jene Studiengänge, die auch mit einem Staatsexamen abschließen.