Aus der Geschichte des Geschwister-Scholl-Gymnasiums


In den 150 Jahren seiner Geschichte hat sich das Geschwister–Scholl–Gymnasium (diesen Namen erhielt die Schule 1959) von einer einzigen Mädchenklasse, einem Anhängsel der Jungenschule, zu einem koedukativen Gymnasium mit über 700 Schülerinnen und Schülern entwickelt.

In diesem Zeitraum hat es unterschiedliche Bezeichnungen geführt: “Höhere Töchterschule”, “Lyzeum und Oberlyzeum”, “Oberschule für Mädchen, sprachliche Form” (1938), “Neusprachliches Mädchengymnasium”, “Neusprachliches Mädchengymnasium für Frauenbildung”. 1969 wurde dieser Zweig eingerichtet, der dem besonderen Anliegen der Mädchenbildung entgegenkam, indem er die einseitig intellektuelle Ausbildung um Fächer der ästhetischen und sozialwissenschaftlich–erzieherischen Richtung, wie Textiles Gestalten, Pädagogik und Hauswirtschaft, ergänzte.

Damals erhielt die Schule eine moderne Küche und Textilgestaltungsräume im Neubau der Dreifachsporthalle des Zeppelin-Gymnasiums und schließlich die Bezeichnung “Gymnasium für Jungen und Mädchen mit differenzierter Oberstufe”. Gerade diese Differenzierung und die Einführung der Koedukation waren dafür verantwortlich, dass sich der neue Schultyp der Mädchenbildung nicht entfalten konnte.

Offiziell liegt das Ursprungsjahr im Jahre 1858, doch im Jahr 1840 bestand schon eine Mädchenklasse als Teil der damaligen Rektoratschule. Warum wurde das Gründungsjahr auf 1858 festgelegt? Die Berechtigung, das Jahr 1858 besonders herauszustellen, liegt in der Tatsache begründet, dass in diesem Jahr die Rektoratschule, die vorher von der Stadt und dem Kirchspiel Lüdenscheid gemeinsam betrieben wurde, in den alleinigen Besitz der Stadt überging. Dabei wurde die Zahl der Jungenklassen auf drei, die der Mädchenklassen auf zwei erhöht.

Die Königliche Regierung in Arnsberg schickte schriftlich den Erlass zur Gründung einer zweiklassigen Mädchenschule. Doch da es noch keine ministeriellen Vorgaben zum Betreiben und zur Handhabung für solche “Höheren Töchterschulen” gab, führte diese Schule in Lüdenscheid, so wie dieanderen in ganz Deutschland, ein kümmerliches Dasein.

1910 erhielt die Schule die Anerkennung als Lyzeum und die Berechtigung, ein Abschlusszeugnis zu erteilen, das dem “Einjährigen” der Jungenschule gleichgestellt war. Gleichzeitig wurde das Lyzeum in den Zuständigkeitsbereich des Höheren Schulwesens, das heißt des Provinzialschulkollegiums, übernommen.

Aber trotz der Erweiterung des Lehrplans wurde am Lyzeum fast ausschließlich eine ästhetische Bildung vermittelt. Erst nach dem Ersten Weltkrieg trat infolge der Reformpolitik und der Anerkennung der Gleichberechtigung der Mädchenbildung eine Änderung ein.

1924 beschloss die Stadt Lüdenscheid den Aufbau eines Oberlyzeums, 1928 legten die ersten 15 Schülerinnen das Abitur ab. Der geistige Aufschwung der 20er Jahre kam auch dem Mädchenschulwesen zugute. Die Schülerzahlen nahmen stark zu. 1928 besuchten 419 Mädchen das Lyzeum.

In den 30er Jahren gingen die Zahlen bedingt durch die wirtschaftliche Notlage zurück, stiegen aber nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an.

Im Jubiläumsjahr 1958 hatte die Schule wieder knapp 500 Schülerinnen. In den 60er Jahren änderte sich die bildungspolitische Landschaft grundlegend. Der Bildungsnotstand löste eine Fülle von Reformen aus. Das Gymnasium gewann in allen Bevölkerungsschichten an Bedeutung, so dass die Schülerzahlen stark anstiegen.

In Lüdenscheid wurde ein drittes Gymnasium, das Bergstadt–Gymnasium, gegründet. Trotzdem nahm die Zahl der Anmeldungen weiter zu, so dass schließlich anstelle der ursprünglich zwei Eingangsklassen am Geschwister-SchollGymnasium drei Sexten eingerichtet wurden. Die Gesamtschülerzahl stieg vorübergehend auf fast 800.

Schon bevor die Kultusministerkonferenz 1972 die Vereinbarung zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe verabschiedete, hatten sich die beiden Staberger Gymnasien (Geschwister-Schollund Zeppelin-Gymnasium) dazu entschlossen, Organisationsform und Unterrichtsinhalte der Oberstufe zu reformieren. Gemeinsam wurde ein Modell ausgearbeitet, das es den Schülerinnen und Schülern ermöglichte, individuelle Schwerpunktezu setzen. Die bisherigen typischen Fächer des neusprachlichen bzw. mathematischnaturwissenschaftlichen Zweiges waren fortan nicht mehr verbindlich als Leistungsschwerpunkte. Innerhalb der Aufgabenfelder konnte der Schüler seine Schullaufbahn unter Beachtung bestimmter Pflichtbindungen selbst bestimmen. Damit begann das “Wandern” der Schülerinnen und Schüler: von Raum zu Raum, von Schule zu Schule. Die räumliche Nähe beider Schulen erwies sich damals als nicht unerheblich für das Gelingen der Kooperation am Staberg.

1973 übernahmen beide Gymnasien das von der Kultusministerkonferenz vereinbarte und in Nordrhein-Westfalen verbindlich gewordeneModell der reformierten oder differenzierten Oberstufe, welches auch heute noch in seiner Grundform gültig ist. Für die Schülerinnen und Schüler brachte die Zusammenarbeit große Vorteile mit sich. Sie ermöglichte ein breites Unterrichtsangebot und differenzierte Wahlmöglichkeiten, die später durch die Beteiligung des Bergstadt-Gymnasiums im Leistungsund zum Teil auch im Grundkursbereich erweitert wurden. In Vergangenheit und Gegenwart hat sich das Geschwister-Scholl-Gymnasium den Herausforderungen der Zeit gestellt und flexibel auf politische und pädagogische Strömungen reagiert.

Seit Ende der 70er Jahre haben sich bis heute am Staberg lebendigen Schüleraustauschprogramme mit Frankreich und Italien entwickelt. Seit 1989 pflegt das Geschwister-Scholl-Gymnasium auch freundschaftliche Kontakte mit einer englischen Partnerschule. Seit Ende der 90er Jahre widmet sich das Geschwister-Scholl-Gymnasium verstärkt der Begabtenförderung und erhielt im Jahre 2007 das Gütesiegel der Landesregierung für Individuelle Förderung.

Im Rahmen der Berufswahlmöglichkeiten werden seit längerem in der gemeinsamen Oberstufe beider Schulen im ersten Halbjahr der Jahrgangsstufe 11 Schülerbetriebspraktika durchgeführt. Zusätzlich nehmen die Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 12 und 13 an Informationsveranstaltungen mit Vertretern akademischer Berufe und Vertretern von Ausbildungsberufen teil. Das breite Angebot an BerufswahlorientierungsMaßnahmen ist ebenfalls 2007 mit dem Siegel ‘Berufswahlorietierte Schule’ ausgezeichnet worden.

Seit 1994 wird am Geschwister-SchollGymnasium das Projekt “Lernen lernen” für die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 durchgeführt, um sie einem ganzjährigen Lerntraining mit Lernstrategien und Techniken des selbstständigen Lernens vertraut zu machen. Zur Stärkung der Persönlichkeit und der sozialen Kompetenz bietet die Schule seit dem Jahr 2000 das vierjährige Lions-Quest-Programm “Erwachsen werden” an. Ergänzungsstunden zur individuellen Förderung, Lerncoaching im Nachmittagsbereich und zahlreiche außerunterrichtliche Aktivitäten runden das schulische Angebot ab.

Für die Leistungsfähigkeit einer Schule ist von Bedeutung, dass ihre Arbeit von der Elternund Schülerschaft aktiv mitgetragen wird. So ist es am Geschwister-Scholl-Gymnasium selbstverständlich, dass beide Gruppen an allen Aktivitäten maßgeblich beteiligt sind.

Durch die finanzielle Hilfe des Fördervereins konnten in der Vergangenheit wichtige Anschaffungen getätigt und zahlreiche Vorhaben der Schule verwirklicht werden.

Ein eigens von Eltern gegründeter Cafeteria-Verein sorgt für das leibliche und seelische Wohl in einer gemütlichen Atmosphäre.