Viele negative Folgen

Gymnasiasten diskutieren mit Politikern über die Auswirkungen des Brexit


LN v. 19.12.16 - Rund 60 Schüler und Schülerinnen der drei Lüdenscheider Gymnasien diskutierten im Hanns-Martin-Schleyer-Haus mit Politikern über die Folgen des Brexit. Eingeladen hatte zu der Veranstaltung der Arbeitskreis Schule/Wirtschaft des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektro-Industrie (AGV) auf Initiative des Lüdenscheider Unternehmers und AGV-Mitglied Ralf Schwarzkopf.

Auf dem Podium saßen die beiden heimischen Europaabgeordneten Dr. Peter Liese (CDU) und Birgit Sippel (SPD) sowie die Landtagsabgeordnete Angela Freimuth (FDP). Schwarzkopf, der auch für die CDU für den Landtag kandidiert, nahm selbst in seiner Eigenschaft als Unternehmer an der Diskussion teil. Er hatte außerdem seine in England lebende Schwester Birgit Clark eingeladen, damit sie über die Erfahrungen ihrer Familie berichtet. Moderiert wurde die Runde vom AGV-Vorsitzenden Dr. Frank Hoffmeister.

Die Schüler bewiesen durch zahlreiche Fragen Interesse an den Vorgängen in Europa und in Großbritannien. Unter anderem wollte eine Schülerin wissen, wie die Tochter von Birgit Clark mit der Situation umgeht und ob die Familie erwäge, London zu verlassen – eine endgültige Entscheidung gebe es noch nicht, weil keiner wisse, wie es mit den Jobs weitergehe. Aber auch nach den Kosten des Brexit für Europa wurde gefragt und danach, ob es nach der Darstellung der zahlreichen negativen Folgen auch positive Aspekte gebe. Dazu sagte Liese, dass es sicher im Kleinen einige Entscheidungen gebe, die innerhalb des EU-Parlaments ohne die Einwendungen der Briten leichter zu treffen sind. Aber das seien Kleinigkeiten im Vergleich zu den Nachteilen. Allerdings prognostizierten sowohl die Politiker als auch Ralf Schwarzkopf und Birgit Clark viele negative Folgen für die Briten – insbesondere für Arbeitsmarkt und Wirtschaft, wenn Großbritannien nicht mehr am europäischen Binnenmarkt teilnimmt. Schon jetzt sei spürbar, das international operierende Unternehmen in London niemanden mehr einstellen, sagte Birgit Clark. Schwarzkopf warnte vor explodierenden Lebenshaltungskosten für die Bürger in Großbritannien.

Clark und Sippel appellierten an die jungen Zuhörer, dass man aus der Situation lerne müsse, dass Entscheidungen Konsequenzen haben. Viele hätten den Brexit nicht gewollt und doch dafür gestimmt, weil sie dachten, das würde ohnehin nicht passieren. Zahlreiche junge Leute, die durchweg in der EU bleiben wollten, seien gar nicht zur Abstimmung gegangen – sie hätten nun die Folgen zu tragen.

Birgit Sippel sagte, das Ergebnis des britischen Volksentscheids habe gezeigt, wie wichtig es sei, bei Negativ-Kampagnen von Populisten und Extremisten, die es ja auch in Deutschland gebe – vielfach über die sozialen Netzwerke –, mit Argumenten und Fakten dagegenzuhalten. Das habe David Cameron versäumt. „Wir müssen aufhören, alles schlecht zu reden.” Auch Liese betonte, dass die Verdienste des vereinigten Europas, das nicht zuletzt den Frieden in der Region sichere, wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden müssen. „Frieden ist nicht selbstverständlich. Das dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen.” Angela Freimuth hob die Wertegemeinschaft in Europa hervor. „Das ist etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt.